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Berlin

DIE BILDER AUS DEM SACK LASSEN

„Der Bau – Gruppe 12x60“: Isabelle Schad in den Uferstudios Berlin



Inspiriert von Kafkas Erzählung „Der Bau“ befragt sie im neusten Stück ihrer dreiteiligen Research-Reihe die Nahtstellen zwischen Körperformen, Körperumraum und Betrachter.


  • „Der Bau – Gruppe 12x60“: Isabelle Schad in den Uferstudios Berlin Foto © Dieter Hartwig
  • „Der Bau – Gruppe 12x60“: Isabelle Schad in den Uferstudios Berlin Foto © Dieter Hartwig
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  • „Der Bau – Gruppe 12x60“: Isabelle Schad in den Uferstudios Berlin Foto © Dieter Hartwig
  • „Der Bau – Gruppe 12x60“: Isabelle Schad in den Uferstudios Berlin Foto © Dieter Hartwig
  • „Der Bau – Gruppe 12x60“: Isabelle Schad in den Uferstudios Berlin Foto © Dieter Hartwig
  • „Der Bau – Gruppe 12x60“: Isabelle Schad in den Uferstudios Berlin Foto © Dieter Hartwig
  • „Der Bau – Gruppe 12x60“: Isabelle Schad in den Uferstudios Berlin Foto © Dieter Hartwig
  • „Der Bau – Gruppe 12x60“: Isabelle Schad in den Uferstudios Berlin Foto © Dieter Hartwig

Eine erste Tendenz, Bewegung losgelöst vom „kontrollierenden Subjekt“ zu betrachten, wurde bereits 2008 in dem Solo-Zyklus „Unturtled“ erkennbar. Die Choreografin Isabelle Schad erforschte zusammen mit dem bildenden Künstler Laurent Goldring die Wahrnehmung von körperlicher Bewegung. Dehnbare Kostüme dienten dabei als Trägermaterial für physische Impulse. Inspiriert von Franz Kafkas Erzählung „Der Bau“ setzen Schad und Goldring dieses Interesse seit vergangenem Jahr fort. In „Der Bau – Gruppe 12x60“, dem neusten Stück der dreiteiligen Research-Reihe, befragen sie die Nahtstellen zwischen Körperformen, Körperumraum und Betrachter.

Sechzig Sitzsäcke liegen locker verteilt im Bühnenraum der Berliner Uferstudios. Im Dämmerlicht zweier Milchglaswände erscheinen sie zunächst einmal als das, was sie sind: stumme Objekte, die auf nichts als sich selbst verweisen. Doch der Schein trügt: schon bald verwandeln sie sich mit Hilfe subtiler theatraler Effekte in janusköpfige Quasi-Performer, entwickeln über ihre dynamisierte materielle Präsenz metaphorische Kräfte. Es scheint eine organische Motorik zu geben, die diese Gebilde antreibt, sie in Gruppenformationen arrangiert, die sich durch die Projektion der Zuschauer zu inneren und äußeren Landschaften verwandeln.

Aus der Tiefe der Bühne erklingt dazu ein monotoner Ton. Mit zunehmender Lautstärke wird ein vibrierender Kokon geschaffen, in dem sich die Bilder noch intensivieren können. Im dicht gedrängten Nebeneinander verlagern die Sitzsäcke nun ihr Gewicht, drängen und schieben sich aneinander und graben sich gemächlich durch den Raum. Im Auf und Ab der sich mittlerweile zu einer Art Erdhaufen aufschichtenden Masse wiegen sich alsbald abwechselnd die Köpfe von zwölf Tänzerinnen und Tänzern - eine Körperlichkeit, die sich von der amorphen Materialität fast komisch abhebt.

Ganze Körper und Körperteile werden in den darauffolgenden Szenen in die Schlünde der Sitzsackungeheuer gezogen und an anderer Stelle wieder empor gespuckt. Wie in Trance schleifen die TänzerInnen die nun am Kragen gepackten trägen Stoffsäcke in einer Art choreografierten Wellenspiel mit sanft kreisenden Schulterbewegungen in federnden Schritten über die Bühne. Sie sehen dabei aus wie japanische Nô-Gespielen im Reifrock. Dann tauchen sie auch schon wieder ins nächste Bild, bis das Material zum Schluss wie eine Ausscheidung zurückbleibt. Aber auch das ist ein Bild, das Gegenbild vom Anfang.

Veröffentlicht am 14.02.2014, von Christine Matschke in Homepage, Tanz im Text, Kritiken 2013/2014

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