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Heidelberg

BEWEGUNGSGRENZEN VERSCHIEBEN

„720 Stunden“ in der Hebelhalle - das Duo von Florian Bücking und Raisa Kröger



Das UnterwegsTheater als Kulturplattform für den längst fälligen, künstlerischen Austausch in der Rhein-Neckar-Region


  • "exercise on borders" von Florian Bücking und Raisa Kröger

Eine rund um die Uhr offene Kulturplattform haben sich die nimmermüden Betreiber des Heidelberger UnterwegsTheaters, Bernhard Fauser und Jai Gonzales, in Zusammenarbeit mit dem Berliner Peter Stamer ausgedacht. Unter dem Motto „720 Stunden“ werden in der Hebelhalle und dem angrenzenden Choreografischen Centrum die verschiedensten Aktionen und Produktionen entwickelt und gezeigt. Spielerische Erfahrungen für willige Besucher (ein Spaziergang mit verbundenen Augen) gehören ebenso dazu, wie ein von Edan Gorlicki ins Leben gerufenes Intensiv-Worksphop-Wochenende für Tänzer. Hier war zum ersten Mal ein aktives Zusammentreffen von Mitgliedern der Stadttheater-Ensembles in Heidelberg und Mannheim mit Tänzern und Choreografen aus der freien Szene der Metropolregion zu erleben – ein spannender, längst fälliger Austausch. Insgesamt 47 TänzerInnen nahmen an den Workshops teil, nicht alle, aber doch überraschend viele aus der Region. Wenn damit der erste Schritt zur Selbstorganisation der Tanzszene der Rhein-Neckar-Region gemacht sein sollte – dann hat sich der Organisationsaufwand für dieses Event mehr als gelohnt.

Florian Bücking gehört zu den Stamm-Tänzern des UnterwegsTheaters in den Choreografien von Jai Gonzales. Aus Heidelberger Perspektive lässt sich leicht vergessen, dass der agile Tänzer in Berlin lebt – wie auch Raisa Kröger, mit der zusammen er eine Reihe von Duos entwickelt hat. Beim diesjährigen ARTORT-Festival war schon eine Kostprobe davon zu sehen, und im Rahmen der „720 Stunden“ zeigten die Beiden ihre halbstündige Performance „exercise on borders“ (übrigens im Keller der unter der Hebelhalle installierten Video-Lounge, auf der Bühne Nummer Vier, in den scheinbar endlose Möglichkeiten bietenden Räumlichkeiten).

Für lange Zeit sieht man nur die Rücken der beiden in einer kunstvollen Umarmung verharrenden Tänzer, die sich, wenn überhaupt, nur als Ganzes zu bewegen scheinen: als organische Einheit. Die langsamen, fließenden Bewegungen folgen einer überzeugenden Körperlogik. Bei der Bewegungsfindung hat die Beschäftigung mit Somatics (wo Körper, Geist und Gehirn als Einheit gesehen werden) Pate gestanden. Es ist nicht nur das Vermeiden, sondern das Auflösen von negativer Muskelspannung, das diesen Ansatz kennzeichnet. Elastizität und Geschmeidigkeit als Kennzeichen besonderer tänzerischer Bewegungsqualität erfahren hier eine neue Interpretation – und lassen sich unschwer auf eine allgemeine Ebene des Sich-Bewegens in Beziehungen übertragen.

Der puristische Ansatz wurde konsequent auch in der Musik (Ligeti) und im abstrakten Videostream (René Lange) weitergeführt – beeindruckend.

Veröffentlicht am 17.09.2015, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2015/2016

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Kommentare zu "Bewegungsgrenzen verschieben"



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