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Heidelberg

HEIDELBERG AUF DEN BEINEN

Mit dem Bürgerprojekt „HD moves“ wurde die erste Tanzbiennale eröffnet



Was bei diesem Schulterschluss herauskommen kann? Eine neue Euphorie für den Tanz, die selbst auf den Gemeinderat übergegriffen hat. Es gab Geld für ein neues Choreographisches Centrum und eine Tanzbiennale.


  • Die erste Tanzbiennale in Heidelberg Foto © Theater Heidelberg

Vielleicht ist es unfair, Stadttheater und die freie Szene mit David und Goliath zu vergleichen. Aber zumindest die Größenverhältnisse stimmen, und ähnlich unwahrscheinlich wie im biblischen Fall ist es, dass beim direkten Aufeinandertreffen der Kleine die Oberhand behält; Ausnahmen bestätigen eher die Regel. Statt ungleicher Konkurrenz setzt man in Heidelberg stattdessen auf Kooperation: das Stadttheater in Gestalt von Intendant Holger Schulze und seiner jungen niederländischen Tanzcompagnie-Chefin Nanine Linning haben gemeinsame Sache mit Bernhard Fauser und Jai Gonzales gemacht. Die beiden haben seit über 20 Jahren für einen beständigen Anschluss Heidelbergs an die internationale Tanzszene gesorgt; seit zwei Jahren steht ihnen mit der Hebelhalle die vielleicht beste baden-württembergische Spielstätte für zeitgenössischen Tanz zur Verfügung.

Was bei diesem Schulterschluss herauskommen kann? In Heidelberg jedenfalls eine neue Euphorie für den Tanz, die selbst auf den Gemeinderat übergegriffen hat. Es gab Geld für ein neues Choreographisches Centrum und eine Tanzbiennale, die den neuen Rückenwind für den Tanz auch ins Publikum pusten soll.

Den Auftakt der Tanzbiennale machte eine Veranstaltung, die den Synergieeffekt von Stadttheater und freier Szene bestens demonstrierte: das Bürgerprojekt „HD moves“. Das Theater öffnete für ein Wochenende das neue Haus mit vielen sonst verschlossenen Türen. Bernhard Fauser, hervorragender Kenner der regionalen Tanzszene mit Erfahrung in Inszenierungen in ungewöhnlichen Räumen, besorgte ein passendes Konzept und dessen nicht ganz einfache Umsetzung. 10 Heidelberger Stadtteile, 10 regionale Choreografen, 10 Projekte mit Laien vor Ort, 10 Spielorte im Theater, 10 Minuten Zeit: das waren die Vorgaben. Das Ergebnis war ein spannender 100-Minuten-Parcours durchs Theater, der am Eröffnungswochenende mehrfach absolviert werden konnte – und vom Publikum begeistert angenommen wurde.

Klappen konnte das natürlich nur, weil es tatsächlich eine rege Tanzszene im Rhein-Neckar-Raum gibt, mit vielen Verbindungen zum UnterwegTheater. Aki Kato beispielsweise, zu Philippe Talards Zeiten gefeierte Solistin im Nationaltheater Mannheim, tanze in dieser Zeit regelmäßig auch in Choreografien von Jai Gonzales. Sie konzipierte ein Ü-70-Projekt mit Herzblut, Charme und Witz. In Uschy Szotts Portrait eines Touristen, der sich zwischen Verkehrsteilnehmern zu Fuß, auf Skateboard oder Fahrrad trotz eines Stadtplans rettungslos verliert, waren über 30 Mitwirkende von fünf bis fünfzig Jahren beteiligt; mittendrin wurde am Eröffnungsabend auch OB Eckart Würzner gesichtet. Von Hip Hoppern und Breakedancern über eine gerapte Kochshow (Andrea Böge und Victoria Söntgen), vom 20er Jahre-Flair in Heidelbergs ehemaligem Mädchengymnasium bis zu einem eindrucksvollen Besuch in einem Mehrgenerationenhaus, eine Paraderolle für die tatsächlich dort lebende Heidelberger Ex-Tänzerin und Schauspielerin Helga Wolf. Dass man auch in zehn Minuten sehr anspruchsvoll choreografieren kann, stellte Catherine Guerin, ehemaliges Mitglied des Heidelberger Balletts zu Liz Kings Zeiten, unter Beweis. Die international erfolgreiche Choreografin formte zwanzig Bürger aus Heidelbergs universitätsnahem, chicen Stadtteil Neuenheim zum „Schwarm“ – und geht der Frage nach, ob es so etwas wie eine „soziale Choreografie“ gibt, die das dynamische Zusammenspiel von Menschen und Körpern in Interaktion mit ihrer Umwelt regeln kann.

Die logistischen Anforderungen an dieses Theaterereignis waren enorm – mussten doch an allen Orten nicht nur Ton, sondern auch die Videoprojektionen des Heidelberger Architekten Nils Herstrieth vorhanden sein, der als profunder Kenner der Stadt die einzelnen Stadtteile hübsch verfremdet portraitiert hatte.

Das Mega-Event mit fast 130 Mitwirkenden bescherte der Tanzbiennale den erhofften Anfangserfolg – weitere acht Tage intensives Programm folgen, mit regionalem und internationalem Anspruch – zum ersten Mal wird es auch eine rein baden-württembergisch besetzte Tanzgala geben.

Veröffentlicht am 25.02.2014, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2013/2014, Tanz im Text

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Kommentare zu "Heidelberg auf den Beinen"



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