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Dresden/Hellerau

WENN SIE MAL SCHAUEN MÖCHTEN …

Die Palucca Hochschule für Tanz Dresden mit ihrer alljährlichen Leistungsschau im Festspielhaus Hellerau


  • "The Second Detail" von William Forsythe; Francesco Barbuto Foto © Ida Zenna
  • „Tactus“ von Rita Aozane Bilibio Foto © Ida Zenna
  • "Neue Suite" von William Forsythe; Paula Tarragüel und Thomas Badrock Foto © Ida Zenna

Es macht sich schon bemerkbar, dass die diesjährige Soirée der Palucca Schule nicht in der Semperoper stattfindet. Dort gibt es eben weit mehr Möglichkeiten, technischen Aufwand zu betreiben und vielfältige Arbeiten zu zeigen, als es im Festspielhaus Hellerau der Fall ist. Das ist aber keineswegs als Manko zu betrachten. Die Unterschiede in der Wirkung, besonders eben für die Sparte Tanz, finden sich in der Reduktion auf den körperlichen Ausdruck. Das Publikum ist in Hellerau einfach näher dran. Will man die Vorstellung der Studenten als Leistungsschau bewerten, ist das durchaus eine gute Sache.

Besonders nah steht gleich zu Beginn das berühmte kleine Schild aus Forsythes „The Second Detail“ mit der Aufschrift „THE“, das am Ende bekanntermaßen nonchalant umgekippt wird. Mit einem Auszug aus dieser Choreografie den Abend zu beginnen, verleiht dem Ganzen eine gewisse Hektik. Man hat den Eindruck, dass sich die Tänzer noch gar nicht richtig „warm getanzt“ haben, als das Stück bereits vorbei ist. Und Thom Willems‘ coole Musik gehört hier eigentlich ordentlich laut aufgedreht. Da geht definitiv noch was.

Diese gehetzte Dramaturgie setzt sich in den nächsten Stücken so fort, was der Kürze der Arbeiten geschuldet ist. Bis dann nach einem quasi fehlerfreien Pas de deux aus Forsythes „Neue Suite“ mit Ausschnitten aus „Form Disquiet“ von Cameron McMillan endgültig etwas Ruhe einkehrt. Durch die Länge des Stücks besteht mehr Möglichkeit, die Fähigkeiten der Studenten wahrzunehmen und auch die Besonderheiten der Choreografie selbst auf sich wirken zu lassen. Hier sind es besonders die unkonventionellen Hebefiguren, die die Intensität dieser Arbeit tragen. Daran schließt sich geradezu nahtlos Ihsan Rustems „Cupid’s Gun“. Spätestens, aber allerspätestens bei dieser Choreografie wird wie immer deutlich: Die Matinée der Palucca Schule zeigt jedes Jahr, dass die Studenten ihre Hausaufgaben gemacht haben. Und zwar gründlich. Mit diesem Eindruck geht man gern in die Pause und ist gespannt auf den zweiten Teil.

Dieser beginnt, auch hier schon längst Tradition, mit der Vergabe der Stipendien. DAAD-Stipendiatin ist die Italienerin Federica Dadamo, die eine der ersten Studenten im neu konzipierten Master Studiengang Tanzpädagogik ist. Das Palucca-Stipendium hat Jasmin Arndt erhalten, die an diesem Abend in einem Pas de deux von Anke Glasow zu sehen ist. Vid Vugrinec (ab kommendem Semester immatrikuliert im Bachelor Studiengang Tanz) und Theresa Funk (drittes Jahr Bachelor Studiengang Tanzpädagogik) wurden mit den Stipendien der Dresdner Stiftung für Kunst und Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden ausgezeichnet.

Vid Vugrinec ist in der letzten Arbeit des Abends, „Tactus“ von Rita Aozane Bilibio zu sehen, einer Choreografie, die nicht nur Schmackes hat, sondern jedem einzelnen Tänzer persönlichen Raum gibt und einen grandiosen Abschluss darstellt. Bis dahin gibt es noch Spitzentanz zu erleben, wie er klassischer nicht sein kann, so beispielsweise in Aaron Watkins Pas de deux „Vision“. Besonders treten wie immer die Schüler der ersten und zweiten Orientierungsklasse auf. Ihr „ZAHLreich“ beginnt mit dem Geräusch sich bewegender Würfel in einem Becher. Das Spiel mit den Zahlen wird auf die Spitze getrieben, bis man sich fast in einem Uhrwerk zu finden glaubt. Und plötzlich meint man, seine 3D-Brille vergessen zu haben, wenn die Tänzer in Lichtgassen aus grün und pink agieren. Sehr erfrischend.

Unabhängig von Alter und Ausbildungsstand finden sich auch an diesem Abend mehrere Tänzerinnen und Tänzer, deren Sicherheit in der Bühnenpräsenz und Kongenialität im Ausdruck sehr zu überzeugen wissen. Diese Konstante der Palucca Schule erfreut.

Veröffentlicht am 20.06.2017, von Rico Stehfest in Homepage, Kritiken 2016/17

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