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Düsseldorf

PARODIE MIT GRAZIE UND BURSCHIKOSITÄT

Das berühmteste Männerballett gastiert endlich wieder in Deutschland



So gekonnt wie die weltberühmte New Yorker Truppe "Les Ballets Trockadero de Monte Carlo" parodiert niemand sonst "Schwanensee" und "Don Quixote" oder "Giselle" und "Paquita". Dabei nehmen die "Trocks", wie ihre Fans sie liebevoll flapsig nennen, die hohe Schule der klassischen Balletttechnik durchaus ernst.


  • "Les Ballets Trockadero de Monte Carlo": "Vier kleine Schwänchen" Foto © BB Promotion
  • "Les Ballets Trockadero de Monte Carlo": “Go for Barocco” Foto © BB Promotion
  • "Les Ballets Trockadero de Monte Carlo": "Paquita" Foto © BB Promotion

So gekonnt wie die weltberühmte New Yorker Truppe "Les Ballets Trockadero de Monte Carlo" parodiert niemand sonst "Schwanensee" und "Don Quixote" oder "Giselle" und "Paquita". Dabei nehmen die "Trocks", wie ihre Fans sie liebevoll flapsig nennen, die hohe Schule der klassischen Balletttechnik durchaus ernst. Pirouetten, Fouettés, Jettés und Arabesken auf Spitze (in Satinschuhen bis Größe 45) beherrschen sie mit staunenswerter Eleganz. Nach sechs Jahren treten die Trocks erstmals wieder in Deutschland auf.

Im Opernhaus Düsseldorf fand jetzt die Premiere statt. Auftritte in der Kölner Philharmonie und im Admiralspalast Berlin folgen im August. Veranstalter BB-Promotion (Mannheim) tat gut daran, wie vor zehn Jahren in Köln ein gemischtes Programm anstelle eines kompletten Ballettkassikers zu präsentieren.
Auf den ersten Blick hält man diese Ballerinen in ihren wippenden Tellertutus tatsächlich für Minnie van Driver (alias Trystan Merrick aus Kalifornien), Lariska Dumbchenko (alias Raffaele Morra aus Italien), Maria Paranova (alias Carlos Renedo aus Spanien) oder Gerti Tord (alias Bernd Burgmaier aus Deutschland). Erst bei näherem Hinsehen fallen stramme Bizeps, pralle Hengstschenkel und schwarze Kräuselhaare über dem knappen Schwanenmieder ins Auge. Und dann ist da noch dieses gewisse Augenzwinkern, wenn sie sich im Neoklassiker "Go for Barocco" im Balanchine-ähnlichen schwarzen Badehabit mit angesetztem hauchzarten Miniröckchen als Bodenturnerinnen räkeln oder mit gespielt exaltierter Diven-Attitude den Partner abkanzeln, der die Hebung verpatzt in dem an sich so eindrucksvoll virtuosen Pas de deux aus Minkus' "Don Quixote" mit dem Kubaner Carlos Hopuy als Kitri und dem drahtigen Südafrikaner Boysie Dikobe als Basil.

Was für ein Spaß ist der kleinste der vier kleinen Schwäne, der unbekümmert in die falsche Richtung blickt, mit den Beinen aus dem Rhythmus gerät, aber schließlich brav-fröhlich ins Publikum winkend - in die Kulissen trottet. Die schöne Odette (Raffaele Morra) und erste Solistin der sechs Variationen in dem Zigeuner-Ballett "Paquita" verschafft sich im Corps de ballet bessere Sicht mittels dicker Hornbrille. Seine unglaublich geschmeidigen, langen, schlanken Arme stellt der Schwabe Bernd Burgmaier als "Sterbender Schwan" zur Schau. Die berühmte letzte Pose muss er mehrmals wiederholen. Sozusagen als Zugabe mitten im Applaus vor dem Vorhang gelingt sie endlich.

Sie wollen keine Drag-Queens sein und überhaupt keine Frauen - diese 17 zierlichen Herren aus acht Nationen. Bei aller Grazie geben sie sich betont burschikos. Zickenkriege führen sie wenig zimperlich und handfest wie gestandene Handwerker. Banaler Wanderschritt und kantige Armschwünge mit geballten Fäusten mischen sich urplötzlich in grazile Port de bras und virtuoses Trippeln. Hier gehen Comedy und Können eine unterhaltsame Allianz ein.

www.bb-promotion.com

Veröffentlicht am 26.07.2013, von Marieluise Jeitschko in Homepage, Kritiken 2012/2013

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Kommentare zu "Parodie mit Grazie und Burschikosität"



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