HOMEPAGE



Münster

TANZT, SONST SIND WIR VERLOREN

2. Benefiz-Tanzgala zu Gunsten der AidsHilfe Münster e.V.



Wo bei Galas andernorts, zumal in Häusern mit klassischer Kompanie, Paradebeispiele höchster Virtuosität zu Jubelstürmen hinreißen, setzen kleinere Häuser eher auf einen bunten Strauß unterhaltsamer Kostproben aus der Vielfalt zeitgenössischen Tanzes.


  • "HoMaHo" von Hans Henning Paar mit dem Tanzensemble des Theater Münster Foto © Sarah Koska
  • "In the middle..." von William Forsythe mit Courtney Richardson und Oleg Klymyuk vom Semperoper Ballett Foto © Sarah Koska
  • "In the middle..." von William Forsythe mit Courtney Richardson und Oleg Klymyuk vom Semperoper Ballett Foto © Sarah Koska
  • "Lass mich deinen Mund küssen" von Hans Henning Paar mit Sandra GuÇrin und Cornelius Michel vom Theater Münster Foto © Sarah Koska

Für die mittlerweile an vielen deutschen Theatern zum Welt-Aids-Tag traditionellen Benefiz-Galas könnte das Zitat gelten, das Wim Wenders seinem "Pina"-Film als Untertitel gab: "Tanzt, sonst sind wir verloren". Ganz sicher wird die Tanzgala zu Gunsten der Aids-Hilfe auch in Münster zur Tradition werden, wenn auch nicht am 1. Dezember. Schon jetzt steht fest: nach dem 14.6.14 folgt sie am 15.6.15 im Großen Haus des Stadttheaters und wird sicher wieder Wochen vorher ausverkauft sein. Mutig und mit einem Augenzwinkern hat Hans Henning Paar die 2. Folge ans Ende der Spielzeit auf ein einprägsames Datum gerückt - wenn die meisten Premieren schon geschafft sind und Tänzer von den Ballettdirektoren leichter frei gestellt werden können. Wie sehr die Münsteraner dieses Event schätzen, demonstrierten sie gestern wieder mit Minuten langen Ovationen.

Wo bei Galas andernorts, zumal in Häusern mit klassischer Kompanie, Paradebeispiele höchster Virtuosität zu Jubelstürmen hinreißen, setzen kleinere Häuser eher auf einen bunten Strauß unterhaltsamer Kostproben aus der Vielfalt zeitgenössischen Tanzes. Neoklassisch wurde es nur zweimal: die zauberhaft grazile und federleicht schwebende Igone de Jongh und Casey Herd von Amsterdams Het National Ballet präsentierten die Balkonszene aus Prokofieffs "Romeo und Julia" in der nicht eben neuen Choreografie Rudi van Dantzigs. Technisch am anspruchsvollsten war sicher der Ausschnitt aus William Forsythes "In the Middle, Somewhat Elevated", akkurat getanzt von Courtney Richardson und Oleg Klymyuk vom Semperoper Ballett.

Die Verflechtungen von Körpern, ihr Zerfließen und Wiedervereinen zu bewegten Skulpturen aus Stephan Thoss' "Loops and Lines" zeigten mit jugendlichem Engagement Valeria Lampadova, Ayumi Sagawa, Frank Pedersen und Florian Teatiu aus Wiesbaden. Das Bayerische Staatsballett II entsandte Gianmarco Romano und Florian Sollfrank mit einem Pas de deux aus Ralf Jaroschinskis "Intuition blast" - eine virtuose Lachnummer, die staunen und lachen machte.

Wie hart sich mancher Mensch mit Regeln tut, stellte der Italiener Simone Deriu in seinem Solo aus "Regula" urkomisch dar. Mit zwei Pas de deux (aus "Ausschnitte" des Brasilianers Henrique Rodovalho und "Voices" seines Landsmanns Ricardo Fernando) beeindruckte Ana Rocha Nené mit Brendan Feeney bzw. Huy Tien Tran vom Ballett Hagen.

Den Rahmen füllten, wie bei der vorjährigen Gala, Hans Henning Paars Münstersche Tänzer: von edlem Raffinement glitzert der sehr geschmeidige Pas de trois "Threesome" mit Maria Bayarri Pérez, Vladimir de Freitas Rosa und Marcelo Moraes. Mit dem köstlichen Rausschmeißer "HoMaHo" - einer tapsig-witzigen Neandertaler-Nummer aus seiner Kasseler Zeit - begeisterte Paar als Entertainer. Noch hinreißender allerdings war das Solo für Marcelo Moraes, die zweite Uraufführung für diesen Abend, als "Sterbender Schwan." Höhepunkt des Programms war, für mich jedenfalls, Paars Salome-Paraphrase "Lass mich deinen Mund küssen!" geflüsterte Texte aus Oscar Wildes Tragödie zu Arvo Pärts "Fratres" mit der langbeinigen Sandra Guénin (Salome) und dem geheimnisvollen Cornelius Mickel (Prophet Jochanaan). Was für eine reiche tänzerische und choreografische Vielfalt! Die beiden Schauspieler Dennis Laubenthal und Christoph Rinke führten kabarettistisch durch das Programm.

Veröffentlicht am 15.06.2014, von Marieluise Jeitschko in Homepage, Kritiken 2013/2014, Tanz im Text

Dieser Artikel wurde 3170 mal angesehen.



Kommentare zu "Tanzt, sonst sind wir verloren"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    AKTUELLE KRITIKEN


    GESTERN, HEUTE, MORGEN

    „All Our Yesterdays“ von John Neumeier zu Musik von Gustav Mahler wurde jetzt beim Hamburg Ballett wiederaufgenommen
    Veröffentlicht am 22.02.2019, von Annette Bopp


    KONZENTRATION AUF PURE BEWEGUNG

    Getanzte Bauhaus-Ideen: „Reconstruction“ von Jai Gonzales in der Hebelhalle Heidelberg
    Veröffentlicht am 22.02.2019, von Isabelle von Neumann-Cosel


    TANZ MUSS EINE NACHVOLLZIEHBARE LOGIK HABEN

    „Er… Sie… und andere Geschichten“ von Renate Graziadei und Arthur Stäldi
    Veröffentlicht am 22.02.2019, von Volkmar Draeger



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    RAUSCHEN VON SASHA WALTZ & GUESTS

    Uraufführung am 7. März 2019 in der Volksbühne Berlin

    In ihrem neuen Projekt in Koproduktion mit der Volksbühne Berlin beschäftigt sich Sasha Waltz mit einer Gesellschaft, der in den Kulissen ihres perfekten Lebensraumes die Welt abhanden gekommen ist.

    Veröffentlicht am 01.02.2019, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ENGAGEMENT VERLOREN

    Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper
    Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion


    RAUSCHEN VON SASHA WALTZ & GUESTS

    Uraufführung am 7. März 2019 in der Volksbühne Berlin
    Veröffentlicht am 01.02.2019, von Anzeige


    EISENACHS BALLETT BESPIELT AUCH DAS MEININGER STAATSTHEATER

    „Verschwundenes Bild“ von Andris Plucis forscht dem Alltagsleben in der DDR nach
    Veröffentlicht am 07.02.2019, von Volkmar Draeger

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    RAUM, KLANG, TANZ

    Initiation der Elbphilharmonie-Foyers mit Sasha Waltz & Guests' „Figure Humaine“

    Veröffentlicht am 02.01.2017, von Annette Bopp


    ABSCHIED VON JEAN CÉBRON

    Der Tänzer, Choreograf und Pädagoge verstarb am 1. Februar

    Veröffentlicht am 02.02.2019, von tanznetz.de Redaktion


    "DIE CHANCE DES THEATERS LIEGT IM ALTEN"

    Interview mit Marco Goecke

    Veröffentlicht am 04.02.2019, von Alexandra Karabelas


    SPIEGEL DER GESELLSCHAFT

    "1980 – ein Stück von Pina Bausch" in der Hamburger Kampnagelfabrik

    Veröffentlicht am 27.01.2019, von Annette Bopp


    HELLMUTH MATIASEK FEIERT HEUTE SEINEN 85.GEBURTSTAG

    Pick bloggt über seinen langjährigen Intendanten Hellmuth Matiasek und reist in Gedanken von Rosenheim bis nach Japan

    Veröffentlicht am 15.05.2016, von Günter Pick



    BEI UNS IM SHOP