HOMEPAGE



Hagen

ROCKIGER BALLETTABEND IN HAGEN

Pick bloggt über die Choreografien von Marguerite Donlon, James Wilton und Ricardo Fernando



Der letzte Ballettabend in dieser Spielzeit ging in Hagen als Zusatzvorstellung im Juni über die Bühne, wegen der großen Nachfrage.


  • "Heroes" von Marguerite Donlon Foto © Klaus Lefebvre / theaterhagen
  • "Heroes" von Marguerite Donlon Foto © Klaus Lefebvre / theaterhagen
  • “Drift“ von James Wilton Foto © Klaus Lefebvre / theaterhagen
  • “Club 27“ von Ricardo Fernando Foto © Klaus Lefebvre / theaterhagen
  • “Club 27“ von Ricardo Fernando Foto © Klaus Lefebvre / theaterhagen
  • “Club 27“ von Ricardo Fernando Foto © Klaus Lefebvre / theaterhagen

Der letzte Ballettabend in dieser Spielzeit ging in Hagen als Zusatzvorstellung im Juni über die Bühne, wegen der großen Nachfrage. Mir gelang es auch nur durch meine Bekanntschaft mit dem Intendanten Norbert Hilchenbach, den ich noch aus Aachen kenne, wo er als junger Regisseur seine Sporen verdiente und seine Frau als Dramaturgin beschäftigt war, eine Karte zu ergattern. In diesem Zusammenhang möchte ich noch mal an die launige Laudatio erinnern, die er anlässlich des Deutschen Tanzpreises für seinen Ballettdirektor Ricardo Fernando hielt. Und alles, was er damals sagte, hat sich einmal mehr bestätigt, was die Beliebtheit des Tanzsektors in Hagen betrifft. Das Publikum war begeistert und auch diesem Umstand verdankt dieses Theater nach wie vor seine Existenz! Die Kassen und nicht nur hier in Hagen, sondern das trifft auf viele Städte zu, sind so angespannt, mehr als leer und die Städte hoch verschuldet. Ich werde mich hier nicht weiter darüber auslassen, nur so viel: wir sollten nicht aus dem Auge verlieren, dass öffentliche Gelder immer auch danach errechnet werden, wie groß der Zuspruch der Bevölkerung ist. Was nicht heißt, dass wir uns mit dem Unterhaltungswert von Sportveranstaltungen oder auch dem Irrweg, dem ach so beliebten Quotendruck, der öffentlich/rechtlichen TV Sender anschließen sollten. Aber auch das wäre ein Thema für sich.

Eröffnet wurde dieser Abend, der sich “Ballett? Rock it!“ nennt, und es macht diesem Titel alle Ehre mit dem Stück “Heroes“ von Marguerite Donlon zu Musik von David Bowie. Sie gibt den fünf Tänzern alle Chancen sich tänzerisch, wie darstellerisch von allen Seiten, der Travestie bis zu sich gekonnt nackt zu zeigen, ohne dass man die wertvollsten Teile entdeckt hätte. Und man sieht den Tänzern an, wie viel Spaß sie dabei haben. Auch wenn manches überzogen ist, wie in der Pop Szene halt üblich. Das zweite Stück war “Drift“, zwar nicht neu aber für Hagen, aber von James Wilton neu einstudiert. Es will sich mit dem Paar-Problem junger Leute, was Anziehung und Abstoßung betrifft, auseinander setzen, was den Tänzern diesmal fast akrobatische Dinge abverlangt, dabei aber Gefühle ziemlich außen vor lässt. Auch das ist, wenn ich nicht irre, bis heute wichtig für eine Paar-Beziehung.

Das Hauptstück des Abends, das dann alle Register von großem Theater zieht, ist vom Chefchoreografen selbst und als die Abbildung des “Club 27“ entstanden. Nach der Idee, dass Jimmy Hendrix, Brian Jones, Janis Joplin, Jim Morrison, dann Kurt Cobain und schließlich Amy Winehouse im Alter von 27 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere verstarben. Das enorme Bühnenbild zeigt eben jenen weltberühmten Club mit einem überdimensionalen rechtwinkligen Sofa, das im Lauf dieses Disko-Abends immer wieder verschoben wird, so dass neue Perspektiven entstehen. Alle erstaunlich guten Tänzer des „balletthagen“ sind sowohl in Ensemblechoreografien als auch in Soli auf der Tanzfläche eingesetzt und man sieht ihnen an, wie sehr sie daran wachsen sich profilieren zu dürfen. Dem Publikum juckten schon zwischen den einzelnen Nummern immer wieder die Hände, ihrer Begeisterung Ausdruck zu verleihen. Nun könnte man sagen: Kunststück, wenn man sich mit Pop schmückt, aber für mich schließt sich der Kreis. Hier wird hochprofessionelles Theater gemacht, ob es dem jeweiligen Geschmack entspricht oder nicht. Das ist, was für mich zählt und was hoffentlich weiter lebt.

Hier geht es zur Kritik von Marieluise Jeitschko.

Veröffentlicht am 23.06.2015, von Günter Pick in Homepage, Blogs

Dieser Artikel wurde 1627 mal angesehen.



Kommentare zu "Rockiger Ballettabend in Hagen"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


    VERLEIHUNG DES DEUTSCHEN TANZPREISES

    Große Gala im Essener Aalto Theater
    Veröffentlicht am 23.09.2018, von Anja K. Arend


    DAS EIS DER EINSAMKEIT

    Uraufführung von "Motel Vibes" in Hellerau
    Veröffentlicht am 23.09.2018, von Boris Michael Gruhl


    GRUNDFARBE GRAU

    Doppelter Tanzabend in Mainz mit "Im Orbit" und "Fall Seven Times"
    Veröffentlicht am 22.09.2018, von Isabelle von Neumann-Cosel



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    ROMÉO ET JULIETTE

    Roméo et Juliette von Sasha Waltz wieder an der Deutschen Oper Berlin zu sehen.

    »Roméo et Juliette« ist die erste Arbeit von Sasha Waltz, die sie für ein großes Ballettensemble schuf.

    Veröffentlicht am 29.05.2018, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

    „Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
    Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


    LETZTER WALZER IN STUTTGART

    Alicia Amatriain tanzte 2003 in „Lulu“ die Titelrolle – und jetzt erneut 2018
    Veröffentlicht am 18.06.2018, von Marlies Strech


    GOECKE GEHT NACH HANNOVER

    Der neue Ballettdirektor am STAATSTHEATER HANNOVER steht fest. Marco Goecke übernimmt zur Spielzeit 2019/20 die Leitung.
    Veröffentlicht am 21.02.2018, von Pressetext

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    HURRA!

    "Unstern" von Moritz Ostruschnjak im Schwere Reiter München

    Veröffentlicht am 14.09.2018, von Natalie Broschat


    RAUM, KLANG, TANZ

    Initiation der Elbphilharmonie-Foyers mit Sasha Waltz & Guests' „Figure Humaine“

    Veröffentlicht am 02.01.2017, von Annette Bopp


    GROßARTIGE HOMMAGE

    John Neumeiers "Bernstein Dances" in Hamburg

    Veröffentlicht am 16.09.2018, von Annette Bopp


    HELLMUTH MATIASEK FEIERT HEUTE SEINEN 85.GEBURTSTAG

    Pick bloggt über seinen langjährigen Intendanten Hellmuth Matiasek und reist in Gedanken von Rosenheim bis nach Japan

    Veröffentlicht am 15.05.2016, von Günter Pick


    ARTHUR MITCHELL GESTORBEN

    Gestern verstarb der Gründer des Dance Theatre of Harlem im Alter von 84 Jahren in New York

    Veröffentlicht am 20.09.2018, von tanznetz.de Redaktion



    BEI UNS IM SHOP