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München

WE MUST MAKE AN ACTION!

Lisbeth Gruwez mit ihrer Performance „It’s going to get worse and worse and worse, my friend“



Höhepunkt bei der Tanzwerkstatt Europa in München


  • Lisbeth Gruwez: „It’s going to get worse and worse and worse, my friend“ Foto © Luc Depreitere
  • Lisbeth Gruwez: „It’s going to get worse and worse and worse, my friend“ Foto © Luc Depreitere

Der Spot geht an und gibt den Blick frei auf ein androgynes Wesen mit streng zurück gegelten Haaren, weißer Bluse und grauer Stoffhose. Die Tanzfläche ist auf ein Rechteck begrenzt. Untermalt von sanften Klaviertönen lassen sich langsam minimale Bewegeungen wahrnehmen. Ein Wippen, eine kurze Bewegung des Armes, ein Streicheln. Dazu nachdrückliche, bannende Blicke ins Publikum. Dieser beeindruckende Körper ist Lisbeth Gruwez, die in Zusammenarbeit mit dem belgischen Musiker Maarten van Cauwenberghe in „It’s going to get worse and worse and worse, my friend“ die Macht der Worte und Manipulation austestet. Sie wird im Laufe der 50-minütigen Performance eine Predigt halten, die nicht nur sie zum Schwitzen bringt.

In ihrer Perfomance beschäftigt sie sich mit dem US-amerikanischen Prediger Jimmy Swaggart, mit seinen Auftritten, Gesten und vor allem seinen Floskeln, die über Lautsprecher zu hören sind und die sie tänzerisch nachstellt. Man könnte meinen, sie puzzle sich die Reden neu zusammen, als ob sie auf die Willkürlichkeit der Phrasen dieses ambivalenten Missionars aufmerksam machen will. Jimmy Swaggart ist ein erzkonservativer Mensch, ein Evangelist par excellence, gegen Popmusik und jeglichen Hedonismus. Allerdings ist er in etliche Sexskandale verwickelt. Lisbeth Gruwez versteht es, die Diskrepanz dieses Mannes intensiv darzustellen, von fast nicht wahrnehmbaren zu schneidend-schmerzhaften Bewegungen. Da fliegen die Arme in die Höhe, zur Seite und nach hinten, in einer Perfektion und mit immenser Körperspannung.

In den letzten Minuten wird ihre Predigt ekstatisch: sie hüpft auf der Stelle, schüttelt den Kopf unaufhörlich. Und endet mit nach oben geschmissenen Armen, durchgeschwitzt bis an die Hemdärmel. Seid ihr nun meine Anhänger? Habe ich euch bekehrt? Auf jeden Fall, wir liegen dir zu Füßen, Lisbeth.

Veröffentlicht am 06.08.2015, von Natalie Broschat in Homepage, Kritiken 2014/2015

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