HOMEPAGE



Frankfurt a. M.

MIT GROOVE

Alvin Ailey Dance Theater startet diesjährige Sommertournee



Da sind sie wieder einmal in's alte Europa gekommen, die Botschafter des schwarzamerikanischen Tanzes. Den Großen Saal der Alten Oper Frankfurt füllt das „Alvin Ailey Dance Theater“ gleich an vier Abenden.


  • Alvin Aileys Kompanie gastiert in der Alten Oper Frankfurt Foto © Paul Konik
  • Alvin Aileys Kompanie gastiert in der Alten Oper Frankfurt Foto © Paul Konik
  • Alvin Aileys Kompanie gastiert in der Alten Oper Frankfurt Foto © Paul Konik

Da sind sie wieder einmal in's alte Europa gekommen, die Botschafter des schwarzamerikanischen Tanzes. Den Großen Saal der Alten Oper Frankfurt füllt das „Alvin Ailey Dance Theater“ gleich an vier Abenden. Der Name ist längst Programm geworden und zieht auch diejenigen an, die mit deutschem Bühnentanz wenig bis gar nichts anfangen können. Ein Gutteil der Anziehungskraft verdankt sich der Musikauswahl, die beinahe vollständig aus dem Bereich Gospel und Blues stammt, auch den souligen Jazz miteinbezieht, mittlerweile bis zur zeitgenössischen Variation eines Gospel-House-Soundtracks reicht. Und das so richtig laut.

Dementsprechend sind die Bewegungen. Für Alvin Ailey selbst war es die Verbindung zwischen dem klassischen Ballett, Modern Dance und dem afrikanischen Tanz. Sein Ensemble gründete er 1958 - es sei in Erinnerung gerufen: in einer Zeit, in der die US-Gesellschaft noch die strikte Rassentrennung lebte, in der schwarze Tänzer kaum eine Chance auf Mitgliedschaft in Tanzkompanien hatten. Sein zum Klassiker gewordenes Stück „Revelations“ (1960) zu traditionellen Spirituals wird bis heute von den „Alvin Aileys“ getanzt und bildet den Abschluss der meisten Tourabende; so auch in Frankfurt. Doch aufgemerkt: die Sommertour durch Deutschland, Schweiz und Dänemark bietet an einigen Orten auch ein anderes Programm an.

Die konsequente Weiterentwicklung des Aileyschen Ansatzes wird in „Grace“ (1999) von Ronald K. Brown deutlich. Auch in diesen Tanzstück geht es um die Spannung zwischen Spiritualität und menschlichem Alltagsverhalten. Allerdings ist für den deutschen Geschmack die Lobpreisung Gottes etwas sehr dick aufgetragen. Das ist nicht mehr die Lebenswelt in einem Westeuropa nach der Aufklärung. Der Tanzstil bleibt ähnlich, wenn auch wesentlich schneller, da angetrieben durch kraftvolle Beats von Afro-Pop. Und dann war da noch das beeindruckende, fast intime Solo, das Robert Battle 2008 für den Tänzer Samuel Lee Roberts geschaffen hat und ins Repertoire des AAADT aufgenommen wurde: „In/Side“ zu Nina Simones Interpretation von „Wild is the Wind“. Witzig ist es bei aller tänzerischen Perfektion auch noch.

Eine Deutschlandpremiere bot das AAADT mit „Home“ (2011) von Rennie Harris, der im Programmheft als Hip-Hop-Choreograf vorgestellt wird. Harris arbeitete bereits 2004 mit der Ailey-Nachfolgerin Judith Jamison und dem heutigen Kompaniedirektor Robert Battle zusammen. Mit „Home“ bietet er ein wirklich aktuelles Tanzstück, in dem die Tänzer und Tänzerinnen zum pulsierenden Gospel-House-Soundtrack (Dennis Ferrer, Raphael Xavier) unentwegt in Bewegung sind. Die verschiedenen Formen des Robot-, Zeitlupen-, Isolations- und Street-Dance geben dem Ganzen ein mitreißendes, allein beim Zuschauen atemlos machendes Gepräge. Dass sie auch noch eine Geschichte erzählen, vom Leben mit und dem Kampf gegen AIDS, ist fast Nebensache. Die haben einfach den Groove!

In Frankfurt noch bis 6. Juli, weitere Tourdaten siehe www.alvinailey.org

Veröffentlicht am 04.07.2014, von Dagmar Klein in Homepage, Tanz im Text, Kritiken 2013/2014

Dieser Artikel wurde 1920 mal angesehen.



Kommentare zu "Mit Groove"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    AKTUELLE KRITIKEN


    UNTER „RIVERS“ GURGELT DIE DONAU

    Regensburger "CiRR – Choreographers in Residence Program"
    Veröffentlicht am 16.07.2018, von Michael Scheiner


    TANZ DER EINSAMKEIT

    "La Strada" im Gärtnerplatztheater München
    Veröffentlicht am 15.07.2018, von Boris Michael Gruhl


    GRANDIOSER AUFTAKT

    Die Kibbutz Dance Company 2 eröffnet das Münchner Festival THINK BIG! für junges Publikum im Muffatwerk
    Veröffentlicht am 14.07.2018, von Boris Michael Gruhl



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    HOFESH SHECHTER COMPANY - GRAND FINALE

    Grand Finale kommt am 6.&7. September im Rahmen einer großen Welttournee in die Münchner Muffathalle.

    Grand Finale zeigt uns eine Welt im freien Fall, in der sich die Menschheit durch surreale Szenen und Emotionen auf ihren eigenen Endpunkt zubewegt. Mythisch und elementar, Shechters Vision ist zugleich komisch, düster und schön.

    Veröffentlicht am 20.06.2018, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

    „Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
    Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


    LETZTER WALZER IN STUTTGART

    Alicia Amatriain tanzte 2003 in „Lulu“ die Titelrolle – und jetzt erneut 2018
    Veröffentlicht am 18.06.2018, von Marlies Strech


    MOSAIK DER BEWEGUNG

    Richard Siegals Ballet of Difference mit "On Body" in der Münchner Muffathalle
    Veröffentlicht am 05.03.2018, von Miriam Althammer

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    ESKALATION AM TANZTHEATER WUPPERTAL

    Intendantin Adolphe Binder entlassen, Geschäftsführer Dirk Hesse hört zum Jahresende ebenfalls auf

    Veröffentlicht am 13.07.2018, von tanznetz.de Redaktion


    ACCESS TO DANCE



    Veröffentlicht am 03.05.2013, von tanznetz.de Redaktion


    TO WHOM IT MAY CONCERN

    Adolphe Binder reagiert in einem offenen Brief auf ihre Entlassung

    Veröffentlicht am 14.07.2018, von tanznetz.de Redaktion


    NACH REIFLICHER ÜBERLEGUNG

    Martin Schläpfer zum neuen Direktor des Wiener Staatsballetts berufen

    Veröffentlicht am 22.06.2018, von Pressetext


    VON GANZEM HERZEN ENTERTAINER

    Ben Van Cauwenbergh feiert Jubiläum

    Veröffentlicht am 17.06.2018, von Marieluise Jeitschko



    BEI UNS IM SHOP