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Zürich

CLOWN, TRAUMTÄNZER, OBJEKTKÜNSTLER

Martin Zimmermanns aberwitziges Solo „Hallo“ beim Zürcher Theaterspektakel



Er erinnert ein bisschen an Buster Keaton durch sein Understatement, mit dem er auf der Bühne die verrücktesten Sachen anstellt. Inzwischen tritt Martin Zimmermann mit seiner wortlosen Kunst nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Paris, Belfast oder New York auf. Allein oder mit seinem Kompagnon Dimitri de Perrot zusammen.


  • „Hallo“ von Martin Zimmermann

Ringsum krümmen sie sich vor Lachen, und auch ernste Menschen ziehen die Mundwinkel nach oben bis mindestens zehn vor zwei. Der Künstler aber, Martin Zimmermann, schaut in seiner hektischen Soloproduktion „Hallo“ oft bekümmert bis melancholisch drein. Oder auch mal frech und herausfordernd wie ein kleiner Teufel.

Zunächst setzt sich Zimmermann mit einer Holzkiste auseinander, in die er sich hineinstopft und aus der er nach allerlei Kapriolen wieder herauskriecht. Dabei verwandelt sich die Box zum Laufsteg zum Kasperletheater zur Hundehütte. Weiter geht es im Grossformat mit einer vierseitigen Rahmenkonstruktion, die sich zum Laufsteg oder zum Trapez verformt, auf dem Zimmermann als Akrobat balanciert, bis er samt Gerüst zu Boden stürzt. Natürlich voller Eleganz, auch wenn er sich die Hand schmerzlich einklemmt. Sinnlose Aktionen, absurdes Theater. Ein Traumtänzer.

Martin Zimmermann, 1970 im Kanton Zürich geboren, zeichnet im Solo „Hallo“ für Konzept, Regie, Bühnenbild, Choreografie und Spiel verantwortlich. So stammt auch die Idee dieser verrückten Kisten und Rahmen samt ihren Falltüren von ihm: Zimmermann als Objektkünstler. Für die handwerkliche Ausführung sind dann aber doch weitere Mitarbeitende verantwortlich. Ebenso für die Musik-Kreation, das Ton- und Lichtdesign. Und die künstlerische Leitung der „Firma“ hat neben Zimmermann weiterhin der Komponist und Tüftler Dimitri de Perrot. Die beiden haben zusammen die Aufsehen erregenden Produktionen „Hans was Heiri“ (2012) „Öpper Öppis“ (2008) oder „Gaff Aff“ (2006) kreiert – die Titel sind schweizerdeutsch. Das Duo wird auch in Zukunft wieder gemeinsam auftreten. Noch früher war der Béjart-Tänzer Gregor Metzger mit dabei, so in „Gopf!“ oder „Hoi“.

Die Vorstellung von „Hallo“ dauert eine Stunde. Sie dürfte Zimmermann an die physische Grenze bringen, soviel Präzision, Geschwindigkeit und Kombinatorik, wie sie verlangt. Aber auch die Aufnahmefähigkeit des Publikums wird strapaziert, weil eine komische Szene die andere ablöst, ein Slapstick zum nächsten springt, die Absurditäten einander übertrumpfen.

Als am Schluss der Applaus hochbrandet, lacht endlich einmal auch der asketische Martin Zimmermann von einem Ohr zum andern, strahlt wie ein Maikäfer ins Publikum. Dann wirft er lässig einer Zuschauerin jene Handtasche zu, die er ihr während der Vorstellung „geraubt“ hat. Bis zum nächsten Mal!

Zürcher Theaterspektakel 14.-19.8.2015. Uraufführung in Lausanne 4.11.2014. Nächste Auftritte: Düsseldorf 11.-13.9.15, Zug 30.9.-1.10.15, dazwischen Prato (Italien) 25.-26.9.15

www.theaterspektakel.ch
www.zimmermanndeperrot.com



Veröffentlicht am 16.08.2015, von Marlies Strech in Homepage, Kritiken 2014/2015

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Kommentare zu "Clown, Traumtänzer, Objektkünstler"



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