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KLASSIK PUR UND HEITER

Ben Van Cauwenberghs "Don Quichotte"



Das pure klassische Ballett ist Trumpf an diesem unterhaltsamen, kurzweiligen Abend. Die harte Arbeit der Kompanie wurde bei der Premiere mit Ovationen belohnt.


  • "Don Quichotte" von Ben Van Cauwenbergh Foto © Bettina Stöß
  • "Don Quichotte" von Ben Van Cauwenbergh Foto © Bettina Stöß
  • "Don Quichotte" von Ben Van Cauwenbergh Foto © Bettina Stöß
  • "Don Quichotte" von Ben Van Cauwenbergh Foto © Bettina Stöß
  • "Don Quichotte" von Ben Van Cauwenbergh Foto © Bettina Stöß
  • "Don Quichotte" von Ben Van Cauwenbergh Foto © Bettina Stöß

Sein Wiesbadener Konzept hat Van Cauwenbergh überarbeitet und mit seiner Essener Kompanie hart gearbeitet, um die klassische Technik auszufeilen - mit bemerkenswertem Erfolg auch dank Ballettmeisterin Alicia Olleta und Ballettmeister Patrick Hinson. Die harte Arbeit der Kompanie wurde bei der Premiere mit Ovationen belohnt. Van Cauwenbergh peppt das 150-jährige Bolschoi-Ballett von Marius Petipa auf die Musik von Ludwig Minkus mit komischen Szenen und technischer Finesse auf. Er inszeniert ein Feuerwerk von Soli, Pas de deux und vorzüglich choreografierten und einstudierten Szenen für das Corps de ballet. Die Essener Philharmoniker unter der Leitung von Yannis Pouspourikas entlocken der Partitur viel Walzerseligkeit und rassige spanische Rhythmen von Fandango bis Tarantella. Die Fantasiewelt des Ritters von der traurigen Gestalt kreiert Lieve Vanderschaeve wunderbar mit animierten Projektionen. Ausstatter Dorin Gal setzt ganz auf ein klassisches Ambiente mit authentischen Folklore- und Ballettkostümen (bis hin zum Tellertutu). Mit romantischen Kulissen bestückt er den Raum: Hinter dem Vorhang, auf dem ein schwarzer Spitzenfächer den blauen Himmel durchschimmern lässt, wird im Prolog Quichottes Arbeitszimmer mit gigantischer Bücherwand sichtbar. Ein spanisches Dorf und ein finsteres Zigeunerlager sorgen in den folgenden Akten, dem Essener Libretto folgend, für eher stereotyp effektvolle Kontraste. "Carmen" ist allgegenwärtig.

Zu Beginn sitzt Don Quichotte (Tomáš Ottych) am Schreibtisch und versucht sich als Literat. Ein Berg zerknüllter Zettel türmt sich vor dem Rundbogen, der den Blick freigibt auf seine Fantasiewelt mit putzigen Männchen und Schreckgespenstern. Zart und verführerisch taucht des Ritters Traumfrau Dulcinea (Yulia Tsoi) auf. Er eilt ihr mit Riesenross Rosinante und dem drahtigen Sancho Pansa (ein wendiger Clown: Denis Untila) hinterher, meint sie in der lebenslustigen Wirtstochter Kitri (Yanelis Rodriguez) wiederzuerkennen. Auf hohen Plateauschuhen, die lange, spitze Nase in luftige Höhen gereckt, stelzt er auf sie zu. Da hat er die Rechnung ohne die Schöne, aber auch ohne seine Rivalen gemacht - den heimlichen Bräutigam Basile (Aidos Zakan) und den tolpatschig-dümmlichen Gamache (Liam Blair). Kitri flirtet allenfalls mal mit dem Torero Espada (Armen Hakobyan). Der wird allerdings von seiner Geliebten Mercedes (Mariya Tyurina) an kurzer Leine gehalten - tänzerisch ein Traumpaar von superber Eleganz! Auch zwei Freundinnen profilieren sich immer wieder mit technisch bravourösen Einlagen: Yusleimy Herrera León und Yurie Matsuura.

Zwei Höhepunkte heimsten bei der Premiere den meisten, ohnehin reichlichen Szenenapplaus ein: Untilas raffinierte Purzelbäume, Handstände und Hechtsprünge auf Quichottes Speerspitze und natürlich der große Pas de deux der schließlich - nach einem gespielten Selbstmord von Basile - vereinten Liebenden Kitri (Rodriguez) und Basile (Zakan). Ausgeweitet zum Grand Finale werden ihre Paarsequenzen und Solovariationen noch durch Einschübe der anderen Solisten und des Corps. Das pure klassische Ballett ist Trumpf an diesem unterhaltsam kurzweiligen Abend.

Veröffentlicht am 06.11.2016, von Marieluise Jeitschko in Homepage, Kritiken 2016/2017

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