HOMEPAGE



Essen

ZWEI TÄNZER MALEN DÜSTERE TRISTESSE

"Moving Colours" in schwarz-weiss von Armen Hakobyan und Denis Untila



Entstanden ist am Aalto-Theater Essen ein vorwiegend düsteres, hochartifizielles Bühnenkunstwerk in kühler, moderner Ästhetik mit archaischem Flair. Was für eine verpasste Chance, die frische Farbenpracht des Frühlings tanzend zu feiern!


  • "Moving Colours" von Armen Hakobyan und Denis Untila am Aalto-Theater Essen Foto © Bettina Stöss
  • "Moving Colours" von Armen Hakobyan und Denis Untila am Aalto-Theater Essen Foto © Bettina Stöss
  • "Moving Colours" von Armen Hakobyan und Denis Untila am Aalto-Theater Essen Foto © Bettina Stöss
  • "Moving Colours" von Armen Hakobyan und Denis Untila am Aalto-Theater Essen Foto © Bettina Stöss

Tulpenfelder, die sich im Winde wiegen - bunte Blumen, die ihre Kelche der Sonne entgegen recken - glückliche Menschen, die strahlend durch die erwachende Natur wandern und hüpfen.... All solche Bilder kommen in den Sinn, hört man den Titel von Essens neuem Ballettabend "Moving Coulours". Armen Hakobyan und Denis Untila, seit Jahren Tänzer des Aalto Balletts, haben ihre Ideen über das Thema Bewegung und Farbe in eine gemeinsame abendfüllende Choreografie gepackt. Der Titel "Moving Colours" könnte "Bewegte Farben" bedeuten oder auch "Bewegende Farben". Aber da klären auch die Überschriften zu den beiden Teilen "Wir sehen, was wir sehen wollen" und "Finde deine Farbe!" nicht auf. Entstanden ist ein vorwiegend düsteres, hochartifizielles Bühnenkunstwerk in kühler, moderner Ästhetik mit archaischem Flair.

Elektronikmusik-Experte Dirk Haubrich hat eigens einen minimalistischen Klangteppich aus lang gehaltenen oder kurz angeschlagenen Tönen in sparsamsten Klangfarben gewebt. Yoko Seyama zeichnet für die raffinierte Bühnengestaltung aus Projektionen und Videoclips verantwortlich. Die Kostüme entwarf Rosa Ana Chanzá Hernández als rituelle schwarze Roben und meist grau bis schwarzes Turnzeug. Am Lichtschalter waltet Tim Waclawek spartanisch. Da waren bei der Premiere zwischen den vielen auf und ab schwebenden, schwarzen Vorhängen kaum je die Gruppen in ihren langen Gewändern auszumachen. Ein Glück, wenn die Tanzfläche mal maigrün leuchtete oder gar auch für Minuten die virtuellen hufeisenförmigen Wände!

Vier schöne Bilder bleiben immerhin haften: auf dem Vorhangvideo zu Beginn hebt sich ein bunt bemalter Mann aus dem Gewusel der Nackten und Silhouetten ab. In einer späteren Szene gleiten Männer und Frauen auf breiten bunten Bändern durch den halbdunklen Raum und schälen dabei einen grünen Kumpel, bis er ganz rot aussieht - und andere ihm die roten Bandagen vom Körper wickeln. Im zweiten Teil spiegelt sich eine Riege in buntchangierendem fahrbaren Rahmen und sucht die bestpassende eigene Farbe. Am Schluss schließlich taucht einer aus hellblauen Wasserfluten an der sonnendurchfluteten Rampe auf, lange Stoffbahnen oder triefende Kleidungsstücke in gedeckten Farben hinter sich herziehend.

Insgesamt aber ist es für die Zuschauer ein eher ermüdender, mühseliger Theaterabend - trotz exzellenter, wiewohl wenig origineller Bewegungen sowohl der großen Gruppe als auch der drei Solistenpaare Carla Colonna und Liam Blair, Mariya Tyurina und Yehor Hordiyenko, Yuki Kishimoto und Davit Jeranyan. Was für eine verpasste Chance, die frische Farbenpracht des Frühlings tanzend zu feiern!

Veröffentlicht am 29.04.2018, von Marieluise Jeitschko in Homepage, Gallery, Tanz im Text, Kritiken 2017/18

Dieser Artikel wurde 933 mal angesehen.



Kommentare zu "Zwei Tänzer malen düstere Tristesse"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    ZUR ABWECHSLUNG MAL „BALLETTOGRAF“

    Alexander Ekman mit „3 By Ekman“ beim Aalto-Ballett in Essen

    Ob sich Ekmans in diesen drei Beispielen gezeigte, noch etwas unausgefeilte kreative Kraft im großen Kreis internationaler zeitgenössischer Tanztendenzen zu behaupten vermag, wird die Zeit zeigen.

    Veröffentlicht am 05.03.2017, von Marieluise Jeitschko


    TRAGISCHE LIEBE OHNE ECKEN UND KANTEN

    Ben Van Cauwenberghs "Romeo und Julia" in Essen

    Essens Ballettdirektor wartet mit einigen gefälligen Details auf, und seine Kompanie bietet lupenreinen neoklassischen Tanz, der Kurzweil garantiert.

    Veröffentlicht am 02.11.2014, von Marieluise Jeitschko


    TRAGISCHE LIEBE UND TRAUER

    Bei David Dawsons "Giselle" machen Essens "Aalto Ballett" und Gelsenkirchens "Ballett im Revier" gemeinsame Sache.

    Bridget Breiner tanzte in der Essener Premiere eine faszinierende Bathilde und alterniert in der Titelpartie mit der zauberhaft natürlichen Anna Kamzhina.

    Veröffentlicht am 30.03.2014, von Marieluise Jeitschko


     

    LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


    UNTER „RIVERS“ GURGELT DIE DONAU

    Regensburger "CiRR – Choreographers in Residence Program"
    Veröffentlicht am 16.07.2018, von Michael Scheiner


    TANZ DER EINSAMKEIT

    "La Strada" im Gärtnerplatztheater München
    Veröffentlicht am 15.07.2018, von Boris Michael Gruhl


    GRANDIOSER AUFTAKT

    Die Kibbutz Dance Company 2 eröffnet das Münchner Festival THINK BIG! für junges Publikum im Muffatwerk
    Veröffentlicht am 14.07.2018, von Boris Michael Gruhl



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    OUR HONOURABLE BLUE SKY AND EVER ENDURING SUN...

    "And so you see..." von Robyn Orlin im Muffatwerk München

    Den Finger in die Wunde legen: Robyn Orlin (*1955 in Johannesburg) hat es sich zum Prinzip gemacht, genau hinzuschauen, eine Gesellschaft mit den eigenen Widersprüchen zu konfrontieren.

    Veröffentlicht am 21.06.2018, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

    „Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
    Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


    LETZTER WALZER IN STUTTGART

    Alicia Amatriain tanzte 2003 in „Lulu“ die Titelrolle – und jetzt erneut 2018
    Veröffentlicht am 18.06.2018, von Marlies Strech


    MOSAIK DER BEWEGUNG

    Richard Siegals Ballet of Difference mit "On Body" in der Münchner Muffathalle
    Veröffentlicht am 05.03.2018, von Miriam Althammer

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    ESKALATION AM TANZTHEATER WUPPERTAL

    Intendantin Adolphe Binder entlassen, Geschäftsführer Dirk Hesse hört zum Jahresende ebenfalls auf

    Veröffentlicht am 13.07.2018, von tanznetz.de Redaktion


    ACCESS TO DANCE



    Veröffentlicht am 03.05.2013, von tanznetz.de Redaktion


    NACH REIFLICHER ÜBERLEGUNG

    Martin Schläpfer zum neuen Direktor des Wiener Staatsballetts berufen

    Veröffentlicht am 22.06.2018, von Pressetext


    TO WHOM IT MAY CONCERN

    Adolphe Binder reagiert in einem offenen Brief auf ihre Entlassung

    Veröffentlicht am 14.07.2018, von tanznetz.de Redaktion


    VON GANZEM HERZEN ENTERTAINER

    Ben Van Cauwenbergh feiert Jubiläum

    Veröffentlicht am 17.06.2018, von Marieluise Jeitschko



    BEI UNS IM SHOP