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Köln

MODERNE ZEITEN IM TANZ

„upDATING YOU“ von Gerda König und Giada Scuderi in der Kölner Wachsfabrik



Diese „Cyber-Peepshow unseres Alltags“ macht eine neue Qualität von Ausgrenzung und von Körperbewusstsein sichtbar.


  • "upDATING YOU" von DIN A 13 Foto © Jo Kirchherr
  • "upDATING YOU" von DIN A 13 Foto © Jo Kirchherr
  • "upDATING YOU" von DIN A 13 Foto © Jo Kirchherr

„Stellen Sie jetzt bitte Ihr Handy an!“, fordert eine freundliche Stimme die Zuschauer auf, als die Show in der Kölner Wachsfabrik beginnen soll. Auch sonst ist vieles hier ganz anders als heutzutage in der Theater- und Performancewelt. Das Label „Din A 13“, 1995 von der Rollstuhlfahrerin Gerda König gegründet, agiert als mixed-abled Kompanie aus gesunden und behinderten Tanzenden inzwischen international. Außerdem baut König seit 2005 mit finanzieller Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes „dance meets differences“ auf, um über den Tanz Austausch zwischen Kulturen zu fördern und neue mixed-abled Kompanien weltweit zu etablieren.

Raimund Hoghes Schritt vom Dramaturgen und Autor zum Performer öffnete dem Tanz neue Dimensionen, die vorher allenfalls als Versuche bei Off-Festivals gewagt wurden. Din A 13 tanzcompany gehört zur Bewegungskunst in diesem sehr körperlichen Sinn. Hier treten professionelle Tänzerinnen und Tänzer gemeinsam mit Rollstuhlfahrern oder Spastikern auf. Die Themen der Produktionen setzen sich in subtiler Weise mitunter mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen und Zuständen auseinander. So ist die neue Produktion „upDATING YOU“ von dem Choreografenteam Gerda König und Giada Scuderi mit der Videokunst von Ralf Jesse als eine „Cyber-Peepshow unseres Alltags“ zu verstehen. Gleichzeitig macht sie eine neue Qualität von Ausgrenzung und von Körperbewusstsein sichtbar. Wer kein Smartphone dabei hatte oder aber WhatsApp nicht nutzt, auch keiner virtuellen Community angehört, fühlt sich schnell ausgegrenzt und wird nicht beteiligt an dem Austausch von Zuschauern und Agierenden über die Frage, wie hilfreich oder hinderlich neue Medien für menschliche Beziehungen sind. Zum Abschluss des Kölner Festivals „Sommerblut“ am Pfingstwochenende uraufgeführt, geht Din A 13 auch mit dieser neuen Produktion auf Reisen, zunächst nach Berlin, Bonn und Dortmund.

Drei transparente, aufblasbare Sitzgelegenheiten auf Rollen – zwei Clubsessel, ein „Love-Seat“ – stehen im Raum, werden hierhin und dorthin verschoben. Ein Großbildmonitor begrenzt die Spielfläche nach hinten. Seitlich sind lange und quadratische Planen als improvisierte Projektionsflächen für Videoclips und zum Skypen aufgespannt. Schon vor Beginn der knapp einstündigen Performance für fünf Darsteller lümmelt eine junge Frau (Alma Edelstein) gelangweilt abwechselnd auf den Sitzen, posiert später für ihre virtuellen Freunde, um möglichst viele ‚Likes’ zu sammeln. Ein Rollstuhlfahrer (Fabian Dirla) kurvt zwischen den Leinwänden herum, gleitet auf den Boden, robbt vorwärts, vollführt Breakdancefiguren, dient im Vierfüßlerstand als Stütze für andere Tanzende. Von den Seiten gesellen sich die Tänzer Damiaan Veens und Ruben Reniers dazu. Aus den Zuschauerreihen steht die Kubanerin Yanel Barbeito auf und agiert mit sichtbarer Disziplin mit. Sie ist durch eine zerebrale Lähmungsstörung stark eingeschränkt in ihren Ausdrucksmöglichkeiten. Dennoch macht gerade das gegenseitige Kopieren von Bewegungsmustern und Posen den Reiz des Zusammenspiels und den Charme dieser Performance auf der Suche nach echter Beziehung aus.

Auf den Monitoren erzählen Menschen von sich, preisen sich als Partner an. Straßenszenen sind zu sehen mit Menschen, die große Plakate um den Hals tragen: „Ich suche Kontakt“. Eine fast gesichtslose Cyberfrau erscheint in unregelmäßigen Abständen, um mitzuteilen: „Sie haben eine neue Nachricht!“ Am Ende der Performance ist ein Chat entstanden, aus dem zu sehen ist, wo sich Zuschauer in die Aktionen einmischten, Zustimmung äußerten, sich bedankten. Ein vom Algorithmus komponiertes Sonett wird auf den Rückprospekt projiziert. Die Zuschauer ohne Handy oder gar ohne gewisse Kenntnisse der Praktiken in den neuen Medien und virtuellen Welten gehören nicht mehr dazu, fühlen sich tatsächlich ausgegrenzt. Diese Show geht unter die Haut.

Moderne Zeiten im Tanz – Pina Bauschs „Kontakthof“ updated….

Veröffentlicht am 16.05.2016, von Marieluise Jeitschko in Homepage, Kritiken 2015/2016

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Kommentare zu "Moderne Zeiten im Tanz"



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