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Hamburg

EIN NICHT GERADE GEGLÜCKTES DEBUT

Der erste Kalender des Hamburg Ballett mit Fotos von Kiran West



Am gelungensten unter den zwölf Motiven ist von Ivan Urban als Jago in „Othello“ (Juli), die meisten anderen Kalenderblätter erreichen nicht die bisher gewohnte Qualität.


  • Kalender des Hamburg Ballett 2017 Foto © Kiran West
  • Kalender des Hamburg Ballett 2017 Foto © Kiran West

In diesem Jahr hat Kiran West, seit Januar 2016 Fotograf des Hamburg Ballett, seinen ersten großformatigen Kalender vorgelegt, und schon rein äußerlich unterscheidet er sich von den früheren. Bisher war es Tradition, die Bilder auf schwarzem Hintergrund zu präsentieren, jetzt ist es ein reines Weiß. Auch lässt Kiran West die Fotos superhochglänzend auf mattem Hintergrund drucken – was der Optik allerdings ganz und gar nicht guttut, zumal West ohnehin stark auf Kontraste und Effekte setzt, was die Fotos oft recht seelenlos erscheinen lässt.

Geblieben ist, dass auf Seite 1 ein Probenfoto mit dem Hamburger Ballettintendant John Neumeier zu sehen ist – hier mit Christopher Evans bei der Arbeit an „Turangalîla“, der Uraufführung des Sommers 2016. Allerdings steht dieses Bild nicht wie bisher für den ersten Monat, sondern ist ein eigenes Titelmotiv. Für den Januar folgt der Ballettchef dann gleich noch einmal, wiederum in einer Probe zu „Turangalîla“ – eine nicht gerade geglückte Doppelung.

Mit am gelungensten unter den zwölf Motiven erscheint ein Foto von Ivan Urban als Jago in „Othello“ (Juli), während die meisten anderen Kalenderblätter nicht die bisher gewohnte Qualität erreichen. Das gilt sowohl für Leslie Heylmann (März) als Aase in „Peer Gynt“, deren Arme von der Perspektive her einfach nicht schön genug in Szene gesetzt sind, als auch ganz besonders für Aleix Martínez in „Messias“ (April), wo die Bildqualität für die Kalendervergrößerung schlicht nicht ausreicht (was leider auch für das eine oder andere Foto gilt).

Eher beliebig vom Motiv her sind Alexandre Trusch und Alina Cojocaru (Mai) als Armand und Marguerite in „Die Kameliendame“, Alexandre Riabko und Carolina Aguero in „Nussknacker“ (Dezember), Hélène Bouchet (August) und Carsten Jung mit Silvia Azzoni (Juni), jeweils in der „Dritten Sinfonie“ von Gustav Mahler. Bei ihnen und ebenso bei Lloyd Riggins in „Bernstein Dances“ sieht man zu wenig von den Gesichtern – dabei kommt es in Neumeiers Stücken gerade auf die Mimik an, aus der man so viel ablesen kann.

Das November-Motiv ist bereits aus den früheren Kalendern und Programmheften bekannt: Die fulminante Szene aus „Nussknacker“, wenn sich der Vorhang hebt und die Ballerinen des Ballettmeisters Drosselmeier wie Schattenrisse an der Stange stehen – anstelle dieser Kopie hätte man von Kiran West gerne etwas Neues gesehen.

Dieser Kalender zeigt sehr eindrücklich, wie schwierig Ballettfotografie ist, und wie gnadenlos die Schwächen im großen Format zutage treten. Bleibt zu hoffen, dass die nächste Version für 2018 besser gelingt.

Der Kalender ist erhältlich im Onlineshop des Hamburger Balletts und kostet 30,00 Euro

Veröffentlicht am 30.11.2016, von Annette Bopp in Homepage, Tanzmedien

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Kommentare zu "Ein nicht gerade geglücktes Debut "



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