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Darmstadt

WO DAS LEBEN IMMER WEITER GEHT

Zum Tanzabend „Spannweiten“ beim Hessischen Staatsballett in Darmstadt



Das nun ein Jahr alte Hessische Staatsballett bekommt ein immer deutlicheres Profil. Der Tanzabend „Spannweiten“ zeigt die Vielfalt dieses neuen Ensembles.


  • "Phantom DanceOne" von Václav Kuneš Foto © Bettina Stöß
  • "Twenty Eight Thousend Waves" von Cayetano Soto Foto © Bettina Stöß
  • "Twenty Eight Thousend Waves" von Cayetano Soto Foto © Bettina Stöß
  • "Ten Duets On A Theme of Rescue" von Crystal Pite Foto © Bettina Stöß

Aus Zwei macht Eins – nach diesem Grundsatz haben die Intendanten der Staatstheater in Darmstadt und Wiesbaden vor gut einem Jahr die eigenständigen Tanzsparten der beiden Theater aufgelöst zugunsten der Neugründung des Hessischen Staatsballettes. Es ging, wenn man den beidseitigen Beteuerungen Glauben schenken darf, ausnahmsweise nicht um Einsparungen, sondern um Synergien der beiden schon jahrzehntelang kooperierenden Häuser. So langsam schärft sich das Profil der neuen Kompanie, die neben Arbeiten ihres künstlerischen Leiters Tim Plegge – der gerade ein Handlungsballett über „Kaspar Hauser“ präsentiert hat – auch andere Choreografen zeigt, Gastspiele organisiert und mit Residenzangeboten Produktionen fördert. Mit Bruno Heynderickx verfügt das neue Vorzeigeballett dafür sogar über einen eigenen Kurator.

Der Tanzabend „Spannweiten“, der zum Ende der letzten Spielzeit in Wiesbaden und jetzt in Darmstadt Premiere hatte, darf als gelungener Beitrag zur Imagebildung gelten. Bei „Phantom DanceOne“ hat sich die Investition in eine vorhergehende Residenz gelohnt: das Stück von Václav Kuneš wurde sozusagen vor Ort entwickelt. Der tschechische Choreograf, der in Prag die Kompanie „420People“ gegründet hat, lässt seine sechs Protagonisten eine ganz besondere Energie entwickeln, die zwischen Realität und Traum zur eigenwilligen Auftragskomposition von Owen Belton ihren eigenen Flow findet.

Eingangs bietet „Spannweiten“ eine Wiederbegegnung mit der Kanadierin Crystal Pite, die mit ihrer Kompanie „Kidd’s Pivot“ eine glückliche Zeitlang fest mit dem Frankfurter Mousonturm liiert war und von dort einen internationalen Erfolgszug startete. Ihre Choreografien sind gekennzeichnet von einer großen emotionalen Kraft – so auch „Ten Duets On A Theme of Rescue“. Das Spannungsfeld zwischen Retten und Gerettet werden lotet sie intensiv und mit überraschenden Perspektivwechseln aus.

Den Abschluss des Abends bildet eine ursprünglich 2014 in Boston kreierte Choreografie von Cayetano Soto. Zum hypnotischen Sound von David Langs Minimal-Liedversionen gab der Spanier mit der Wahlheimat München mit „Twenty Eight Thousend Waves“ eine Kostprobe seines speziellen Händchens für höchst einfallsreiche, spannungsgeladene und schwierige Pas de Deux. Das Stück für zwölf TänzerInnen kommt selbst als endlose Woge daher, im zweiten Teil getragen von abgehacktem Streicherklang (Bryce Dessner). Immer wieder starren die TänzerInnen ins Publikum, als könnten sie durch die Zuschauer hindurch bis zu einem fernen Ziel sehen: Da, wo das Leben immer weiter geht und mit ihm der Tanz…

Veröffentlicht am 13.03.2016, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2015/2016

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Kommentare zu "Wo das Leben immer weiter geht"



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