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Mainz

UNTERWEGS MIT DER ROTEN HORDE

„My Private Odyssey“ eröffnet die Mainzer Tanzsaison



Das neue „tanzmainz“ bekennt Farbe: Es ist eine dramatische rote Horde, die das Choreografen-Duo Guy Weizmann & Roni Haver als erste Eigenproduktion der ganz neu strukturierten Tanzsparte am Staatstheater auf die Bühnen-Reise schickt.


  • "My Private Odyssey" am Staatstheater Mainz Foto © Andreas J. Etter
  • "My Private Odyssey" am Staatstheater Mainz Foto © Andreas J. Etter
  • "My Private Odyssey" am Staatstheater Mainz Foto © Andreas J. Etter

Das neue „tanzmainz“ bekennt Farbe: Es ist eine dramatische rote Horde, die das Choreografen-Duo Guy Weizmann & Roni Haver als erste Eigenproduktion der ganz neu strukturierten Tanzsparte am Staatstheater auf die Bühnen-Reise schickt: dreizehn mal roter Lagenlook, geschichtet von schicken Fetzen bis zu Uniformteilen, von sexy Lederlook bis zum prächtigen Uniform-Mantel (Kostüme: Slana Martinovic). Alles dabei in „My private Odyssey“, von dem das israelstämmige, in Groningen beheimatete Choreografen-Duo eindringlich zu erzählen weiß.

Fünf Tänzer gehören zum neuen Mainzer Inventar, fünf zum „Club Guy & Roni“, und die drei Musikerinnen agieren mittendrin. Kooperation ist überhaupt das Stichwort, unter dem der neue Leiter der Mainzer Tanzsparte, Honne Dohrmann, angetreten ist: selbst kein Choreograf, versteht er sich als Netzwerker und Produzent, gerne in Verbindung mit der freien Szene. So fungiert Guy Weizmann aktuell als Mainzer „choreographer in residence“, dafür darf sein Stück auch ausführlich durch die Niederlande touren.

Auf diese Weise kriegt man Geld zusammen für eine aufwändige Produktion, in der sichtlich nicht gespart wurde: Die Bühne (Ascon de Nnijs) mit hängenden geometrischen Versatzteilen, von beiden Seiten schräg aufeinander zulaufend, wird mit Hilfe der Videoprojektionen von WERC und der Beleuchtungsraffinessen von Wil Frikken zum phantastisch bewegten Schiffsbug, dem Pfeile die Richtung zeigen, bevor sie in ungewisse Muster zerfallen. Zusammengehalten wird die Bühnenreise von der Stimme eines zeitgenössischen Odysseus vom Band (Text von Ko van den Bosch; deutsche Textfassung von Honne Dohrmann), der die altbekannte Geschichte mit modernem Lebensgefühl interpretiert: schön zwiespältig mit allen Ängsten und Zweifeln, Dramen und Hoffnungen. An den mehrfach postierten Mikros wechseln sich die Tänzer in der optischen Sprecherrolle ab, bis klar ist: Jeder ist hier sein eigener Odysseus. Der Staffelstab der Reise wird einfach weitergegeben.

Im Spotlight taucht hier und da ein einzelner Tänzer aus dem Beinahedunkel auf und beginnt, mit dem Körper zu erzählen. Es sind raue, klare Bewegungen, die den Choreografen in den Niederlanden schon zu einigen Preisen verholfen hat, und die sich hier in individuellen Ausbrüchen, unverhofften Begegnungen und wogenden Ensembleszenen ausprägen. Die Musik von David Dramm tut das ihre, um ja keine Zweifel über das emotionale Geschehen aufkommen zu lassen: Die gelegentlich bis an die akustische Schmerzgrenze verstärkten Instrumente (Geige, Querflöte, Klavier) verstärken den phantastischen Fühlraum. So stimmig das Ganze dann auch ausfällt – der Tanz ist in diesem text- und tonlastigen Konzept nur ein Rädchen unter vielen.

Nach der etwas glücklosen Touzeau-Ära, die zuletzt geprägt war vom hastigen Haschen nach dem Publikumserfolg, muss sich die dritte Sparte in Mainz ganz neu aufstellen; die Reaktion der Premierenbesucher stimmte zumindest hoffnungsvoll.

Weitere Vorstellungen: 18. und 27.10.; 2., 9., 15. und 22.11.; 7.12.

Veröffentlicht am 16.10.2014, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2014/2015, Tanz im Text

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