VORANKÜNDIGUNGEN



München

FAST EIN BISSCHEN FINNISCH

Der Choreograf Jo Strømgren im Interview



Der international gefragte Norweger, Jahrgang 1970, kombiniert in seinen Stücken Tanz, live Musik, Nonsense-Sprache und Puppentheater. Jetzt choreografiert er zum ersten Mal für das Tanzensemble des Münchner Gärtnerplatztheaters: Sein „Arsen – Ein Rokokothriller“


  • Jo Strømgren bei den Proben zu "Arsen - Ein Rokokothriller" Foto © Lioba Schöneck
  • Jo Strømgren bei den Proben zu "Arsen - Ein Rokokothriller" Foto © Lioba Schöneck

Der international gefragte Norweger Jo Strømgren, Jahrgang 1970, kombiniert in seinen Stücken Tanz, live Musik, Nonsense-Sprache und Puppentheater. Jetzt choreografiert er zum ersten Mal für das Tanzensemble des Münchner Gärtnerplatztheaters: Sein „Arsen – Ein Rokokothriller“, zu Streicher-Werken von Albinoni, Corelli, Vivaldi und Biber, hat am 20. März im Münchner Cuvilliéstheater Premiere. Malve Gradinger traf Stromgren vorab zum Gespräch.

Warum „Arsen – Ein Rokoko-Thriller“?

Ich mache meine Stücke immer in Bezug auf das Land, beziehungsweise den Ort, wo sie zur Aufführung kommen. Das Münchner Cuvilliés, das Kurfürst Maximilian III. Joseph Mitte des 18. Jahrhunderts erbauen ließ – er kommt auch im Stück vor – ist Deutschlands bedeutendstes Rokoko-Theater. Und Arsen? Das wurde damals in kleinen Dosen genommen, weil es als gesund galt. Auch, um sich gegen Vergiftungen immun zu machen. Die Kostüme sind entsprechend im Rokoko-Stil gehalten... Aber ähnlich wie George Orwells „Animal Farm“ imgrunde ein Buch über politische Verhältnisse ist, sage ich eigentlich etwas über unsere heutige Zeit. Ich benutze dazu auch Texte. Auf der Oberfläche ist das Stück ein Agatha Christi. Dahinter reflektiere ich kritisch die verschiedenen Standpunkte von Ländern wie Rumänien, Ungarn, Liechtenstein, Schottland und Österreich.

Sie sind ja auch berüchtigt für Ihren skurrilen Humor...

Ja, wir Skandinavier haben immer viel Spaß. Die Finnen haben einen noch ausgefuchsteren Humor. Und in diesem Psychothriller versuche ich, fast ein bisschen finnisch zu sein.

Sie haben zwar Tanz an der Akademie in Oslo studiert, aber keinen Abschluss gemacht und gelten generell als skeptisch gegenüber akademischen Methoden…

Durch meinen Vater, er war Marinebiologe, sind meine drei Brüder und ich im norwegischen Trondheim, aber auch in Thailand, Sri Lanka, Kalifornien, Marokko und Mexiko aufgewachsen. Unterricht bekamen wir am Strand, von unserer Mutter. Sie war Lehrerin. Ich habe schon als Kind gelernt, dass das eigene Land nicht das Zentrum der Welt ist. War früh politisch interessiert. Und mein Vater gab mir den Rat „Sei dein eigener Boss“.

Bis jetzt haben sie mit ihrer Stromgren Kompani 45 Länder bereist, für freie Gruppen und große Häuser zwischen Oslo, Stockholm, Straßburg und Wien Stücke choreografiert, nebenbei auch für Musical und Oper. Außerdem sind Sie Autor von zehn Theaterstücken, führen Regie und machen Filme. Wie schaffen Sie dieses Pensum?

Ich gehe nicht auf Cocktailparties, verschwende keine Zeit mit Kontakt- und Imagepflege. Und ich bin gelassener als viele Kollegen, die immer schon vorab Angst haben, ihr Stück könnte durchfallen. Das kostet wahnsinnig Energie – und die spare ich mir für die Arbeit selbst.

Premiere am 20. März, 19 Uhr 30, Cuvilliéstheater. Tel 089/ 2185 – 60

Veröffentlicht am 16.03.2014, von Malve Gradinger in Vorankündigungen

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Kommentare zu "Fast ein bisschen finnisch"



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