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Hellerau

DIESER BATTLE IST DOCH NUR EIN SPIEL

Das Projekt „Symphonix“ zelebriert in Dresden Hellerau Grenzüberschreitungen



Die Mischung macht’s. Im Festspielhaus Hellerau treffen unter Leitung des Choreografen Raphael Hillebrand Breakdancer auf Tänzer aus dem Contemporary Bereich und auf ein philharmonisches Orchester.


  • Das Projekt "Symphonix" im Festspielhaus Hellerau Foto © Christoph Seidler
  • Das Projekt "Symphonix" im Festspielhaus Hellerau Foto © Christoph Seidler
  • Das Projekt "Symphonix" im Festspielhaus Hellerau Foto © Christoph Seidler
  • Das Projekt "Symphonix" im Festspielhaus Hellerau Foto © Christoph Seidler
  • Das Projekt "Symphonix" im Festspielhaus Hellerau Foto © Christoph Seidler
  • Das Projekt "Symphonix" im Festspielhaus Hellerau Foto © Christoph Seidler

Die bisherigen Ausgaben von „Floor on Fire“, dem „Battle of Styles“, in dem in Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste Tänzer mit den unterschiedlichsten Hintergründen zur Improvisation aufeinandertrafen, haben gezeigt, wie groß das Interesse des Publikums an Projekten ist, in denen die Grenzen einzelner Sparten aufgelöst werden. Auch bei diesem neuen Projekt der Elbland Philharmonie Sachsen mit der sächsischen Breakdance-Truppe „The Saxonz“ platzte das Haus aus allen Nähten. Unnötig, zu erwähnen, dass sich vor allem jüngeres Publikum auf den Weg nach Hellerau gemacht hatte.

Den Stellenwert des Breakdance würdigte man erst kürzlich mit der Verleihung des Arras-Preis an "The Saxonz", der jährlich zur Förderung von Künstlern und Projekten der Kunst im Raum Dresden verliehen wird. Diesmal stand den zweifachen deutschen Meistern mit Karsten Gundermann ein mehr als nur passender, zeitgenössischer Komponist zur Seite, der sie mit der Elbland Philharmonie Dresden den Abend hindurch live begleitete. Seine „2. Symphonie“ hatte er speziell für dieses Projekt komponiert. Hinzu kamen einige Tänzer des Ensembles der Landesbühnen Sachsen, die den Powermoves der Breakdancer ihren Contemporary Style untergemischt haben. Dreh- und Angelpunkt des Abends war der Berliner Tänzer und Choreograf Raphael Hillebrand, Ideengeber und Verantwortlicher für das Projekt "Symphonix“, der zudem als eloquenter Conférencier charmant durch ein Programm mit ausgeklügelter Dramaturgie führte.

Herausgekommen ist ein Fest des Miteinanders. Es ging nicht darum, möglichst perfekte Mischungen aus allen Einflüssen zu einem organischen Ganzen zu verrühren. Wichtiger war, die Besonderheiten der einzelnen Zutaten gelten zu lassen und zu erleben, was passiert, wenn sie aufeinandertreffen. So versuchte beispielsweise einer der Breakdancer, mit zwei Percussionisten ‚Schritt zu halten’. Dabei hat aber nicht nur eine Seite den Takt angegeben. Es wurde gebrüllt, gestoppt, die Partitur endete in Fetzen. So sieht Auseinandersetzung aus. Selbst ein Pas de deux konnte zeigen, welche Möglichkeiten der gegenseitigen Bereicherung es immer wieder geben kann, wenn man nur will. Und wenn man die Sache und sich selbst nicht immer so bierernst nimmt. Das ist ganz klar die Grundlage des Abends. Nur durch Offenheit, durch entspanntes Handeln gelingt ein Miteinander.

Das zeigt auch ganz klar der Höhepunkt des Abends, bei der Gundermanns „2. Symphonie“ vertanzt wurde. „The Saxonz“ bringen immer eine Art Story, die konsequent durcherzählt wird. Der Aufhänger ist dieses Mal endlos langes Klebeband. Zu Beginn des Abends wurden zwar vier ‚Teams’ vorgestellt (rot, grün, blau, gelb), aber da es sich um keinen tatsächlichen Battle gehandelt hat, lösten sich die Teams einfach auf. Und diese unsichtbare Geste hatte es in sich. Im ersten Satz der Sinfonie war noch alles eitel Sonnenschein. Alle kasperten herum und feierten ihre Styles. Bis sich einer der Breakdancer aus der Masse löste, und die Tanzfläche mittels Klebeband (wieder) in vier Bereiche teilte. Diese Grenzziehungen trennten die Tänzer zwangsläufig voneinander, was den Ausbruch von Aggressionen zur Folge hatte, die in gegenseitige Gewalt mündete.

Es brauchte einige Zeit, bis das Diktat der Grenzen überwunden war und alle Tänzer sich wieder ihren Möglichkeiten hingeben konnten. Aber am Ende stand eben doch erfolgreich die Freiheit des Miteinanders da. Diesen Ansatz braucht man nicht erst politisch aufzuwerten, in einer Stadt wie Dresden schon gar nicht. Desto beruhigender und Mut machender ist es, zu sehen, dass es eben auch so geht. Zum Schlussapplaus hätte man fast meinen können, die Zuschauerempore kracht zusammen. Gut so.

Veröffentlicht am 18.09.2016, von Rico Stehfest in Homepage, Kritiken 2015/2016

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Kommentare zu "Dieser Battle ist doch nur ein Spiel"



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