HOMEPAGE



Hamburg

EIN MAGISCHER SOG

Eröffnung des Sommerfestivals in der Hamburger Kampnagelfabrik mit „Available Light“ von Lucinda Childs



Mit der Europa-Premiere eines Meisterwerks der Tanzkunst eröffnete am vergangenen Mittwoch das diesjährige Internationale Sommerfestival in der Hamburger Kampnagelfabrik.


  • „Available Light“ von Lucinda Childs Foto © T. Mathew Craig
  • „Available Light“ von Lucinda Childs Foto © T. Mathew Craig
  • „Available Light“ von Lucinda Childs Foto © T. Mathew Craig
  • „Available Light“ von Lucinda Childs Foto © T. Mathew Craig

Festivalleiter András Siebold war es gelungen, „Available Light“ nach Hamburg zu holen, ein Stück der US-amerikanischen Choreografin Lucinda Childs in Kooperation mit dem zeitgenössischen Komponisten John Adams und dem international renommierten Architekten Frank Gehry für das Bühnenbild. „Available Light“ wurde schon 1983 anlässlich der Eröffnung vom Museum of Contemporary Art in Los Angeles uraufgeführt. Gehry hatte dafür analog der Industrie-Architektur des Museums ein ebenso schlichtes wie zwingendes Bühnenbild entworfen, lange bevor er mit dem Guggenheim-Museum in Bilbao und der Disney Concert Hall in Los Angeles Weltruhm erlangte. Für die überarbeitete Wiederaufnahme im Juni 2015 in L.A. konzipierte er einen Hintergrund aus Maschendraht und einer von fünf Stahlrohr-Käfigen gestützten zweiten Ebene.

Lucinda Childs entwickelt hier mit ihren insgesamt elf TänzerInnen (vier in Rot, vier in Schwarz, drei in Weiß) eine streng geometrisch angeordnete doppelstöckige Formation, in der bestimmte, einander ähnelnde und doch immer wieder anders komponierte Bewegungsabfolgen sich wiederholen, verschieben, gegenläufig anordnen, mal allein, mal zu zweit, mal zu mehreren. Das produziert gerade durch diese anscheinende Monotonie, die alles andere ist als eintönig, einen nahezu magischen, meditativen Sog. Jedesmal, wenn man gerade zu ermüden droht, weckt eine neue und andere Anordnung das Auge zu neuem Sehen. Jeder Bewegungsfolge ist eine fast schwerelose Leichtigkeit eigen, eine berückende Transparenz und Harmonie.

Die Tänzerinnen und Tänzer zeigen hier eine bewundernswerte, fast eine Stunde anhaltende Ausdauer und Konzentration, denn bei diesen vielen, exakt aufeinander abgestimmten Mustern darf nichts zu früh oder zu spät kommen, da darf kein Schritt unsauber sein, keine Arabesque zu hoch oder zu tief, keine Drehung zu schnell oder zu langsam. Gerade durch diese absolute und konsequente Exaktheit schlägt das Stück in den Bann.

John Adams’ minimalistische Musik für Synthesizer und Bläser ist wunderbar darauf abgestimmt und umhüllt das Ganze mit den passenden Klangfolgen, die sich zum Schluss hin in wunderbarer Kongruenz mit der Choreografie zu einem furiosen Finale steigert.

Weitere Vorstellungen: Freitag, 7.8., und Samstag, 8.8.2015. www.kampnagel.de oder vom 13.8. bis 15.8. bei Tanz im August in Berlin www.tanzimaugust.de

Veröffentlicht am 07.08.2015, von Annette Bopp in Homepage, Kritiken 2014/2015

Dieser Artikel wurde 2153 mal angesehen.



Kommentare zu "Ein magischer Sog "



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    AKTUELLE NEWS


    ADOLPHE BINDER BEKOMMT AUCH IM BERUFUNGSVERFAHREN RECHT

    Neues in der Causa Tanztheater Wuppertal
    Veröffentlicht am 19.08.2019, von tanznetz.de Redaktion


    JOHANN KRESNIK IST TOT

    Das deutsche Tanztheater hat einen seiner Pioniere verloren
    Veröffentlicht am 28.07.2019, von tanznetz.de Redaktion


    EHRUNG FÜR JOHANN KRESNIK

    "Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien" für den bedeutenden Vertreter des choreografischen Theaters
    Veröffentlicht am 12.07.2019, von Pressetext



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    CREATING DANCE IN ART AND EDUCATION – TANZPÄDAGOGIK UND CHOREOGRAFIE

    Berufsbegleitende Weiterbildung der TanzTangente Berlin in Kooperation mit dem Berlin Career College der Universität der Künste Berlin startet mit neuen Partnern die neue Bewerbungsrunde. Anmeldefrist ist der 1. November 2019

    In dieser Weiterbildung können TänzerInnen und Menschen mit fundierter Bewegungserfahrung Methoden erlernen, um tanzpädagogische Projekte in unterschiedlichsten Kontexten zu leiten und den Tanz in all seiner Vielfalt an Laien jeden Alters zu vermitteln.

    Veröffentlicht am 11.06.2019, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ENGAGEMENT VERLOREN

    Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper
    Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion


    RAUSCHEN VON SASHA WALTZ & GUESTS

    Uraufführung am 7. März 2019 in der Volksbühne Berlin
    Veröffentlicht am 01.02.2019, von Anzeige


    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

    Der Primaballerina Lynn Seymour zum 80. Geburtstag
    Veröffentlicht am 06.03.2019, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    JOHANN KRESNIK IST TOT

    Das deutsche Tanztheater hat einen seiner Pioniere verloren

    Veröffentlicht am 28.07.2019, von tanznetz.de Redaktion


    SPEKTAKULÄRES DEBÜT

    Shale Wagman als James in „La Sylphide“ am Mariinsky Theater St. Petersburg

    Veröffentlicht am 26.07.2019, von Gastbeitrag


    EMPÖRUNG IN DER BERLINER TANZSZENE

    Versprechen aus dem Koalitionsvertrag nur teilweise eingelöst

    Veröffentlicht am 04.08.2019, von tanznetz.de Redaktion


    ZU EHREN TERPSICHORES

    "Terpsichore-Gala I" im Nationaltheater zum 10jährigen Bestehen des Bayerischen Staatsballetts

    Veröffentlicht am 09.10.1999, von Katja Schneider


    SENSATIONAL DEBUT

    Shale Wagman as James in "La Sylphide“ at the Mariinsky Theater St. Petersburg

    Veröffentlicht am 30.07.2019, von Gastbeitrag



    BEI UNS IM SHOP