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München

HEINRICH TANZT II - OHNE DICH IST ALLES NICHTS

Ein Blog zum Tanzfonds-Partner-Projekt in München



Zum zweiten Mal tauscht die gesamte 8. Jahrgangsstufe des Heinrich-Heine-Gymnasiums aus München-Neuperlach im Juli das Klassenzimmer mit den Probensälen des Bayerischen Staatsballetts


  • Crew Foto © Franz Kimmel
  • "Heinrich tanzt": die 8. Jahrgangsstufe des Heinrich-Heine-Gymnasiums aus München-Neuperlach in den Proberäumen des Bayerischen Staatsballetts Foto © Franz Kimmel
  • "Heinrich tanzt": die 8. Jahrgangsstufe des Heinrich-Heine-Gymnasiums aus München-Neuperlach in den Proberäumen des Bayerischen Staatsballetts Foto © Franz Kimmel
  • "Heinrich tanzt": Norbert Graf vom Bayerischen Staatsballett übt mit den Schülern Foto © Franz Kimmel
  • "Heinrich tanzt": die 8. Jahrgangsstufe des Heinrich-Heine-Gymnasiums aus München-Neuperlach in den Proberäumen des Bayerischen Staatsballetts Foto © Franz Kimmel
  • "Heinrich tanzt": die 8. Jahrgangsstufe des Heinrich-Heine-Gymnasiums aus München-Neuperlach in den Proberäumen des Bayerischen Staatsballetts Foto © Franz Kimmel

In diesem Monat ist es wieder soweit: zum zweiten Mal tauscht die gesamte 8. Jahrgangsstufe des Heinrich-Heine-Gymnasiums aus München-Neuperlach im Juli das Klassenzimmer mit den Probensälen des Bayerischen Staatsballetts. Nach 3 ½ Wochen täglichen Trainings in zeitgenössischem Tanz, Sprech - und Textarbeit, Stimmübungen und Gesang werden die Schüler unter Anleitung eines großen Künstlerteams ein Stück erarbeitet haben, dass am 24. und 25. Juli auf der Bühne der Muffathalle vier mal aufgeführt wird. Zu den Heinrich-Heine-Schülern gesellen sich sieben Schüler der Berufsschule für den Einzelhandel, die bereits im Juni eine Intensivwoche Tanz absolviert haben.

Die choreografische Arbeit wird von einem internationalen künstlerische Team geleitet: Rafaele Giovanola, CocoonDance, aus Bonn; Lenka Flory und Martina La Ragione von Déjà Donné aus Italien und Norbert Graf vom Bayerischen Staatsballett. Die musikalische Leitung haben Mathis Nitschke und Martina Koppelstetter aus München. Mit dabei ist auch die Performancekünstlerin Ruth Geiersberger.
Tänzer und Studierende assistieren den Choregrafen und betreuen den Prozess: Anna Beke, Anna Perälä, Anna Ressel, Marcelo Omine, Peter Jolesch, Nora Boettger und Lisa Nagler.

„Heinrich tanzt II – Ohne Dich ist alles nichts“ ist ein Musik-Theater-Tanz-Projekt des Bayerischen Staatsballetts in Kooperation mit Tanz und Schule e.V. und dem Heinrich-Heine-Gymnasium. Im Rahmen von TANZFONDS-PARTNER war es möglich, eine zweijährige intensive Partnerschaft mit dem Heinrich-Heine-Gymnasium auf zu bauen. Neben diesem großen Projekt mit der 8. Jahrgangsstufe tanzen über das Jahr hinweg mehrere Klassen aus unterschiedlichen Jahrgängen und führen Stücke im Theater oder im öffentlichen Raum auf.

Über den Verlauf der Proben und über das Konzept des Stücks wird der Blog regelmäßig Auskunft geben. Wir wünschen viel Spaß!

Simone, Nora und Lisa
Produktionsteam


Ein Tag, viele Gesichter - Ein Querschnitt
Montag, 1.07.2013

Es ist 8:00 Uhr morgens. Die Probensäle sind leer, die Sonne scheint hinein. Ein nahezu malerisch-friedliches Bild.

8:30 Uhr: Cranko Saal, zweiter Stock. Das malerische Bild hat sich mehr oder weniger in Luft aufgelöst. Unter der Leitung von Rafaële Giovanola und Anna Ressel strampeln, zappeln, schwitzen, stöhnen springen und rennen 28 Schüler des Heinrich Heine Gymnasiums in dem Probensaal herum. Das morgendliche Training, welches vor der eigentlichen, choreografischen Arbeit steht, fordert den Jugendlichen großes Durchhaltevermögen ab. Manch einer wird sich fragen, ob dies nun jeden Morgen auf ihn zukommt. Und ob tanzen nicht eigentlich „total easy“ ist – und doch keinesfalls mit wirklicher, körperlicher Anstrengung verbunden?

Etwas später am Vormittag, ein Stockwerk tiefer, Bosl Saal – Ruhigere Töne.
Norbert Graf und Anna Beke arbeiten hier mit ihrer Gruppe an verschiedenen partnerschaftlichen Übungen. Gestöhnt und geschwitzt wird hier weniger. Verlegenes Kichern tritt dafür um so häufiger auf. Besonders die partnerschaftliche Arbeit zwischen Jungs und Mädchen ist für die Jugendlichen sehr ungewohnt, dass Erlernen von einer besonderen Achtsamkeit im direkten Umgang mit dem Partner und dessen Körper völliges Neuland. Neuland, welches jedoch trotz aller Kichereien mit viel Interesse und Konzentration erschlossen wird.

Erste Stimmen werden laut, die bereits nach ein paar Stunden überzeugt sind: „tanzen ist besser als Schule“. Die Sonne scheint immer noch, die Probenräume heizen sich auf. Raubtierarena.

Fliegegder Wechsel.

12:30 Uhr: wir befinden uns wieder im zweiten Stock. Cranko Saal. Die Vormittagsgruppe von Rafaële Giovanola ist für heute mit ihrer Arbeit fertig. Lenka Flory arbeitet nun hier, gemeinsam mit ihrer Assistentin Anna Perälä. Energisch-motivierende Ansagen gepaart mit treibender Musik lässt diese Gruppe schnell von null auf hundert kommen. Die Jugendlichen rennen und stoppen. Gebremste Kraft.
Sie lernen, zu fallen. Dann springen sie wieder auf. Gelenkte Kraft.

Während man sich im Cranko Saal mutig auf den Boden wirft und wieder aufspringt, erarbeitet Martina La Ragione mit ihrer Gruppe an der Bewegungsfindung einer kleinen Choreografie, welche ihren Schwerpunkt ebenfalls am Boden setzt. Da es auch hier wieder Partnerarbeit gibt, hört man auch hier wieder vermehrt Gekicher, gepaart mit ungläubigem Entsetzen wegen der Partnerauswahl durch die Choreografin. Besonders den Jungs fällt es sichtlich schwer, sich damit abzufinden oder gar anzufreunden. Viel leichter fällt es ihnen da schon, sich mit der italienischen Choreografin zu verständigen. Wie selbstverständlich findet die Kommunikation irgendwo zwischen deutsch, englisch und körperlichem Ausdruck statt.
Gegen 15.30 Uhr leert sich das Probenhaus. Ein Tag voller erster Eindrücke geht zu Ende.


Dienstag 2.7.
8:20 Uhr: Diesen Morgen ist es im Vergleich zum Vortag um einiges ruhiger, obwohl schon ein Großteil der Jugendlichen eingetroffen ist. Ein Grund dafür scheinen die ersten Ermüdungserscheinungen zu sein. Auf den Fluren begegnet man eher langsam vorankommenden Jungen und Mädchen mit müden Gesichtern.

9:30 Uhr: Vor allem ein fieser Muskelkater, vorzugsweise in den Beinen, scheint weit verbreitet. Da hilft der Zuspruch der Choreografen, dass das mit der Zeit besser wird, eher wenig.
Gruppe 1 lässt es heute erst mal ruhig angehen. Die Jugendlichen verteilen sich mit Blättern und Stiften bewaffnet im Studio und schreiben ihre Gedanken über Verlust, Probleme, Gefühle, Sehnsucht etc. nieder. Auch den bisherigen Eindrücken zum Tanzprojekt können sie freien Lauf lassen.

10:30 Uhr: „Ich“ tönt es aus der sich im Raum bewegenden Gruppe von 28 Jugendlichen. Ein Mädchen lässt sich urplötzlich rückwärts fallen und wird von zwei anderen Mitschülern aufgefangen, die sich gerade in der Nähe befinden. Das Vertrauen zu den eigenen Mitschülern scheint groß zu sein.

12:00 Uhr: Für Gruppe 2 steht heute ein neuer Programmpunkt auf dem Plan: Sprechtraining mit Ruth Geiersberger. Die Jugendlichen erfahren ihre Stimme und die Möglichkeiten, wie man sie ganz unterschiedlich einsetzen kann. Sätze aus Mozarts Oper „Mitridate“, eine altmodische Art der Formulierung wie „Nein, das besteh ich nicht, es kann nicht sein, es kann nicht sein“ haben sich bereits in die Köpfe eingebrannt und klingen überzeugend.

12:30 Uhr: Die Nachmittagsschicht hat begonnen und startet gleich sehr dynamisch. Jungs und Mädchen stürmen von einer Raumhälfte zur anderen; ein abrupter Stopp in der Saalmitte und im Sprint bis zur anderen Seite. Bei sehr lauter Musik und anfeuerndem Enthusiasmus der Tänzer, hat sich der Raum auf gefühlte 40 Grad Celsius aufgeheizt.

15:00 Uhr: Es wird wieder ruhiger: Zu zweit bewegen sich die Jugendlichen, zunächst eher langsam, durch den Raum. Ein Anführer führt seinen Partner, der die Augen geschlossen hat, durch den Raum und achtet darauf, Kollisionen mit anderen Paaren zu vermeiden. Dies klappt mal besser, mal schlechter.

Donnerstag 4.7.
Der Tag steht heute zusätzlich zum Tanz ganz im Zeichen der Musik. Mathis Nitschke bringt den Jugendlichen die Oper „Mitridate, re di Ponto“ von Wolfgang Amadeus Mozart näher. Auf dieser Musik soll das Stück, das von den Jugendlichen erarbeitet wird, basieren. Langsam fügen sich die einzelnen Teile der Arbeit zusammen.

Freitag 5.7. Die erste Tanzwoche geht zu Ende
Schon am Vortag machten sich Gerüchte breit. „Sind wir morgen alle zusammen? Ja, super!“ Von 9 bis 12 Uhr trainieren heute je Gruppe 1 und 2 sowie Gruppe 3 und 4 gemeinsam. Da treffen beste Freunde plötzlich wieder aufeinander. Die Stimmung ist gut, was sich an der regen Kommunikation auch während des Tanzens erkennen lässt. Besonders spannend sind die gegenseitigen Vorführungen der Arbeit aus den letzten Tagen. Nicht immer nur leises Getuschel auf Seiten der Zuschauer lässt die Aufregung spüren.

Um 12 treffen zum ersten Mal alle ca. 120 Jugendlichen im Bosl-Saal aufeinander. Der Lärmpegel scheint im gleichen Maße wie die Anzahl der abgestellten Trinkflaschen merklich angestiegen. Zusätzlich zum gesamten Künstlerteam haben sich auch alle Lehrer zur Bändigung eingefunden.

Gruppe 4 führt ein choreografisches Bild vor. Erst ein Freeze wie bei einem Foto. Dann langsam schmelzen und in verschiedenste Bewegungsabläufe hinein gleiten, einander anlächeln, oder anfassen, oder den Mund zuhalten etc. Dann wieder Freeze…. Später sollen die anderen Gruppen Elemente daraus aufnehmen und eigene Bilder finden. Als die Musik zur Präsentation erklingt herrscht konzentrierte Stille. Nach dem tosenden Applaus für Gruppe 4 arbeiten die anderen Gruppen daran, selbst das Bild nachzustellen. Circa eine halbe Stunde später wird das Bild von allen Gruppen gemeinsam im Saal zusammengestellt. Die wenigen Zuschauer merken schon jetzt die unglaubliche Kraft, die hinter diesem ausdrucksstarken Bild steckt, auch den Humor. Und bei allen Beteiligten entsteht eine vage Vorstellung von dem, was am Ende der 3 ½ Wochen auf der Bühne entstehen kann.

Als krönenden Abschluss der Woche zeigt Martina La Ragione ein sehr persönliches Tanzsolo mit Sprache, Tanz, Mimik, Akrobatik. Ihre Konzentration, ihre tänzerische Perfektion und emotionale Kraft übertragen sich. Der Jubel und die Begeisterung der Jugendlichen sind riesig. So geht eine Woche mit sehr vielen unterschiedlichen Eindrücken zu Ende. Die Neugier auf das Kommende ist groß. Wir freuen uns auf die nächste Woche.

Lisa Nagler

Veröffentlicht am 03.07.2013, von Gastbeitrag in Homepage, Blogs

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