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Paris

EIN TÄNZERISCHES FEUERWERK

Hannah O’Neill und Mathias Heymann in Pierre Lacottes „Paquita“



Wenige Monate nach Alexei Ratmanskys spektakulärer „Paquita“-Rekonstruktion in München stand das Ballett wieder auf dem Spielplan der Kompanie, bei der das Werk 1846 in einer Choreographie von Joseph Mazilier uraufgeführt wurde.


  • "Paquita" an der Pariser Opéra: Hannah O’Neill (Paquita) und Mathias Heymann (Lucien d’Hervilly) Foto © Laurent Philippe/ Opéra National de Paris
  • "Paquita" an der Pariser Opéra: Hannah O’Neill (Paquita) und Mathias Heymann (Lucien d’Hervilly) Foto © Laurent Philippe/ Opéra National de Paris
  • "Paquita" an der Pariser Opéra: Hannah O’Neill (Paquita) und Mathias Heymann (Lucien d’Hervilly) Foto © Laurent Philippe/ Opéra National de Paris
  • "Paquita" an der Pariser Opéra: Hannah O’Neill (Paquita) und Mathias Heymann (Lucien d’Hervilly) Foto © Laurent Philippe/ Opéra National de Paris

Wenige Monate nach der Premiere von Alexei Ratmanskys spektakulärer „Paquita“-Rekonstruktion in München stand das Ballett um die vermeintliche Zigeunerin Paquita, die nach einigen Wirren und einer Mordintrige ihren adeligen Verehrer Lucien d’Hervilly heiratet (siehe auch http://www.tanznetz.de/blog/18653/die-wiedergefundene-paquita), wieder auf dem Spielplan der Kompanie, bei der das Werk 1846 in einer Choreographie von Joseph Mazilier uraufgeführt wurde. Marius Petipa brachte das Ballett nach Russland, wo er 1881 eine neue Version schuf. Von seiner Hand stammte unter anderem der Grand Pas des dritten Aktes, der lange Jahre isoliert als Divertissement gezeigt wurde, als der Rest des Balletts bereits in Vergessenheit geraten war. 150 Jahre, nachdem das Werk in voller Länge vom Spielplan verschwunden war, wagte sich Pierre Lacotte im Jahr 2001 an eine Neufassung, in der er reine Tanzpassagen privilegierte – so fügte er beispielsweise männliche Soli für Lucien und den Zigeuner Iñigo ein – und die Pantomime deutlich reduzierte. Allerdings behielt er eine lange fast ausschließlich gespielte Szene am Ende des ersten Aktes bei, die den drei Hauptdarstellern Paquita, Lucien und Iñigo Gelegenheit bietet, ihr schauspielerisches Talent unter Beweis zu stellen. Die Musik stammt von Edmé-Marie-Ernest Delvedez, der die Partitur zu Maziliers Fassung schuf, sowie Ludwig Minkus, der zusätzliche Musik für Petipas längere Version komponierte.

Benjamin Millepieds Strategie, sehr junge Tänzer mit erfahrenen Etoiles zu vereinen, erwies sich auch in der „Paquita“-Zweitbesetzung als erfolgreich. Mit der erst vor kurzem zur Halbsolistin beförderten Hannah O’Neill, die bereits vor zwei Monaten als Odette/ Odile in „Schwanensee“ zu sehen war, und dem höchst souveränen Mathias Heymann brachte er zwei Virtuosen zusammen, die in ihrer jugendlichen Frische und Feuerwerkstechnik perfekt harmonierten. Die lebhafte, selbstbewusste O’Neill war inmitten temperamentvoller Zigeuner und beim schillernden adeligen Ball deutlich mehr in ihrem Element als am See der zerbrechlichen weißen Schwäne, und sie erstaunte durch eine Darbietung auf Etoile-Niveau. Von den bodennahen, flinken Soli des ersten Aktes, die sich an Charaktertänze annähern, bis zur ausladenden, lyrischen Petipa-Technik des Grand Pas meisterte die graziöse Tänzerin fast alle Schwierigkeiten scheinbar mühelos – so überflog sie zu Beginn ihrer Variation im 2. Akt geradezu die Bühne mit einer beeindruckenden Serie von Grand Jetés. Mathias Heymann übertraf sich selbst in einer sogar für den technisch makellosen Tänzer außergewöhnlichen Darbietung. Seine weichen Landungen in stets perfekter Position, seine präzise und blitzschnelle Fußarbeit, die Sicherheit seiner Pirouetten und vor allem die Weite und Leichtigkeit seiner Sprünge ließen die französische Technik in vollem Glanz aufleben. Das Trio der Hauptdarsteller wurde komplettiert durch Sébastien Bertaud als charismatischem Iñigo, der nach einem feurigen Solo zu Beginn die Komplottszene durch seine expressive Mimik dominierte.

Auch das Corps de Ballet zeigte sich in den – vor allem im zweiten Akt sehr ausführlichen – Gruppensequenzen in guter Form, unter anderem in einem Offizierstanz, der von dem vielversprechenden Halbsolisten Germain Louvet angeführt wurde. Luisa Spinatellis opulente Ausstattung bildete einen attraktiven Rahmen für diese exzellente Darbietung, die hoffentlich eine neue Blüte des klassischen Tanzes an der Pariser Oper ankündigt.

Veröffentlicht am 11.05.2015, von Julia Bührle in Homepage, Kritiken 2014/2015, Tanz im Text

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