HOMEPAGE



Leipzig

LIEBE - EINE EINSAME ANGELEGENHEIT

Thierry Malandains „Don Juan/Mozart à Deux“ tanzt den discours amoureux



Dass „der Diskurs der Liebe heute von extremer Einsamkeit ist“ konstatierte der französische Philosoph Roland Barthes schon 1977. Am Freitag nun hatte in der Oper Leipzig eine Choreografie von seinem Landsmann Malandain Premiere.


  • Thierry Malandains „Don Juan/Mozart à Deux“ tanzt den discours amoureux an der Oper Leipzig Foto © Ida Zenna
  • Thierry Malandains „Don Juan/Mozart à Deux“ tanzt den discours amoureux an der Oper Leipzig Foto © Ida Zenna
  • Thierry Malandains „Don Juan/Mozart à Deux“ tanzt den discours amoureux an der Oper Leipzig Foto © Ida Zenna
  • Thierry Malandains „Don Juan/Mozart à Deux“ tanzt den discours amoureux an der Oper Leipzig Foto © Ida Zenna

Von Steffen Georgi

Dass „der Diskurs der Liebe heute von extremer Einsamkeit ist“ konstatierte der französische Philosoph und Autor Roland Barthes schon 1977 in seinen wunderbaren „Fragments d´un discours amoureux“, den „Fragmenten einer Sprache der Liebe“. Am Freitag nun hatte in der Oper mit „Don Juan/Mozart à Deux“ eine Choreografie von Barthes' Landsmann Thierry Malandain Premiere. Ein zweiteiliger Ballettabend, den man seinerseits gut und gerne auch als „Fragmente einer Körper-Sprache der Liebe“ apostrophieren könnte.

Fragmente, die unter Malandains Ägide freilich erst einmal in ein harmonisches Ganzes, in eine große, ruhig ausschwingende choreografische Geste gebettet sind. Eine, die darin durchaus auch dem neoklassischen Klischee entspricht. Also einer Schublade, in die man Malandain zwar nicht zu Unrecht, aber eben auch oft zu voreilig und rigoros einsortiert. Wie dann „Don Juan/Mozart à Deux“ bestens zeigt.

Eine Inszenierung, die von Anfang an etwas Schwebendes hat. Was natürlich schon die Musik evoziert: sechs Mal erklingt da das Andante aus sechs verschiedenen Klavierkonzerten Mozarts. Und das zu sechs Pas de deux, die den ersten Teil des Abends bestimmen und in ihrer dramaturgisch schon lakonischen Abfolge wie ein bitterkomisch wirkendes Kommen und Gehen aufscheinen. Ganz so, wie die Liebe eben kommt und geht.

Passend, sowohl zur stillen Intensität der Musik (Gewandhausorchester unter Leitung Anthony Bramalls) wie auch zu Malandains Choreografie. Jedes Duett ist da gleichsam ein Fragment des großen Reigens um Liebe, Begehren, Erfüllung, Tod. Mal zeigt sich das als pittoreskes Sehnsüchteln, mal als berührendes Verzehren in Vergeblichkeit. Mal mit Körpern, die harmonisch ineinander fließen, mal mit welchen, die wie verwachsen sind auf Gedeih und Verderb, von der Liebe zu Schimären gemacht.

Malandains „Mozart à Deux“, einst Bestandteil einer Inszenierung mit dem hübschen Titel „Bal Solitude“ („Ball Einsamkeit“) offenbart dabei auch in der überarbeiteten und um einem neuen Part erweiterten Leipziger Fassung, welch einsame Angelegenheit gerade die Liebe oft sein kann. Bestenfalls ist man hier gemeinsam einsam - einsamer aber als Don Juan dürfte man selbst dann kaum sein.

Dass nun Christoph Willibald Glucks pantomimisches Ballett den zweiten Teil des Abends bestreitet, macht auch deshalb Sinn. Und weil nach dem nüchtern-leeren Bühnentableau, das sich bei „Mozart à Deus“ ganz zu recht auf die Lichtdramaturgie Jean-Claude Asquiés verließ, jetzt die Sinne offensiver gekitzelt werden. Mit Kostümen und Setting in kräftigem Rot-Schwarz-Weiß (Bühne/Kostüme: Jorge Gallado) und mit einem Geschehen effektvoll dramatischer Gruppendynamik. Mittendrin Don Juan, in der Hölle seines leerlaufenden Begehrens rotierend. Verdammt zu Veitstänzen in den zwischen verführerisch und grotesk changierenden Schönheitsposen einer Lust, die Ewigkeit will und sie deshalb nur im Tod finden kann.

Auch hier zeigt sich „Don Juan/Mozart à Deux“ als Inszenierung, die, souverän, unprätentiös und elegant, eher mit neoklassischen Elementen spielt, als sich ihnen zu unterwerfen. Und die es gerade auch darin den Tänzerinnen und Tänzern des Leipziger Balletts optimal ermöglicht, mit technischer Akribie und emotionaler Intensität das Publikum zu begeistern.

Veröffentlicht am 10.04.2017, von Gastbeitrag in Homepage, Tanz im Text, Kritiken 2016/2017

Dieser Artikel wurde 1898 mal angesehen.



Kommentare zu "Liebe - eine einsame Angelegenheit "



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    LEUTE AKTUELL


    VERTRAUENSVOLLE ZUSAMMENARBEIT

    International Greater Bay Dance and Music Festival in Südchina
    Veröffentlicht am 15.10.2018, von Dagmar Klein


    EINE TÄNZERISCHE HEIMAT FÜR DEN NEUSTART

    Iván Pérez ist neuer Tanzchef des Dance Theatre Heidelberg
    Veröffentlicht am 02.10.2018, von Nora Abdel Rahman


    PETER APPEL WIRD 85

    Sabrina Sadowska und tanznetz.de gratulieren herzlich!
    Veröffentlicht am 06.09.2018, von Gastbeitrag



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    TANZTHEATER WUPPERTAL PINA BAUSCH

    Das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch gibt den Spielplan für die ersten 6 Monate der Saison 2018/2019 bekannt.

    Der Spielplan für die zweite Spielzeithälfte wird voraussichtlich Ende des Jahres im Rahmen eines Pressegesprächs bekanntgegeben werden können.

    Veröffentlicht am 12.10.2018, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

    „Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
    Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


    LETZTER WALZER IN STUTTGART

    Alicia Amatriain tanzte 2003 in „Lulu“ die Titelrolle – und jetzt erneut 2018
    Veröffentlicht am 18.06.2018, von Marlies Strech


    FAIR? FESTIVAL!

    Die internationale tanzmesse nrw 2018 in Düsseldorf - Ein Rückblick
    Veröffentlicht am 05.09.2018, von Natalie Broschat

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    HELLMUTH MATIASEK FEIERT HEUTE SEINEN 85.GEBURTSTAG

    Pick bloggt über seinen langjährigen Intendanten Hellmuth Matiasek und reist in Gedanken von Rosenheim bis nach Japan

    Veröffentlicht am 15.05.2016, von Günter Pick


    RAUM, KLANG, TANZ

    Initiation der Elbphilharmonie-Foyers mit Sasha Waltz & Guests' „Figure Humaine“

    Veröffentlicht am 02.01.2017, von Annette Bopp


    PHILIP LANSDALE GESTORBEN

    Am 10.10. verstarb der ehemalige Bielefelder Ballettdirektor

    Veröffentlicht am 11.10.2018, von Pressetext


    VERLEIHUNG DES DEUTSCHEN TANZPREISES

    Große Gala im Essener Aalto Theater

    Veröffentlicht am 23.09.2018, von Anja K. Arend


    HURRA!

    "Unstern" von Moritz Ostruschnjak im Schwere Reiter München

    Veröffentlicht am 14.09.2018, von Natalie Broschat



    BEI UNS IM SHOP