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Weimar

RHEINGOLDRESONANZEN BEIM KUNSTFEST IN WEIMAR

Eine Soundinstallation in Bewegung von Louise Wagner



Wagner Idyll“: Beim Kunstfest, „pélerinages“ in Weimar ist ein ganzes Wochenende, dem Jubilar geschuldet und insbesondere dem Tanz gewidmet.


  • RHEINGOLDRESONANZEN BEIM KUNSTFEST IN WEIMAR von Louise Wagner Foto © Maik Schuck
  • RHEINGOLDRESONANZEN BEIM KUNSTFEST IN WEIMAR von Louise Wagner Foto © Maik Schuck.
  • RHEINGOLDRESONANZEN BEIM KUNSTFEST IN WEIMAR von Louise Wagner Foto © Maik Schuck.
  • RHEINGOLDRESONANZEN BEIM KUNSTFEST IN WEIMAR von Louise Wagner Foto © Maik Schuck


Das Kunstfest, „pélerinages“, letztmals von Nike Wagner gewohnt sensibel und intelligent kuratiert, ist in vollem Gange, an Richard Wagner führt selbstverständlich auch in Weimar in diesem Jahr kein Weg vorbei, daher das Motto: „Wagner Idyll“. Ein ganzes Wochenende, auch dem Jubilar geschuldet, war insbesondere dem Tanz gewidmet. Im Neuen Museum wurde die Ausstellung „about substraction - choreografic objekts“ von William Forsythe eröffnet. Im Reitstall gab es die „Soundinstallation in Bewegung“ „RheingoldResonanzen“ von Louise Wagner, Tochter von Nike Wagner und Ur-Ur-Urenkelin von Richard Wagner.

„RheingoldResonanzen“ von Louise Wagner und choreografische Objekte von William Forsythe, da liegt die Frage nach einem Zusammenhang nahe. Und der ist offensichtlich. An Forsythe kommt der moderne Tanz nicht vorbei und man sieht auch in der choreografischen Arbeit von Louise Wagner, dass es Einflüsse gibt, auch wenn die junge Choreografin eigene Wege geht. Interessant aber ist in diesem Zusammenhang, dass diese Ausstellung mit Forsythes Objekten, mit der Gestaltung der Räume, den Zuschauer, den Besucher ganz automatisch dazu verführt, zu reagieren, sich zu bewegen, in eine Choreografie zu geraten, als Resonanz auf den Anreiz eines anderen, in diesem Falle des Künstlers William Forsythe.

Louise Wagners „RheingoldResonanzen“, als „Soundinstallation in Bewegung“ folgt dem Wagnerschen „Rheingold“ selbstverständlich nicht so, dass hier die Geschichte erzählt wird, salopp gesagt, die Rheintöchter tanzen nicht. Keine Handlung im üblichen Sinne, die sieben Tänzerinnen und Tänzer sind keine Darsteller von Rollen. Es ist aber so, dass wie in den Motiven dieses „Rheingoldes“ etwas geschieht und sich fortsetzt, unaufhaltsam. Jede Reaktion eines Menschen hat ihre Resonanz, das geschieht im Tanz ganz körperlich, intensiv. Und jedes Motiv einer Bewegung, einer Reaktion, einer Resonanz wird aufgenommen, verändert, weitergegeben. Das Publikum kann gar nicht anders als auch zu regieren, mit seinen Resonanzen umzugehen, denn der Tanz geschieht ganz nahe, vor uns, hinter uns, mitten unter uns. Dabei nimmt diese grandiose Konzentration der Tänzerinnen und Tänzer Ruben Antoniano, Maya M. Carroll, Lisanne Goodhue, Akemi Nagao, Ingo Reulecke, Isaac Spencer und Julian Weber den Zuschauer immer stärker gefangen. Es entsteht so etwas wie ein Sog, und schon sind wir wieder bei Richard Wagner. In der Musik dieser bewegten Installation, bei der es zugespielte elektronische Sounds und Livemusik gibt, meint man dann auch als individuell wahrnehmbare Resonanzen, Wagners Motive zwar nicht direkt, aber in übertragenem, verfremdetem Sinne zu vernehmen, besser mitunter zu erfühlen. Zunächst, nach einer dunklen Soundfläche, tiefe Töne der fünf Instrumentalisten, Biliana Voutchkova (Violine), Agnieska Dziubak (Cello), Klaus Janek (Kontrabass), Hilary Jeffery (Posaune) und Robin Hayward (Tuba). Zunächst die Tiefe der Tuba, dann dazu gedämpfte Töne der Posaune, dann dieses so faszinierende „Aufsteigen“ wie bei der Musik Wagners im „Rheingold“, es könnte schon der Anlass für die Resonanzen der Musiker gewesen sein. Es ist ja eine Soundinstallation in Bewegung, also bewegen sich die Musiker. Einmal in den elektronischen Soundflächen mit ihren Reaktionen, zum anderen im Raum und immer wieder in sehr intensivem Bewegungs- und Klangdialog mit den Tänzerinnen und Tänzern.

Von ungewöhnlicher Intensität der Schluss. Der Tubaspieler nimmt auf dem Boden Platz. Er bläst die Luft tonlos durch sein Instrument. Eine Tänzerin reagiert feinsinnig und zerbrechlich auf diese fortwährende Veränderung dieser Resonanzen, die lediglich der Atem eines anderen Menschen hervorruft. Dann vernehmen wir Klänge, fast romantisch, erst nicht zu verorten, dann spürt man, sie kommen aus der Tiefe, die Musiker sind unter uns, unter dem Boden, auf dem wir uns befinden. Etwas steigt auf, es beginnt etwas, eben - wie man empfinden kann - eine Rheingold-Resonanz, und das Ganze wird zu einer Abfolge von bewegten und klingenden Aspekten einer Resonanz auf Richard Wagners Idee vom Gesamtkunstwerk.

Veröffentlicht am 04.09.2013, von Boris Michael Gruhl in Homepage, Kritiken 2012/2013

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Kommentare zu "RheingoldResonanzen beim Kunstfest in Weimar"



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