HOMEPAGE



Nürnberg

STARK AUFGESPIELT

Arno Schuitemakers „If you could see me now“ in der Tafelhalle Nürnberg



Die neue Versuchsanordnung verströmt höchste Sinnlichkeit, Frische und Vergnügen.


  • "If you could see me now" von Arno Schuitemaker Foto © Hélène Boyer

„If you could see me now – wenn Du mich nur jetzt, in diesem Moment sehen könntest“: Immer wieder huscht der Titel des neuen Stücks von Arno Schuitemaker als Gedanke durch den Kopf, während man schaut, und schaut, und schaut, und irgendwann die Augen schließt, so wie man selbst bei einer Party groovt, seit einer Stunde im Dunkeln irgendwo auf einer Fläche in einem Gebäude. Man erhascht die Bewegungen der anderen und schwingt mit, im Sitzen, in Gedanken, wippend auf dem Stuhl. Schuitemakers neues Stück trägt als Inhalt das Erlebnis des eigenen Tanzens und die Sehnsucht danach, dabei eben nicht alleine zu sein. Sondern in Gemeinschaft, ein Urbedürfnis des Menschen. Ort und Zeit sind daher nun: Die Tafelhalle Nürnberg, zwischen 20 Uhr und 21 Uhr. Weltpremiere.

Das ist mutig. Denn es passiert ansonsten nichts. Keine Story. Keine gesprochene Aufforderung. Kein Video. Keine Ironie. Kein Herzschmerz. Kein Drama. Kein Bekenntnis. Nichts. Nur Beats, drei Performer und ein Lichtdesign, das einen durch eine Nacht führt, in die Phasen des Traumes und des Schlafes und dann wieder in den nächsten Tag hinein. Niedriger kann man von den Zeichen her eine Tanzperformance auf der Bühne kaum hängen; kaum tiefer die Grenzlinie dort ziehen, wann eine Performance eine Performance ist. Bemerkenswert: Keiner aus dem Publikum traut sich, die dargebotene Situation konsequent zu Ende zu führen, indem man aufsteht und sich zu Revé Terborg, Stein Fluijt und Johannes Lind dazu gesellt. Sechzig Minuten lang halten die drei das durch: Sie grooven in den Knien, im Becken, schwingen die Arme, nehmen Kontakt auf, schwingen sich in dasselbe ein, dann wieder schließt jeder die Augen und lässt sich in die eigene Trance fallen. Sie verändern nur ihre Position im Raum, stehen mal in Reihe frontal vor dem Publikum und wippen dann wieder weiter. Riesengroß ihre Silhouetten als Schatten an den Wänden.

Am Ende sind die Körper nass, die T-Shirts triefen. Das Publikum applaudiert höflich. Und geht. Es ist Schuitemakers große Stärke, die Kunst der Performance in all ihren Bestandteilen fast wie ein Ingenieur, der sich auf die Motoren konzentriert und die Karosserie und die Innenausstattung und die Werbung andern überlässt, zu durchdenken und sie als Versuchsanordnung zu entwerfen, die am Ende höchste Sinnlichkeit, Frische und Vergnügen verströmt. Mit „If you could see me now“ hat er wieder einmal diese Stärke ausgespielt. Man darf gespannt sein, wie sein holländisches Publikum reagieren wird, wenn diese Einladung zum Tanz ab Januar weiter tourt.

Veröffentlicht am 25.12.2017, von Alexandra Karabelas in Homepage, Kritiken 2017/18

Dieser Artikel wurde 1520 mal angesehen.



Kommentare zu "Stark aufgespielt"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    AKTUELLE NEWS


    TO WHOM IT MAY CONCERN

    Adolphe Binder reagiert in einem offenen Brief auf ihre Entlassung
    Veröffentlicht am 14.07.2018, von tanznetz.de Redaktion


    ESKALATION AM TANZTHEATER WUPPERTAL

    Intendantin Adolphe Binder entlassen, Geschäftsführer Dirk Hesse hört zum Jahresende ebenfalls auf
    Veröffentlicht am 13.07.2018, von tanznetz.de Redaktion


    JURY DER TANZPLATTFORM STEHT

    Die Auswahl für 2020 kann beginnen
    Veröffentlicht am 05.07.2018, von tanznetz.de Redaktion



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    CARMINA BURANA

    Aufgrund des großen Erfolgs und des überwältigenden Feedbacks von Publikum und Presse, wird es am 27. und 28. Dezember 2017 zwei weitere Vorstellungen im Wuppertaler Opernhaus geben.

    Zusammen mit der Junior Company, der Company und den Musicalkids vom Tanzhaus Wuppertal, sowie der 3. Klasse der St. Antonius Grundschule, bringt Zech diese klassische Meisterwerk auf die Bühne des Wuppertaler Opernhauses.

    Veröffentlicht am 06.12.2017, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

    „Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
    Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


    LETZTER WALZER IN STUTTGART

    Alicia Amatriain tanzte 2003 in „Lulu“ die Titelrolle – und jetzt erneut 2018
    Veröffentlicht am 18.06.2018, von Marlies Strech


    MOSAIK DER BEWEGUNG

    Richard Siegals Ballet of Difference mit "On Body" in der Münchner Muffathalle
    Veröffentlicht am 05.03.2018, von Miriam Althammer

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    ESKALATION AM TANZTHEATER WUPPERTAL

    Intendantin Adolphe Binder entlassen, Geschäftsführer Dirk Hesse hört zum Jahresende ebenfalls auf

    Veröffentlicht am 13.07.2018, von tanznetz.de Redaktion


    TO WHOM IT MAY CONCERN

    Adolphe Binder reagiert in einem offenen Brief auf ihre Entlassung

    Veröffentlicht am 14.07.2018, von tanznetz.de Redaktion


    TANZ DER EINSAMKEIT

    "La Strada" im Gärtnerplatztheater München

    Veröffentlicht am 15.07.2018, von Boris Michael Gruhl


    GRANDIOSER AUFTAKT

    Die Kibbutz Dance Company 2 eröffnet das Münchner Festival THINK BIG! für junges Publikum im Muffatwerk

    Veröffentlicht am 14.07.2018, von Boris Michael Gruhl


    UNTER „RIVERS“ GURGELT DIE DONAU

    Regensburger "CiRR – Choreographers in Residence Program"

    Veröffentlicht am 16.07.2018, von Michael Scheiner



    BEI UNS IM SHOP