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Heidelberg

DIE WIEDERAUFERSTEHUNG DES SCHWANS

„Dance, my life“ in der Hebelhalle in Heidelberg



Choreografin Jai Gonzales hat zu ihrer Aufführungs-Reihe „Open Stage“ die ehemaligen Weggefährten des UnterwegsTheater eingeladen – ein Abend mit Nachhall.


  • Choreografin Jai Gonzales hat zu ihrer Aufführungs-Reihe „Open Stage“ die ehemaligen Weggefährten des UnterwegsTheater eingeladen Foto © Günter Krämmer
  • Choreografin Jai Gonzales hat zu ihrer Aufführungs-Reihe „Open Stage“ die ehemaligen Weggefährten des UnterwegsTheater eingeladen. Foto © Günter Krämmer
  • Choreografin Jai Gonzales hat zu ihrer Aufführungs-Reihe „Open Stage“ die ehemaligen Weggefährten des UnterwegsTheater eingeladen Foto © Günter Krämmer

„Wann und Wie sind Sie zum Tanz gekommen?“ Aki Kato, ehemalige gefeierte Mannheimer Ballerina bei Philippe Talard und heute Inhaberin einer Tanzschule, kann diese Frage gar nicht beantworten. Für sie war der Tanz schon immer da – und ein Vater, der sie von klein auf gedrillt hat. Ähnlich erging es ihrem ehemaligen Ensemblekollegen Lyches Huddelston Jr., heute Leiter des Bewegungschores am Nationaltheater. Dass der Tanz für sie lebensbestimmend war, ist der gemeinsame Nenner der KünstlerInnen, die Choreografin Jai Gonzales zu ihrer Aufführungs-Reihe „Open Stage“ eingeladen hat, um auszuloten, was das tatsächlich heißt: „Dance, my life“.

Für Veronika Kornová-Cardizzaro ist es der Spitzentanz. Dafür gibt es eine Ballettstange, dicht neben der Podestbühne, auf der die „Ehemaligen“ aus der Region noch mal nachspüren können, wie es sich anfühlt auf den Brettern, die sprichwörtlich die Welt bedeuten: nicht immer gut. Aber wenn der Partner stimmt, – und mit Tyrel Larson hat die Tänzerin einen Partner zur Seite, den sie aus ihrer langjährigen Mitgliedschaft im Kevin-O’Day-Ensemble am Nationaltheater bestens kennt – dann kann das bei der schwierigen, eindrucksvollen Balance auf der Spitze schon helfen. Ihr ehemaliger Kollege Luis Sayago lässt sich dagegen mit Engelsgeduld auf choreografischen Spitzfindigkeiten im zeitgenössischen Tanz ein, wo schon mal der Daumen mehr Ausdruck zeigen muss… Es darf gelacht werden an diesem Abend, Wehmut ist sowieso schon da.

Catherin Guerin, ehemalige Tänzerin im Heidelberger Liz-King-Ensemble, hadert eher mit dem Sich-Wohlfühlen. Da hilft auch die Westside-Story-Beschwörung „I feel pretty“ nicht. Obwohl: Als klassisch ausgebildete Tänzerin hast du entweder hundertmal „Schwanensee“ getanzt oder „West Side Story“… Lyches Huddleston lässt eingangs einen anderen Ballettklassiker im wörtlichen Sinne auferstehen, den „Sterbenden Schwan“. Er ist einer, der nicht hadert mit dem, was die Jahre aus seinem Körper machen. Aki Kato dagegen wird auch mal ganz schön wütend.

Manchmal tanzt sie im Traum, die langjährige Heidelberger Kresnik-Tänzerin Kate Antrobus, und dann fallen die Jahre von ihr ab. Es ist schwer, aufzuhören, denn der Tanz ist ja immer (noch) da. Perfekt dazu: Die von Nils Herbstrieth auf der großen Leinwand im Bühnenhintergrund eingespielten Bilder, – eine Mischung aus abstraktem Pixel-Tanz und bearbeitetem Life-Video – die das Geschehen auf der Bühne vielfach nachklingen lassen.

Jai Gonzales hat für diesen Abend ehemalige Weggefährten des UnterwegsTheater eingeladen, die zum Teil noch in der legendären Pro-B-Bühne am Hauptbahnhof zwischen störenden Stützpfeilern unvergesslich getanzt haben. Das von ihr ausgedachte Format „Open Stage“ gewinnt allmählich Kultstatus. Vielleicht, weil es nur von gestandenen Künstlerpersönlichkeiten mit Leben gefüllt werden kann: Kürzeste Probezeiten, eine vorgegebene Struktur, 60 Minuten Zeit und alles andere ist Life-Ereignis. Wie die TänzerInnen an diesem Abend ihre in vieler Hinsicht gemeinsame Geschichte auf die Bühne gebracht haben, das findet beim hellauf begeisterten Publikum in der voll besetzten Halle nicht nur großen Beifall, sondern sicherlich einen langen Nachhall.

Veröffentlicht am 25.03.2018, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Tanz im Text, Kritiken 2017/18

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