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Heidelberg

FLIEGEN DICHT ÜBER DEM BODEN

„Raumexperimente I“ mit dem UnterwegsTheater in der Heidelberger Hebelhalle



Die Heidelberger Hebelhalle gilt als eine der besten Spielstätten für zeitgenössischen Tanz in Baden-Württemberg. Mit dem neuen Programm „Raumexperimente I“ tritt Choreografin Jai Gonzales genau diesen Beweis an.


  • Jai Gonzales mit "Raumexperimente I" in der Heidelberger Hebelhalle Foto © UnterwegsTheater

Die Heidelberger Hebelhalle – ganz neu mit einer Art Kommandobrücke für Licht und Ton ausgestattet – gilt als eine der besten Spielstätten für zeitgenössischen Tanz in Baden-Württemberg. Mit dem neuen Programm „Raumexperimente I“ tritt Choreografin Jai Gonzales genau diesen Beweis an. Und mehr als das: Wenn der anderthalbstündige Abend vorbei ist, haben die Zuschauer sich einmal rund um die Halle bewegt, vielfach die Perspektive verändert und erst am Ende auf den gewohnten Stühlen Platz genommen. Was es zu sehen gibt, sind schon mal gezeigte und noch nie dagewesene Arbeiten von Jai Gonzales, neu zusammengemixt für den so vielfältigen Blick auf den so vielseitigen zeitgenössischen Tanz.

Eingangs spielt Claudia Pérez Inesta am Flügel John Cages „Lecture on Nothing“ und Jai Gonzales setzt eine ganz eigenständige Sicht auf Bedeutung und Bedeutungslosigkeit gegen die starke Behauptung der Musik. Auch die große musikalische Spannweite gehört zur choreografischen Vielfalt dieses Abends – zu den perlenden „Madrigales“ turnt die achtköpfige Truppe – alles vertraute Gesichter, längst so etwas wie eine eigene Company des UnterwegsTheaters – munter und kühn über die von Stühlen befreiten Stufen des Zuschauerpodestes. Elektronische Klänge rahmen die Arbeiten „Quintet“ und „Leben“ ein, letztere besticht durch ein intensives Trio am Ende.

Für ihre zentrale neue Choreografie hat sich Jai Gonzales ein weiteres musikalisches Schwergewicht ausgesucht: Maurice Ravels furiosen Abgesang auf die Wiener Walzerseligkeit, „La Valse“. Und nein, schwungvolle Drehungen im Dreivierteltakt sind ihr nicht zu dieser Musik eingefallen. Den nicht endenwollenden Schwung des Walzers übersetzt sie – ein genialer Kunstgriff – in die Bewegungen vier von der Decke herabhängender Schaukeln. Da wird nicht nur gewippt, geschaukelt und gesprungen, sondern am Ende liegen die Tänzer bäuchlings auf den Schaukelbrettern und vollführen eine regelrechte Trapeznummer – ganz dicht über dem Boden und trotzdem genauso spannend wie unter einer Zirkuskuppel. In den begeisterten Schlussapplaus mischten sich gar zaghafte „Da Capo“-Rufe. Dem kann geholfen werden: „Raumexperimente I“ steht noch bis einschließlich 22.3. auf dem Programm, ab dem 26.3. dann ein neuer Tanzabend „Raumexperimente II“ – „La Valse“ ist in beiden Programmen zu sehen.

Veröffentlicht am 20.03.2015, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2014/2015, Tanz im Text

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