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Essen

ZUR ABWECHSLUNG MAL „BALLETTOGRAF“

Alexander Ekman mit „3 By Ekman“ beim Aalto-Ballett in Essen



Ob sich Ekmans in diesen drei Beispielen gezeigte, noch etwas unausgefeilte kreative Kraft im großen Kreis internationaler zeitgenössischer Tanztendenzen zu behaupten vermag, wird die Zeit zeigen.


  • "Flockwork" von Alexander Ekman; Ensemble Foto © Bettina Stöß
  • "Flockwork" von Alexander Ekman; Yulia Tsoi und Ensemble Foto © Bettina Stöß
  • "Tyll" von Alexander Ekman; Ensemble Foto © Bettina Stöß
  • "Tyll" von Alexander Ekman; Ensemble Foto © Bettina Stöß
  • "Tuplet" von Alexander Ekman; Ensemble Foto © Bettina Stöß
  • "Tuplet" von Alexander Ekman; Mariya Tyurina und Denis Untila Foto © Bettina Stöß

Kaum 23 Jahre jung war er, als der damalige Tänzer bei Nederlands Dans Theater II Lust verspürte, sich als Choreograf auszuprobieren. Mittlerweile reist Alexander Ekman durch die Welt mit seinen temperamentvollen, oft humorigen und optisch prallen Tanzstücken. Das Aalto-Ballett widmet ihm ein ganzes Programm mit drei seiner Ballette. Mit diesen Mini-Retrospektiven bahnt sich eine schöne Tradition in Essen an. Nach „Archipel“, dem kleinen Querschnitt durch das imposante Werk von Jiři Kylián, stellt Ben Van Cauwenbergh nun den Schweden vor. „3 By Ekman“ (Dreimal Ekman) heißt das bühnentechnisch opulente Programm auf der riesigen, modernen Bühne - und wartet außerdem mit einer witzigen kleinen Überraschung auf, wie sie Ekman so richtig behagt: in einem nonchalanten Video stellt der Mittdreißiger in hellgrauer Kapuzenjacke sich vor, indem er augenzwinkernd durch die hellen Marmorfoyers des hocheleganten Aalto-Theaters tanzt und dabei über seine Laufbahn und Ideen plaudert. Eine pfiffige Idee, sich zwanglos den Zuschauern zu nähern.

Ganz und gar nicht unnahbar geben sich zu Beginn auch die Tänzer auf der Bühne. Wenn die Zuschauer ins Parkett strömen, wärmen sich einige schon auf, indem sie rhythmisch wippen, über den Boden rollen, tänzeln und hopsen, während via Projektion von zwei Beamern ein stummer Mund Rhythmisches zitiert und zwei Hände lautlos trommeln. In diesem Auftaktstück „Tuplet“ (irrationale Rhythmen) für sechs Tänzer mit weißen Matten - entstanden 2012 für das New Yorker Joyce Theatre - wetteifern Musik und Tanz wie völlig andere Schlagwerk-Instrumente in unterschiedlicher Taktung - raffiniert! In „Flockwork“ (Anspielung auf den menschlichen Herdentrieb) von 2006, Ekmans allererster größerer Choreografie für NDT II, wuseln, robben, jagen und verstecken sich einzelne oder Grüppchen zwischen drei langen Tischen - bis sie endlich drauf kommen, gemeinsam die Tische zum riesigen Rechteck zusammen zu schieben - und anschließend den Malocheschweiß unter vom Schnürboden schwebenden, durchlöcherten Mülltonnen weg zu duschen.

Neuland betritt Ekman mit dem letzten Stück, „Tyll“ (Tüll für den Stoff aus dem Ballerinenträume im Tutu und auf Spitze sind), 2012 für Stockholms Königliches Ballett entstanden - und verpasst sich gleich selbst eine neue Berufsbezeichnung: nicht Choreograf, sondern Ballettograf sei er plötzlich, setze ein Puzzle aus bekannten Teilen, dem klassischen Ballettvokabular, zusammen. Allerdings zitiert er in den Gruppenszenen auch unbekümmert aus Jazzdance und Aerobic. Das hat Schwung und Witz. Nur fehlen hierbei denn doch zu den Rhythmen, die bei diesem Mann immer oberste Priorität genießen, die schwelgerischen Melodien etwa eines Tschaikowsky...

Aber es ist ja auch nur eine Ballettprobe. Die Primaballerina (Yulia Troi) trippelt durch die Reihen des sitzenden Corps'. Die ziemlich zickige Ballettdirektrice („Lady in black“: Maria Lucia Segalin) stakst auf Spitze wie auf Stilettos und im schwarzen Businesskostüm durch den hochgefahrenen Orchestergraben und mitten durchs weiße Tänzerheer. Yanelis Rodriguez und Wataru Shimizu dürfen sich zum Entzücken der Zuschauer als Zirkuspaar in den Vordergrund tanzen...

Verliebt hat sich der vielseitige Schwede in alle Facetten der Theatertechnik. Drei Gemälde dekorieren den hufeisenförmigen Spielraum, rutschen schräg ab oder verschwinden, bar ihrer Muster und Clownsgesichter ganz in der Versenkung. Es regnet aus Mülltonnen, es qualmt und es gibt ein buntes Lichterfest mit Videospielen. Ein kurzweilig, unterhaltsamer Abend ist das. Ob sich Ekmans in diesen drei Beispielen gezeigte, noch etwas unausgefeilte kreative Kraft im großen Kreis internationaler zeitgenössischer Tanztendenzen auf Dauer zu behaupten vermag, wird die Zeit zeigen.

Veröffentlicht am 05.03.2017, von Marieluise Jeitschko in Homepage, Kritiken 2016/17

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