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Oldenburg

ZU SIMPEL

„City Moves“ von Antoine Jully



Der Spagat zwischen ‚dance now’ und zeitgenössischem Ballett bleibt in diesem neuen Tanzstück eine Petitesse.


  • "City moves" (UA) von Antoine Jully: Nicol Omezzolli, hinten: Ensemble Foto © Stephan Walzl
  • "City moves" (UA) von Antoine Jully: Gianluca Sermattei ,hinten: Ensemble Foto © Stephan Walzl
  • "City moves" (UA) von Antoine Jully: Ensemble Foto © Stephan Walzl
  • "City moves" (UA) von Antoine Jully: Marié Shimada, Lester René González Álvarez Foto © Stephan Walzl
  • "City moves" (UA) von Antoine Jully: Ensemble Foto © Stephan Walzl
  • "City moves" (UA) von Antoine Jully: Timothée Cuny, Marié Shimada, hinten: Lester René González Álvarez, Gianluca Sermattei Foto © Stephan Walzl
  • "City moves" (UA) von Antoine Jully: Lester René González Álvarez, Timothée Cuny, Ensemble Foto © Stephan Walzl

Oft genug machen die Vorbereitungen für ein Fest, wozu ja eine Theaterpremiere zählt, Gastgebern und Gästen mehr Spaß als das Fest selbst. So geschah es wohl auch bei der Entstehung von Antoine Jullys neuer Choreografie „City Moves“ in Oldenburg. Mit einer von dem Franzosen selbst entworfenen ‚Installation’ zogen der Choreograf und acht Mitglieder seiner kleinen Kompanie durch die City der norddeutschen Universitätsstadt und erprobten das Feeling von City-Pflaster und Shopper-Kontakt. Und die Bürger durften sich mal in der riesigen Plastik-‚Blase’ mit Appendix - der ‚Spielfläche’ der Künstler - tänzerisch bewegen und sich in die Gestaltung einmischen. Eine pfiffige Idee und offenbar gute Erfahrung, wie die Texte auf dem Programmzettel vermuten lassen.

Bei der Premiere auf der Bühne des Kleinen Hauses dagegen schlichen sich sehr bald Längen durch permanente Wiederholungen von - wenn auch raffinierten - sportiven Figuren und Konstellationen der sieben ‚Teenager’ in Spielklamotten und Söckchen ein. Nach einer Viertelstunde Gedränge unter der Plastikhaube sprengte die Gruppe das ‚Iglu’ und verteilte sich über die ganze Bühne. Da wurden die Sprünge weiter, die Verknotungen von Gliedmaßen und Körpern sichtbarer, aber die Menschen wirkten doch nicht wirklich befreiter oder irgendwie erhellter.

Auch bedienten die dezidiert tänzerfreundlichen Rhythmen der Kompositionen und die nur bedingt witzigen Texte von Jully allzu simplistisch die Aktionen. Der Ertrag des Experiments einer Annäherung an die Stadt und das Publikum jedenfalls war so spärlich pauschal wie nach einem Interview, in dem dem Gegenüber nicht die richtigen oder zu wenige relevante Fragen gestellt worden sind.

Dabei zeigen die jeweils vier Tänzerinnen und Tänzer wieder erstaunliche technische Qualität und ernteten herzlichen Applaus. Mit einem augenzwinkernden Clou endet die einstündige Performance immerhin. Eleonora Fabrici tänzelt auf Spitze im weißen Tutu über schwarzem Ganzkörpertrikot herein und bricht ihre Excercises erschrocken ab: Pardon - ich dachte heut' wäre Ballett!?

Der Spagat zwischen ‚dance now’ und zeitgenössischem Ballett bleibt in diesem neuen Tanzstück eine Petitesse. Die meisten bisherigen zwei- und dreiteiligen Ballettabende der nunmehr zweijährigen Ära des Chefchoreografen am Niedersächsischen Staatstheater im hohen Norden Deutschlands überzeugten weit mehr. In seiner bevorstehenden dritten Saison kann Antoine Jully mit einem ganz besonderen Gast aufwarten: Martin Schläpfer, bei dem er schon in Mainz und dann im Ballett am Rhein tanzte und zu choreografieren begann, schmückt die zweite Premiere mit dem Solo für Marlúcia do Amaral „Ramifications“ von 2005 und dem Duett „Quartz“ von 2008 aus seinem Oeuvre.

Veröffentlicht am 11.06.2016, von Marieluise Jeitschko in Homepage, Kritiken 2015/2016

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