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Heidelberg

DAS GEHEIMNIS DES INNEHALTENS

Die neue Choreografie „LongPlay“ von Jai Gonzales in der Heidelberger Hebelhalle



Nicht nur um das Tempo und die Länge von Bewegung geht es hier, sondern um deren Qualität.


  • "LongPlay" von Jai Gonzales Foto © Dieter Debatin

Der Untertitel des neuen Stücks im Heidelberger UnterwegsTheater sagt – beinahe – schon alles: „playing at a slower speed and for a longer time“. Aber die Wiedergewinnung von Behutsamkeit im Umgang mit sich und anderen, um die es Choreografin Jai Gonzales in ihrem neuen Stück „LongPlay“ geht, braucht mehr als nur reduzierte Geschwindigkeit und längere Dauer. So einfach ist es nicht, den Hebel umzulegen in einer Gegenwart, die von jedem Einzelnen eine Hochleistungs-Performance fordert. Denn es geht, natürlich, nicht nur um das Tempo und die Länge von Bewegung, sondern einmal mehr um deren Qualität.

Da hat sich Jai Gonzales von einem Sommertag am Meer inspirieren lassen und zur musikalischen Einstimmung minimalistische Musik von David Lang ausgesucht, in der zarte, unschuldige Gefühle choralartig beschworen werden – so wie es vielleicht Jugendliche für ihre erste große Liebe tun. Auch in der Bewegungssprache ist die Choreografin bei sehr ursprünglichen, gefühlt ‚jungen’ Bewegungen, fündig geworden: Die fünf TänzerInnen finden in vielen Gesten der Verbrüderung zusammen, legen die Arme umeinander, erfinden Ringelreihen und schlichte Spiele.

Ein sanft wogendes Tanzteppichgeviert, auf dem ursprünglichen Tanzboden verlegt, beschwört die Meereswellen und darf sozusagen mitspielen. Anfangs bewegen sich die Tänzer (unter ihnen Tyrel Larson, ehemaliges Ensemblemitglied des aufgelösten Mannheimer Kevin O’Day Balletts) exakt in ihrem Tanzteppichstreifen – in den zugleich tastenden und raumgreifenden Bewegungen, die Jai Gonzales immer wieder verwendet. Dann kommt es zu ersten Begegnungen – ebenso zufällig wie folgerichtig, ebenso selbstverständlich wie aufmerksam. Da muss man einander zuhören mit Kopf und Körper, Hand und Fuß – und Jai Gonzales, die sich gern von Wasser für ihre choreografischen Einfälle inspirieren lässt, ist in ihrem erfinderischen Element.

So langsam geht es gar nicht zu beim Tag am Meer, der hier auf 60 Minuten verdichtet wurde – denn es gibt neben Föhn, Hochdruck, Ebbe und leichter Brise auch Unbeständigkeit, Wellen und Turbulenzen (so die Titel der einzelnen Abschnitte). Verbunden mit weiterer aktueller Minimal Music (Florent Ghys) und magischem Licht entsteht eine sanfte Trance, die bis weit in den Zuschauerraum reicht.

Veröffentlicht am 04.03.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2016/17

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