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Stuttgart

LAUTER GEBURSTAGSPRÄSENTE

Der neue Tanzabend bei Gauthier Dance in Stuttgart zeigt acht Choreografien



„Infinity“ heißt die aktuelle Produktion, inspiriert von der liegenden Acht, dem Unendlichkeitszeichen. Und so versammelt der lange und ehrgeizige Theaterabend nicht weniger als acht unterschiedliche Stücke, darunter die Hälfte Uraufführungen.


  • Hans van Manens „Black Cake“ Foto © Regina Brocke
  • "The Black Painting“ von Nanine Linning Foto © Regina Brocke
  • Garratt & Charles Moulton mit „Infinite Sixes“ Foto © Regina Brocke

Mehr Rückenwind geht gerade nicht: Eric Gauthier, ehemaliger Startänzer des Stuttgarter Balletts, ist acht Jahre nach der Gründung des eigenen Ensembles am Theaterhaus Stuttgart voll auf Erfolgsspur. Ganz frisch mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet, konnte sich der Leiter von Gauthier Dance sogar eine Premieren-Terminüberschneidung mit dem neuesten Cranko-Abend am Staatstheater leisten, ohne um ein volles Haus fürchten zu müssen. Und sein erstes großes Festival für zeitgenössischen Tanz, „Colours“, steht schon in den Startlöchern.

„Infinity“ heißt die aktuelle Produktion, inspiriert von der liegenden Acht, dem Unendlichkeitszeichen. Und so versammelt der lange und ehrgeizige Theaterabend nicht weniger als acht unterschiedliche Stücke, darunter die Hälfte Uraufführungen. Zum Abschluss gibt es gar Hans van Manens „Black Cake“, eine außer Rand und Band geratene Geburtstagsfeier, die er eigentlich dem 30. Geburtstag von Nederlands Dans Theater (1989) gewidmet hat. Janice Garratt & Charles Moulton geben mit einer hollywoodreifen, rasanten Miniatur „Infinite Sixes“ den Ton an: So sieht es aus, wenn Ballett-Tänzer als Cheerleader-Group agieren.

Einen größeren stilistischen Bruch als den zur nächsten Uraufführung des Abends, „The Black Painting“ von Nanine Linning, kann man sich kaum denken. Inspiriert von einem Gemälde Francisco Goyas, der den eines seiner Kinder verschlingenden Titanen Kronos gemalt hat, zeichnete Nanine Linning zu gewichtigen melancholischen Klängen von Arvo Pärt ein verstörendes Bild bedrängter, zerstörter Unschuld. In Embryo-Haltung zusammengekrümmt wehren sich die fast nackt wirkenden Einzelnen gegen eine Gruppe maskierter Fabelwesen in schwarz glänzenden, skulptural ausladenden Kostümen – vergeblich.

Ansonsten war die Grundstimmung der Choreografien heiter bis witzig. Cayetano Soto, Hauschoreograf beim Ballett BC in Vancouver, choreografierte „CONRAZONCORAZN“, eine zackige augenzwinkernde Revue. Natürlich war auch das Paar-Thema dran: der Schwede Alexander Ekman steuerte seine von amüsanten Kommentaren begleitete Zeitraffer-Studie einer Liebesgeschichte mit Folgen bei („Two become Three“, 2011 für das New York City Ballet choreografiert). Ein wenig ernster schon nahm Johan Inger, wie sein Landsmann eng dem Nederlands Dans Theater verbunden, den Pas de Deux „Now and now“ (UA), in dem er Stationen einer langjährigen Beziehung überzeugend nachzeichnet. Eine höchst originelle Version des Paartanzes in der Vertikalen – sie auf seinen Schultern – entwarf der junge taiwanesische Choreograf Po-Cheng Tsai mit „Floating Flowers“ (2014 in Hongkong uraufgeführt). Vom Publikum freilich am meisten bejubelt wurde das Kabinettstückchen „PACOPEPEPLUTO“ (2011) für drei spärlich bekleidete Tänzer von Alejandro Cerrudo, dem Hauschoreografen von Hubbard Street Dance in Chicago. Die Herren durften zeigen, was sie so können – und das ist nicht eben wenig.

Veröffentlicht am 02.05.2015, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2014/2015, Tanz im Text

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