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Baden-Baden

„PAQUITA“ MIT NEUER GESCHICHTE

Yuri Smekalovs Neufassung für das Mariinsky-Ballett im Festspielhaus Baden-Baden



Dieses eindrucksvolle Spektakel ist ein willkommener Neuzugang zum Mariinsky-Repertoire, dem eine sehr erfolgreiche Zukunft bevorstehen müsste.


  • "Paquita" vom Mariinsky Ballett in Baden-Baden. Viktoria Tereshkina als Paquita und Timur Askerov als Andrés. Foto © Darian Volkova
  • "Paquita" vom Mariinsky Ballett in Baden-Baden Foto © Natasha Razina
  • Viktoria Tereshkina als "Paquita" vom Mariinsky Ballett in Baden-Baden Foto © Natasha Razina
  • "Paquita" vom Mariinsky Ballett in Baden-Baden Foto © Valentin Baranovsky

Von Joseph Maziliers „Paquita“, die 1846 zu Musik von Edouard Delvedez uraufgeführt wurde und von Marius Petipa in Sankt Petersburg mehrmals überarbeitet und ergänzt wurde, war lange Zeit nur der Grand Pas aus dem dritten Akt bekannt. Dieser von Petipa hinzugefügte Teil wurde – und wird immer noch – oft als brillantes, handlungsloses Divertissement bei Galas aufgeführt. Im Jahr 2001 schuf Pierre Lacotte an der Pariser Oper eine Neufassung, in der er die erhaltenen Teile durch eigene Choreografie im romantischen Stil ergänzte. So fügte er zum hochklassischen dritten Petipa-Akt ein ganzes romantisches Ballett in zwei Akten hinzu, wobei er sich allerdings bis auf die rekonstruierte Pantomime in der Tavernenszene fast ausschließlich auf den Tanz konzentrierte. Im Jahr 2014 machte es sich Alexei Ratmansky in München zur Aufgabe, Petipas letzte Fassung mithilfe choreologischer Aufzeichnungen so getreu wie möglich zu rekonstruieren, inklusive der sehr ausgiebigen Pantomimeszenen. Im März dieses Jahres schließlich schuf Yuri Smekalov eine dritte Fassung, mit der er ein heutiges Publikum ansprechen wollte. Weg, sagte sich Smekalov, mit der heute kaum mehr nachvollziehbaren Handlung, die während des spanischen Unabhängigkeitskrieges spielt. Wie Paul Foucher, der Librettist der Uraufführung, inspirierte sich der russische Choreograf von Cervantes’ Novelle „La gitanilla“, doch glänzt sein Ballett nicht durch größere Lebensnähe und Plausibilität als die Originalfassung. Das soll hier allerdings niemanden stören, denn das Ballett ist ein opulentes Fest des Tanzes, in dem die Handlung eine geringe Rolle spielt. Es geht darin um ein adeliges Mädchen, das von Zigeunern entführt und aufgezogen wird. Jahre später verliebt sich der Edelmann Andrès in sie, und Paquita bitten den jungen Mann, sich als Liebesbeweis ihren Gefährten anzuschließen. Als beide im Gefängnis landen, findet Paquita durch eine Verkettung glücklicher Zufälle ihre wahren Eltern wieder, und das glückliche Paar heiratet schließlich mit großem Pomp.

Smekalov versucht keineswegs, die Unwahrscheinlichkeit der Ereignisse zu verbergen, sondern er stellt sie geradezu in den Vordergrund: so lässt er seine Kinderdiebe im Haus des Vizeregenten noch einen Tanz mit klappernden Absätzen vollführen, bevor sie sich mit ihrer Beute aus dem Staub machen. Das fahrende Volk begegnet auf dem Weg zu seinem Lager einer Reihe laufender Bäume, und der Neuling Andrès muss sich mit dem Lasso im Pferdefangen üben, wobei am Ende aus dem Pferdehintern ein Zigeuner fällt. Diese hinreißend choreografierte Passage, die an Ratmanskys „buckliges Pferdchen“ erinnert, gehört zu Smekalovs originellsten Einfällen. Zudem erfand er eine Gefängnisszene, in der Paquita und ihr Geliebter in verschiedenen Zellen miteinander zu tanzen scheinen, und er fügte einige Tanzpassagen für die Männer hinzu.

Obgleich das Corps de Ballet nicht ganz mit der üblichen Perfektion tanzte, war die Besetzung von exzellenter Qualität. Allen voran Viktoria Tereshkina, die als temperamentvolle Zigeunerin die Köpfe der Umstehenden verdreht, so dass der junge Edelmann Andrès (feurig getanzt von Timur Askerov) nicht länger als eine halbe Sekunde überlegen muss, bevor er seinen komfortablen Lebensstil gegen das offenbar äußerst lustige Zigeunerleben eintauscht. Das fahrende Volk beherrscht sowohl die spanisch angehauchten Tänze als auch die Petipasche Klassik makellos – so tanzen bei Smekalov die beiden verkappten Adeligen und eine ‚echte’ Zigeunerin den von Petipa in das romantische Ballett eingefügten Pas de trois. Die noble Herkunft der Hauptfiguren wird im Grand Pas offensichtlich, in dem Tereshkina und Askerov im prunkvollen Palast des Vizeregenten den besten königlichen Stil des Mariinsky-Balletts zur Schau stellen. Auch die höchst anspruchsvollen Ballerinenvariationen im Grand Pas wurden elegant getanzt, vor allem von Paquitas Freundin Elena Yevseyeva. Dieses eindrucksvolle Spektakel ist ein willkommener Neuzugang zum Mariinsky-Repertoire, dem eine sehr erfolgreiche Zukunft bevorstehen müsste.

Besuchte Vorstellung: 23.12.17
www.festspielhaus.de

Veröffentlicht am 25.12.2017, von Julia Bührle in Homepage, Kritiken 2017/18

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Kommentare zu "„Paquita“ mit neuer Geschichte"



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