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Dresden Hellerau

KONZEPT IM RAUBTIERKÄFIG

Die Dresden Frankfurt Dance Company zeigt mit „C.O.R.E.“ eine neue Arbeit ihres Künstlerischen Leiters



Jacobo Godani begibt sich in „C.O.R.E.“ weiter auf die Suche nach der Molekularstruktur des Tanzes.


  • C.O.R.E (creative organization reactive to evolution); Ensemble Foto © Dominik Mentzos
  • C.O.R.E (creative organization reactive to evolution); Guillaume Quéau und Claudia Phlips Foto © Dominik Mentzos
  • C.O.R.E (creative organization reactive to evolution); Ensemble Foto © Dominik Mentzos
  • C.O.R.E (creative organization reactive to evolution); Rob Fordeyn, Daphne Fernberger und Joel Small Foto © Dominik Mentzos
  • C.O.R.E (creative organization reactive to evolution); Nora Sitges-Sardà und Michael Joshua Tucker Foto © Dominik Mentzos

Ein ausgewachsenes Krokodil kriecht langsam die Treppe des Ostflügels herab, bewegt sich dabei aber nicht von der Stelle. Es ist eine Videoprojektion, die Jacopo Godani für seine neue Choreografie „C.O.R.E. - creative organization reactive to evolution“ im Festspielhaus Dresden Hellerau installiert hat. Der Kern aus dem Titel ist offensichtlich: Das Krokodil besteht nur aus seinem Skelett. Desto faszinierender sind die langsamen Bewegungsabläufe. Daneben ein katzenähnliches Raubtier. Das menschliche Skelett gehört dazu. Auch das ein Raubtier? Die Suggestion ist eindeutig, man könnte beim Betreten des Saales fast der Meinung sein, es würde wie im Zoo riechen. Tut es aber wirklich nicht.

Die Videoarbeiten ziehen sich weiter bis in die Choreografie hinein. Das menschliche Skelett wird auf den Körper eines Tänzers projiziert. Der Kern ist freigeschält, liegt bloß. Godanis Evolutionsgedanke setzt ganz am Anfang an. Bereits in seiner ersten Arbeit für die Dresden Frankfurt Dance Company, „Primate Trilogy“, hat er seiner artistischen Bewegungssprache animalische Grundzüge verliehen. Hier geht er einen Schritt weiter, indem er evolutionär einen Schritt zurückgeht. Man kann es auch als einen Schritt in die Tiefe bezeichnen. Diese Arbeit ist stärker von einem Konzept getragen als die reine künstlerische Ausstellung von „Primate Trilogy“.

Rudimentäre Sprache setzt im Wortsinn die ersten Akzente. Geräusche, die einmal Sprache werden könnten. Verhalten auch die ersten Bewegungen. Eine Stimme aus dem Off erklärt diese Versuche als „example of basic interaction“. Es sind „symptoms of development“, „from nothing to experience.“ Von null auf hundert. Choreografisch betrachtet ist das eine technische Sezierung, ein Auseinandernehmen der Möglichkeiten. Insgesamt fällt das Vokabular dabei weniger artistisch, weniger spektakulär aus. Ob das eine logische Folge des konzeptuellen Ansatzes ist, bleibt offen.

Das Konzept allein trägt die Arbeit erfolgreich, das choreografische Material scheint dem aber nicht in jedem Moment ganz gerecht zu werden. Auch die klangliche Ausmalung durch das Haus-Duo 48nord bleibt in ihrer Gleichförmigkeit streckenweise unter den Möglichkeiten. So überzeugend die gesamte Grundidee ausfällt, hat doch alles noch etwas Unfertiges. Das wiederum ist keinesfalls schlecht. Jeder gute Choreograph befindet sich beständig auf der Suche. Und Evolution an sich ist nie abgeschlossen.

Veröffentlicht am 06.02.2016, von Rico Stehfest in Homepage, Kritiken 2015/2016

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Kommentare zu "Konzept im Raubtierkäfig"



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