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Leipzig / Dresden

TÄNZERISCHE KORRESPONDENZEN

Ein zweiteiliger "Rachmaninow"-Abend zum Gedenken an Uwe Scholz



Im November vor zehn Jahren starb Scholz. Er war nur 45 Jahre alt geworden. Als Chefchoreograf des Leipziger Balletts machte er die Kompanie weithin bekannt. Diese erinnert nun an Uwe Scholz und weist mit Mario Schröder die Zukunft.


  • Uwe Scholz' "Rachmaninow" am Leipziger Ballett Foto © Ida Zenna
  • Uwe Scholz' "Rachmaninow" am Leipziger Ballett Foto © Ida Zenna
  • Mario Schröders "Rachmaninow" am Leipziger Ballett Foto © Ida Zenna
  • Mario Schröders "Rachmaninow" am Leipziger Ballett Foto © Ida Zenna
  • Mario Schröders "Rachmaninow" am Leipziger Ballett Foto © Ida Zenna

Im November vor zehn Jahren starb der Choreograf Uwe Scholz. Er war nur 45 Jahre alt geworden. Von 1991 bis zu seinem Tod war er Chefchoreograf des Leipziger Balletts und machte die Kompanie weithin bekannt durch seine hier entstandenen Choreografien und Neueinstudierungen seiner Arbeiten aus früheren Zeiten.

Bevor Uwe Scholz nach Leipzig kam, war er von 1985 bis 1991 der bis dahin jüngste Chefchoreograf des Zürcher Balletts. Eine seiner bedeutenden Choreografien zum 3. Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow aus der Zürcher Zeit studierte er 1997 in neuer Fassung mit dem Leipziger Ballett ein, damals kamen die optischen Motive für den Bühnenraum und die Kostüme des russischen Malers Wassily Kandinsky hinzu. Diese Neufassung widmete Uwe Scholz der Leipziger Tänzerin Marina Otto. Mario Schröder gehörte damals zu den Solisten der Leipziger Neufassung. Seit 2010 ist nun Schröder wie damals Scholz Direktor und Chefchoreograf des Leipziger Balletts. Schröder hält das Andenken an Uwe Scholz lebendig. Er hat so anspruchsvolle Werke wie „Pax questuosa“ oder „Große Messe“ mit seiner Kompanie neu einstudiert und somit konstruktive Kontraste zu seinen eigenen Kreationen für Leipzig setzten können. In diesem Sinne darf man auch die aktuelle Premiere verstehen. Der Choreografie von Uwe Scholz zum dritten Klavierkonzert von Rachmaninow folgte eine choreografische Uraufführung von Mario Schröder zum zweiten Klavierkonzert von Rachmaninow.

Uwe Scholz' Kreation aus dem Jahre 1987 ist eine seiner großartigsten Arbeiten, deren Faszination darin besteht, dass hier - so absurd das klingen mag - Musik sichtbar und Tanz hörbar werden. Es gibt weder eine Handlung noch folgt der Tanz der Musik illustrierend. Vielmehr werden die Zuschauer dazu verführt, optische Dimensionen des Klanges über die Bewegungen der Körper wahrzunehmen. Und dies, ganz im Sinne der Musik, mit berührenden Bildern bewegter Poesie. Tanz und Musik verschmelzen in höchst konzentrierter Innigkeit: Solisten, Duette, Trios, die ganze Kompanie - alles bewegt sich in fließenden Übergängen, zum spätromantischen Strom der Musik. Die Choreografie verlangt ein hohes Maß an Souveränität in so gut wie allen Traditionen neoklassischer Tanzkunst, hinzu kommen Einflüsse der Tanzmoderne des 20. Jahrhunderts. Die Meisterleistung der Leipziger Kompanie und der mitwirkenden Studierenden der Staatlichen Ballettschule Berlin liegt aber darin, technisches Können nicht losgelöst von Individualität und Emotion zu präsentieren. Sonst gäbe es sie nämlich nicht, diese konzentrierte Innigkeit, die am Ende beide Choreografien des Abends auszeichnet und verbindet.

Mit besonderer Spannung hatte man Mario Schröders choreografische Uraufführung zum zweiten Klavierkonzert, c-Moll, op. 18, von Rachmaninow erwartet. Bei ihm wird auf blanken Sohlen getanzt, allerdings spitzenmäßig, mit so herzlichen wie dankbaren Grüßen an Uwe Scholz. Bei aller Unterschiedlichkeit zu ihm, Mario Schröder schockt nicht mit verstörender Konkurrenz. Er zieht das Publikum auf seine Weise in den Bann durch die Kraft seiner beflügelnden, tänzerischen Korrespondenzen. Es geht um Balancen, Vergänglichkeit und Heimat. Und bei aller Abstraktion öffnet diese Kreation doch sehr schnell die assoziativen Bilddateien in unseren Köpfen. Schröders konzentrierte Abfolge tänzerischer Bilder ist eindringlich und zeigt heimatlose Wanderer, die zunächst in schweren Mänteln die Bühne betreten und in solche gehüllt sie auch wieder verlassen. Die regelrechte „Lichtchoreografie“ von Paul Zoller unterstützt dies. Eine solche Lichtkunst kann der leeren Bühne kosmische Dimensionen geben, Tänzer in schmerzhafte Verlorenheit führen, um sie dann wieder mit einem Schutz aus Licht zu bergen und zu umgeben. Das Premierenpublikum feierte diesen Abend für den Tanz im Geist der Musik euphorisch.

Veröffentlicht am 02.12.2014, von Boris Michael Gruhl in Homepage, Kritiken 2014/2015, Tanz im Text

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