HOMEPAGE



Dresden

ABSCHIEDSGESCHENK IM ZWISCHENRAUM

Forsythes „Study #3“ feierte in Dresden Deutschlandpremiere



Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste Dresden bleibt nach monatelangem Gerangel feste Wirkungsstätte der Company. Trotzdem bleibt der Gedanke vom Anfang des Endes. In dieser Arbeit ganz besonders.


  • William Forsythes "Study #3" in Hellerau Foto © Umberto Favretto
  • William Forsythes "Study #3" in Hellerau Foto © Umberto Favretto
  • William Forsythes "Study #3" in Hellerau Foto © Umberto Favretto

Es ist nicht ganz einfach, Forsythes Arbeit von 2012 in dessen Repertoire einzuordnen. Weil sie so einfach ist. Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste Dresden bleibt nach monatelangem Gerangel feste Wirkungsstätte der Company. Trotzdem bleibt der Gedanke vom Anfang des Endes. In dieser Arbeit ganz besonders.

Die Bühne ist wie immer stark reduziert, aber selbst mit dem Licht wird nicht gespielt. Simple, einfarbige Stimmungen, die die weißen Wände des Saales sanft einfärben. Zu Beginn stürmt das Ensemble die Bühne, nimmt den Tanzboden in gewohnter Souveränität für sich ein, begleitet von Thom Willems' typischen elektronischen Loops, die hier fast wie rückwärts ablaufend klingen. David Kern steht mit Gitarre am Mikrofon, selbstversunken, und gibt das bekannte Gebrabbel von sich. Alles wie immer.

Was Forsythe hier vorlegt, sind Selbstzitate aus alten Arbeiten. Auch Willems greift mit seiner Musik in die eigene „Mottenkiste“. Da sind beispielsweise die typischen Klänge, die „The Loss of Small Detail“ so unverkennbar gemacht haben.

Und die Tänzer? Sie machen das, was sie immer machen. Sie tanzen. Mehr nicht. Es geht in dieser Arbeit um nichts. Es sind Puzzle-Teile, die lose aneinandergereiht, keine Dramaturgie ergeben. Trotzdem vermisst man keine Dramaturgie. Das Ganze ist wie ein Geschenk Forsythes an sich selbst. Und für seine Tänzer. Die einzelnen Szenen zeigen vor allem eins: die so gewohnte wie geschätzte Virtuosität der Tänzer. Sie zeigen einfach, was sie können. Da ist keine tiefe Reflexion mehr. Die Komplexität ist weg, was bleibt, sind die reinen Bewegungen. Es hat den Anschein, als tanzte jedes Ensemblemitglied ganz für sich. Trotzdem gerinnt das Stück nicht zur Nabelschau. Es ist eher wie ein Innehalten innerhalb des Schaffensprozesses von Forsythe, ganz ohne Ausrufungszeichen. Fast wie ein Loslassen.

Jone San Martin am Mikrofon wird irgendwann immer leiser. Nur noch zwei Tänzer sind auf der Bühne. Sie halten in ihren Bewegungen inne und wundern sich sichtbar darüber, dass unerwartet, ganz langsam, das Licht ausgeht.

Jetzt steht die nächste Etappe bevor. Nach Forsythes Abgang als künstlerischer Kopf der Company führt das langjährige Ensemblemitglied Christopher Roman noch für die Dauer dieser Spielzeit als stellvertretender künstlerischer Leiter die tänzerischen Geschicke, bis 2015/16 Jacobo Godani das Zepter übernimmt. Damit befindet sich die Company in einer Art Zwischenraum. Was danach kommt, ist noch nicht sichtbar.

Weitere Vorstellungen: 12.-14., 17.-20. September 2014

Veröffentlicht am 12.09.2014, von Rico Stehfest in Homepage, Kritiken 2014/2015, Tanz im Text

Dieser Artikel wurde 1731 mal angesehen.



Kommentare zu "Abschiedsgeschenk im Zwischenraum"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    AKTUELLE NEWS


    TO WHOM IT MAY CONCERN

    Adolphe Binder reagiert in einem offenen Brief auf ihre Entlassung
    Veröffentlicht am 14.07.2018, von tanznetz.de Redaktion


    ESKALATION AM TANZTHEATER WUPPERTAL

    Intendantin Adolphe Binder entlassen, Geschäftsführer Dirk Hesse hört zum Jahresende ebenfalls auf
    Veröffentlicht am 13.07.2018, von tanznetz.de Redaktion


    JURY DER TANZPLATTFORM STEHT

    Die Auswahl für 2020 kann beginnen
    Veröffentlicht am 05.07.2018, von tanznetz.de Redaktion



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    EXODOS

    Uraufführung von Sasha Waltz am 23. August, weitere Vorstellungen am 24., 25. und 26. August 2018 im Berliner Radialsystem.

    Im Jahr des 25. Jubiläums der Compagnie Sasha Waltz & Guests feiert Sasha Waltz’ Neukreation EΞΟΔΟΣ I Exodos Uraufführung. Am Montag, den 25. Juni 2018 beginnt der Vorverkauf für die Premiere.

    Veröffentlicht am 25.06.2018, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

    „Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
    Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


    LETZTER WALZER IN STUTTGART

    Alicia Amatriain tanzte 2003 in „Lulu“ die Titelrolle – und jetzt erneut 2018
    Veröffentlicht am 18.06.2018, von Marlies Strech


    MOSAIK DER BEWEGUNG

    Richard Siegals Ballet of Difference mit "On Body" in der Münchner Muffathalle
    Veröffentlicht am 05.03.2018, von Miriam Althammer

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    RAUM, KLANG, TANZ

    Initiation der Elbphilharmonie-Foyers mit Sasha Waltz & Guests' „Figure Humaine“

    Veröffentlicht am 02.01.2017, von Annette Bopp


    ESKALATION AM TANZTHEATER WUPPERTAL

    Intendantin Adolphe Binder entlassen, Geschäftsführer Dirk Hesse hört zum Jahresende ebenfalls auf

    Veröffentlicht am 13.07.2018, von tanznetz.de Redaktion


    TO WHOM IT MAY CONCERN

    Adolphe Binder reagiert in einem offenen Brief auf ihre Entlassung

    Veröffentlicht am 14.07.2018, von tanznetz.de Redaktion


    GROßE GALA

    Viel Dank für Reid Anderson in Stuttgart

    Veröffentlicht am 26.07.2018, von Boris Michael Gruhl


    HELLMUTH MATIASEK FEIERT HEUTE SEINEN 85.GEBURTSTAG

    Pick bloggt über seinen langjährigen Intendanten Hellmuth Matiasek und reist in Gedanken von Rosenheim bis nach Japan

    Veröffentlicht am 15.05.2016, von Günter Pick



    BEI UNS IM SHOP