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BITTE MEHR DAVON

"Balanchine/Robbins/Barton": Wiederaufnahme am Bayerischen Staatsballett



Klug vom neuen Ballettchef Igor Zelensky diesen dramaturgisch ausgewogenen Dreiteiler aus dem Repertoire zu übernehmen. Zudem kann er an diesem kompakten Abend die gesamte Riege seiner ersten und seiner (Demi-)Solisten vorführen.


  • "Adam is" von Aszure Barton am Bayerischen Staatsballett Foto © Charles Tandy

Was für ein Meisterwerk, George Balanchines „Sinfonie in C“: Schritte, die in der Musik singen, Gruppierungen der Tänzer im Raum als musikalisch schwingende Grafik. Obendrein: niemand ließ die Ballerinen so schön, so elegant modern aussehen wie Balanchine. Und wenn dieser rein konzertante Neoklassiker von 1947 dann auch gebührend geschliffen, so leicht und heiter getanzt wird, wie jetzt im Münchner Nationaltheater, weiß man doch wieder, dass Tanz glücklich macht. Auf Balanchines Bizet-Ballett, erfreulich animierend begleitet vom Staatsorchester unter Michael Schmidtsdorff, folgt das halb erzählerische „In the Night“ (1970) des neoklassischen Kollegen Jerome Robbins. Den Abschluss macht Aszure Bartons zeitgenössisches 2015 für München kreiertes „Adam is“.

Klug vom neuen Staatsballett-Chef Igor Zelensky diesen dramaturgisch ausgewogenen Dreiteiler aus dem Repertoire zu übernehmen. Zudem kann er an diesem kompakten Abend die gesamte Riege seiner ersten und seiner (Demi-)Solisten vorführen. Alle Damen, auch die im Corps, zeigen diesen Balanchine auf sehr hohem Niveau. Bei den Männern seien stellvertretend genannt die Sprung-Champions Osiel Gouneo, Alexey Popov und Vladimir Shklyarov. Letzterer hat noch diese rare Leichtigkeit, seine eigene Freude an diesem Balanchine mitzuteilen, ihn auch eine kecke Spur jazzig zu tanzen. Bitte mehr davon!

In Jerome Robbins' subtilen Beziehungs-Pas de deux zu Chopin-Nocturnen (am Klavier Elena Mednik) sehen wir Shklyarov mit seiner Ehefrau Maria Shirinkina, einer feinen lyrischen Tänzerin, Ksenia Ryzhkova – in der emotionalen Ausgestaltung ihrer Partie noch nicht ganz so sicher – mit Partner Adam Zvonař. Die Überraschung: Prisca Zeisel, gepartnert von Matej Urban, füllt atemberaubend selbstverständlich den Raum, verrät in dieser kränkelnden Mann-Frau-Geschichte schon ihr dramatisches Talent. Sie, zur Zeit noch Demi-Solistin, möchte man bald in größeren Rollen sehen. In Aszure Bartons atavistischem Männer-Ritual „Adam is“ beweisen neun Tänzer, alle noch aus dem Vorgänger-Ensemble, dass das Staatsballett sich im zeitgenössischen freien Stil zur Elite zählen kann.


weitere Vorstellungen 1. 11.; 9. 4. und 5. 5. 2017

Veröffentlicht am 11.10.2016, von Malve Gradinger in Homepage, Kritiken 2016/2017, Tanz im Text

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