HOMEPAGE



Berlin

WANDERN DURCH DEN DARKROOM UND MULTIPLES ROLLENSPIEL

In den Sophiensaelen starten durchwachsen die 27. Tanztage



Das neue Jahr beginnt auch diesmal traditionell mit der Schau von Nachwuchschoreografen. Die Tanztage in den Sophiensaelen haben sich Förderung auf die Standarte geschrieben, und dies bereits in der 27. Ausgabe.


  • 27. Tanztage Berlin: Joy Alpuerto Ritter „Alter Egos“ Foto © Dieter Hartwig
  • 27. Tanztage Berlin: Joy Alpuerto Ritter „Alter Egos“ Foto © Dieter Hartwig
  • 27. Tanztage Berlin: Joy Alpuerto Ritter „Alter Egos“ Foto © Dieter Hartwig
  • 27. Tanztage Berlin: Sara Mikolai „Sakai 03.04“ Foto © Dieter Hartwig
  • 27. Tanztage Berlin: Sara Mikolai „Sakai 03.04“ Foto © Dieter Hartwig
  • 27. Tanztage Berlin: Sara Mikolai „Sakai 03.04“ Foto © Dieter Hartwig
  • 27. Tanztage Berlin: Helen Schröder & Die Neue Kompanie „Der Tanzatlas“ Foto © Dieter Hartwig
  • 27. Tanztage Berlin: Helen Schröder & Die Neue Kompanie „Der Tanzatlas“ Foto © Dieter Hartwig
  • 27. Tanztage Berlin: Przemek Kaminski, Mateusz Szymanówka & Marta Ziólek „So Emotional“ Foto © Dieter Hartwig
  • 27. Tanztage Berlin: Przemek Kaminski, Mateusz Szymanówka & Marta Ziólek „So Emotional“ Foto © Dieter Hartwig
  • 27. Tanztage Berlin: Przemek Kaminski, Mateusz Szymanówka & Marta Ziólek „So Emotional“ Foto © Dieter Hartwg

Das neue Jahr beginnt auch diesmal traditionell mit der Schau von Nachwuchschoreografen. Die Tanztage in den Sophiensaelen haben sich Förderung auf die Standarte geschrieben, und dies bereits in der 27. Ausgabe. Aus, so liest man, 70 Bewerbungen hat Festivalleiterin Anna Mülter sieben Premieren und sieben Gastspiele ausgesucht, die beleuchten sollen, was in der Szene des zeitgenössischen Tanzes an Themen aufblitzt, an Problemen gärt. Elf Tage lang stehen dafür alle Räume der Sophiensaele den internationalen Choreografen, Tänzern und, wie üblich, zahlreichen Zuschauern offen. Den Auftakt bot eine Erfahrung der besonderen Art. In „Subjects of Positions“ lässt Zwoisy Mears-Clarke, studierter Biomedizintechniker, die Besucher und die fünf Akteure der Initiative „tanzfähig“ in einem dunklen Raum aufeinandertreffen. Die Performer nehmen jeweils eine Traube von Zuschauern ins Schlepptau und führen sie behutsam durch das Dunkel. Zusätzlich sollen alle die Augen schließen, um jede Orientierung und Beeinflussung etwa durch Notlicht zu vermeiden. Die Mitspieler fassen sich beim Parcours durch den Saal an der Schulter oder den Händen, und niemand weiß, wer vor oder hinter ihm ist. Da der Sehsinn komplett ausgeschaltet ist, reagiert der Tastsinn umso feiner auf die Berührungen. Bewegungen, von der Anführerin erfunden, pflanzen sich durch ihren Pulk fort und bringen so die Körper in tuchfühlenden Kontakt. Wenn das Licht angeht, stehen die Teilnehmer wieder separiert, ohne Kenntnis ihrer Partner im Fühl-Spiel, doch mit geschärftem Empfinden für die Umgebung.

Enttäuschend fiel ein Doppelprogramm als zweite Vorstellung am Premierenabend der Tanztage aus. Joy Alpuerto Ritter wollte in „Alter Egos“ gewissermaßen das Multiple einer Person erfassen. Unter sieben Wohnstubenlampen, steuerbar zu erleuchten, neben und auf einem Stuhl als einzigem Requisit schlüpft sie in ganz verschiedene Bewegungsqualitäten und umreißt Charaktere. Etwa verliert sie sich in einen gestisch untermalten Yes-No-Dialog, stöckelt auf einem Lichtstreif, federt biegsam über den Boden, bezieht Groteskes ein, lässt sich von Jazz inspirieren. Leider reihen sich die Episoden beinah willkürlich aneinander, ohne eine zwingende Dramaturgie erkennen zu lassen. So präsentiert „Alter Egos“ einzig Ritters außerordentliche Vielseitigkeit, ihre körperliche Plastizität, Prägnanz und Präsenz. Ballett hat sie an der Palucca Hochschule für Tanz studiert, ist firm in zeitgenössischem Tanz, HipHop, philippinischen Volkstänzen. Nicht umsonst haben sie der Cirque du soleil und Akram Khan engagiert. Man schaut ihr gern zu und darf auf gesteigerte choreografische Einsichten hoffen.

Gleich 50 Minuten lang versuchte nach der Pause das polnische Duo Przemek Kamiński und Marta Ziółek in „So Emotional“ das Feld der Gefühle provokant auszuloten. Als Typen unter weißen Masken und mit Kapuzen agieren sie endlos langsam, formieren sich im Schnittpunkt zweier Lichtbalken zur Pietà, nehmen pathetische Posen ein, zelebrieren Fernboxen, hantieren mit Stöcken zu „Singing in the Rain“ und wirken ergreifend hilflos in der Suche nach den geeigneten Mitteln, sich auszudrücken. Falls sie mit dem finalen „lift me up“, von ihr ins Mikrofon skandiert, von ihm im Diskorausch mit dem Rücken zum Saal getanzt, die Zuschauer in manipulierte Rage bringen wollten, ist ihnen das gelungen. Viel mehr nicht.

Zwei weitere Themenkreise offerieren die Tanztage. Zum einen Genderfragen. So untersucht Sara Mikolai in ihrem Solo „Sakhi 03.04“ die nicht geschlechtsspezifischen Ursprünge des südindischen Bharatanatyam und wie sich die Sakhi-Bindungen, intime Beziehungen zwischen zwei Frauen über Kaste und Klasse hinweg, darin spiegeln. Xenia Taniko eignet sich in „Not your Man“ maskulines Gebaren als rein physische Qualität an. Um „Immersive Meditation“ geht es, zweites Thema, Reza Mirabi und Roland Walter, einem Tänzer mit Behinderung. Spannend dürfte auch Mey Seifans Stück über Nachtträume syrischer Landsleute sein, in denen sich die Realität eines gebeutelten Landes bricht.

Bis 14.1., Sophiensaele, Sophienstr. 18, Ticksets unter 283 52 66, www.sophiensaele.com

Veröffentlicht am 08.01.2018, von Volkmar Draeger in Homepage, Kritiken 2017/2018

Dieser Artikel wurde 1465 mal angesehen.



Kommentare zu "Wandern durch den Darkroom und multiples Roll ..."



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    AKTUELLE NEWS


    VERTRAUENSVOLLE ZUSAMMENARBEIT

    International Greater Bay Dance and Music Festival in Südchina
    Veröffentlicht am 15.10.2018, von Dagmar Klein


    ABSCHIED

    Yuki Mori verlässt das Theater Regensburg
    Veröffentlicht am 15.10.2018, von Pressetext


    DIREKT UND STARK

    Die TanzTour der Freien Szene in Stuttgart
    Veröffentlicht am 14.10.2018, von Katharina de Andrade Ruiz



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    TANZ-FÖRDERPREIS

    Kurt – Jooss - Preis 2019 wird international ausgeschrieben.

    Anlässlich des 100. Geburtstages von Kurt Jooss wurde im Jahr 2001 erstmals der „Kurt-Jooss-Preis“ im Rahmen des „Folkwang.Fest der Künste.Tanz!“ verliehen.

    Veröffentlicht am 08.05.2018, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

    „Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
    Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


    LETZTER WALZER IN STUTTGART

    Alicia Amatriain tanzte 2003 in „Lulu“ die Titelrolle – und jetzt erneut 2018
    Veröffentlicht am 18.06.2018, von Marlies Strech


    FAIR? FESTIVAL!

    Die internationale tanzmesse nrw 2018 in Düsseldorf - Ein Rückblick
    Veröffentlicht am 05.09.2018, von Natalie Broschat

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    HELLMUTH MATIASEK FEIERT HEUTE SEINEN 85.GEBURTSTAG

    Pick bloggt über seinen langjährigen Intendanten Hellmuth Matiasek und reist in Gedanken von Rosenheim bis nach Japan

    Veröffentlicht am 15.05.2016, von Günter Pick


    PHILIP LANSDALE GESTORBEN

    Am 10.10. verstarb der ehemalige Bielefelder Ballettdirektor

    Veröffentlicht am 11.10.2018, von Pressetext


    ABSCHIED

    Yuki Mori verlässt das Theater Regensburg

    Veröffentlicht am 15.10.2018, von Pressetext


    WESTERNHELDEN UND STEPP-ROMANTIK

    „Cowboys“ mit der Sebastian Weber Dance Company am LOFFT in Leipzig

    Veröffentlicht am 17.10.2018, von Boris Michael Gruhl


    GLITZERFUMMEL VS T-SHIRT

    Godani meets Forsythe bei der Dresden Frankfurt Dance Company

    Veröffentlicht am 15.10.2018, von Isabelle von Neumann-Cosel



    BEI UNS IM SHOP