HOMEPAGE



Augsburg

KLEIN-STUTTGART LIEGT IN AUGSBURG

Pick bloggt über "Soto Danza", einen Ballettabend von Cayetano Soto



Vier unterschiedliche Choreografien spiegeln die Handschrift des Choreografen wieder und werden von brillanten Tänzern interpretiert


  • „Malasombra“ von Cayetano Soto
  • „Malasombra“ von Cayetano Soto Foto © Nik Schölzel/ Theater Augsburg
  • "Fugaz" von Cayetano Soto Foto © Nik Schölzel/ Theater Augsburg
  • "Fugaz" von Cayetano Soto Foto © Nik Schölzel/ Theater Augsburg
  • "Plenilunio" von Cayetano Soto Foto © Nik Schölzel/ Theater Augsburg
  • "Uneven" von Cayetano Soto Foto © Nik Schölzel/ Theater Augsburg
  • "Uneven" von Cayetano Soto Foto © Nik Schölzel/ Theater Augsburg

Immer wenn ich über Augsburg schreibe, bin ich natürlich irgendwie voreingenommen, denn ich wurde ja an dieses Theater engagiert, damit es nach langer Abwesenheit auf der Ballett-Landkarte wieder einen Platz bekam, der von Erich Payer und dann Eva Lerchenberg-Thöny, Jochen Heckman und Philip Taylor gefestigt wurde und nun durch Robert Conn zu einer ungeahnten Blüte aufgegangen ist.

Vorweg möchte ich bemerken, dass das Augsburger Publikum sicher kaum anders ist als die Menschen in anderen Städten, außer dass sie möglicherweise durch die Nähe einer Kulturmetropole, wie München es ist, manchmal etwas neidisch auf die Landeshauptstadt schielen. Was den Tanz betrifft, haben sie dazu aktuell keinen Anlass, denn die Tänzer, die heute in Augsburg tanzen, könnten auch in Stuttgart oder in München ein Engagement finden, wenn sie zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort wären.

Ob das jeweils auch auf die Choreografen zutrifft, ist eine andere Frage, aber das trifft genauso auf die beiden genannten Staatstheater zu und es schwankt natürlich auch, denn nicht jedes Projekt (um das neue Lieblingswort der Choreografen zu benutzen) kann immer ein Wurf sein. Das übrigens gilt für alle Künstler und alle Sparten. Augsburg hat zur Zeit einen Direktor, der offensichtlich ein gutes Händchen hat, so wie seine Kollegen in München (Ivan Liska) und Stuttgart (Reid Andersen) bisher. Jetzt aber genug der Einführung, zur Sache Pick!

Ich hatte das Vergnügen und ich meine das, wenn ich es schreibe, den letzten Abend dieser Spielzeit zu sehen, der Gayetano Soto gewidmet ist und einen zwar nicht vollständigen Überblick aber doch von seinen Erstlingswerken bis zu recht neuen Stücken vieles anbietet. Leider war Gayetano gesundheitlich angeschlagen, so dass er keine echte Kreation für die Augsburger machen konnte.

Der Abend begann mit „Plenilunio“ mit Musik von Alberto Iglesias für drei Paare, das vom Schrittmaterial und dem ganzen Stückaufbau noch stark der „Holländischen Schule“ (ich meine nicht die Maler sondern zur Abwechslung das NDT eines Hans van Manen und Jiří Kylián oder auch Philip Taylor) verpflichtet ist. Und der Titel sagt wie üblich nichts über das, was wir sehen. Aber das macht nichts, die Tänzer reißen den Abend hoch!

Ein schöner Einfall ist der offene Umbau zum nächsten Stück, wobei Musik von Iglesias von weitem tönt und die Techniker in einer Art Eigeninszenierung die notwendigen Veränderungen an Beleuchtung und Bühne vornehmen. Der nächste Titel „Fugaz“ (spanisch für flüchtig, vergänglich) hilft ein wenig zum Verständnis des Inhalts und die Atmosphäre einer Trauermusik und einer derartigen Choreografie lassen keinen Frohsinn aufkommen. Wirkliches Leiden am Tod eines geliebten Menschen (Gayetanos Vater) kommt nicht auf, eher - wie von Gayetano Soto auch gewollt – Erlösung und Hoffnung getanzt von vier Damen und zwei Tänzern.

Nach der Pause im Foyer der schönen Brecht-Bühne sind wir mitten in der Hoffnung angekommen bei „Uneven“ und die Kompanie besteht nun aus vier Paaren. Das Stück zu einer Cello-Musik des Amerikaners David Lang ist von Soto sehr musikalisch übersetzt, allerdings sind mir die Unebenheiten dem Titel nach, nicht aufgefallen. Glücklicherweise auch nicht, was das Programmheft trotz schöner Fotos vorschlägt nämlich …eine Art Psychoanalyse... Soto: „ Wenn ich mein Stück sehe, dann analysiere ich mich selbst.“ Für derartige Kurzschlüsse gibt es von anderen Stücke-Erfindern weiß Gott schlimmere Beispiele. Auch der schräg ausgelegte weiße Boden hilft da wenig. Wieder gibt es einen offenen Umbau zum letzten Stück, den die Techniker und Beleuchter in Ruhe vollziehen.
Während der Boden aufgewickelt wird, läuft ein Video rechts und links des Zuschauerraums.

Das letzte Stück „Malasombra“ beschäftigt sich mit Leben und Musik der kubanischen Latin-Soul-Sängerin La Lupe, die in New York Karriere gemacht hat. Die Lady war mir bis dahin kein Begriff, hat sich mir trotz eines gesprochenen Textes nicht sehr erschlossen, aber das raffiniert beleuchtete Stück hat durchaus Unterhaltungscharakter und entlässt den Zuschauer nach einem vielfältigen Abend, den die Tänzer im besonderen Maße tragen. Und ich nenne stellvertretend für alle anderen Janet Sartore, die an diesem Abend ihren Abschied von der Bühne nahm, mit Blumen geehrt, neben Yurie Matzuura, Mark Radjapov, Theophilus Vesely und Ricardo De Nigiris, der bei tosendem Applaus die Regie übernahm - wie es sich für einen Resident Choreographer als Nebenjob gehört.

Veröffentlicht am 12.07.2016, von Günter Pick in Homepage, Blogs

Dieser Artikel wurde 2893 mal angesehen.



Kommentare zu "Klein-Stuttgart liegt in Augsburg"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    AKTUELLE KRITIKEN


    SOUVERÄNER TANZERZÄHLER

    Stephan Thoss kreiert „Sanssouci“ in Mannheim
    Veröffentlicht am 20.03.2019, von Alexandra Karabelas


    DURCH DIE WELT DES SCHLAFES GETANZT

    „Schlafwandler 1999/2019“ von Helge Letonja / steptext dance project mit Anne Minetti und Ziv Frenkel in der Schwankhalle Bremen
    Veröffentlicht am 19.03.2019, von Martina Burandt


    GEISTERBAHN DER MISSBRAUCHTEN

    Ligia Lewis „Water Will (In Melody)“ gastiert in den Kammerspielen
    Veröffentlicht am 19.03.2019, von Vesna Mlakar



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    GROßE PROGRAMMREIHE „OLD STARS - NEW MOVES" BEIM UNTERWEGSTHEATER

    Das UnterwegsTheater Heidelberg präsentiert 2019 ein hochkarätiges Programm mit Uraufführungen und Gastspielen

    Den Auftakt bildet "Reconstruction" von Jai Gonzales am 21. Februar 2019

    Veröffentlicht am 12.02.2019, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ENGAGEMENT VERLOREN

    Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper
    Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion


    RAUSCHEN VON SASHA WALTZ & GUESTS

    Uraufführung am 7. März 2019 in der Volksbühne Berlin
    Veröffentlicht am 01.02.2019, von Anzeige


    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

    Der Primaballerina Lynn Seymour zum 80. Geburtstag
    Veröffentlicht am 06.03.2019, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    HELLMUTH MATIASEK FEIERT HEUTE SEINEN 85.GEBURTSTAG

    Pick bloggt über seinen langjährigen Intendanten Hellmuth Matiasek und reist in Gedanken von Rosenheim bis nach Japan

    Veröffentlicht am 15.05.2016, von Günter Pick


    DEMIS VOLPI WIRD BALLETTDIREKTOR UND CHEFCHOREOGRAF DES BALLETTS AM RHEIN

    Zur Spielzeit 2020/21 tritt der Choreograf die Nachfolge von Martin Schläpfer an

    Veröffentlicht am 15.03.2019, von Pressetext


    ARCHAISCHE ALLEGORIE

    Europapremiere in Hamburg auf Kampnagel: „Omphalos“ von Damien Jalet mit dem „Center of Contemporary Dance“ (CEPRODAC) aus Mexico City

    Veröffentlicht am 17.03.2019, von Annette Bopp


    „I WANT TO STINK AGAIN“

    Uraufführung von Doris Uhlichs „Tank“ im tanzhaus nrw

    Veröffentlicht am 15.03.2019, von Anja K. Arend


    GEISTERBAHN DER MISSBRAUCHTEN

    Ligia Lewis „Water Will (In Melody)“ gastiert in den Kammerspielen

    Veröffentlicht am 19.03.2019, von Vesna Mlakar



    BEI UNS IM SHOP