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Mainz

TÄNZERISCHES RESÜMEE

Delattre Dance Company präsentiert mit „eXchange“ ihre erste Produktion in den Mainzer Kammerspielen.



Stéphen Delattre ist vielen als Tänzer bekannt, doch choreografiert er schon seit Jahren, hat auch in diesem Bereich Preise gewonnen: Soli und Duette, aber auch Stücke für deutsche Staatstheater und internationale Kompanien.


  • Die Delattre Dance Company in "Spiegelwände" Foto © Tom Ray
  • Die Delattre Dance Company in "exPRESS" Foto © Tom Ray

Stéphen Delattre ist vielen als Tänzer bekannt, doch choreografiert er schon seit Jahren, hat auch in diesem Bereich Preise gewonnen: Soli und Duette, aber auch Stücke für deutsche Staatstheater und internationale Kompanien. Zuletzt war er Tänzer beim Ballett Mainz, Mitte 2012 gründete er eine eigene Tanzcompagnie, die künftig als Delattre Dance Company (DDC) figuriert. Er konnte erfahrene Tänzer/innen des zeitgenössischen und neoklassischen Tanzes für das Ensemble gewinnen. Mit Martin Oppelt steht ihm ein geschäftsführender Partner zur Seite, dazu kommen weitere hoch ambitionierte Kreativpartner für Fotografie, Grafik, Bühne, Kostüm und Musik(schnitte). Am gestrigen Abend (17. Jan.) war die Uraufführung in den Mainzer Kammerspielen, die offensichtlich von örtlichen Tanzfans sowie von Kollegen mit Spannung erwartet wurde.

Geboten wurde ein dreiteiliger Abend mit unterschiedlichen Themen, vergleichbarem Bewegungsrepertoire und hoher Intensität des Tanzes. Der gesamte Abend „eXchange“ wurde mit großem Gespür für Ästhetik choreografiert und designed von Stéphen Delattre, in den letzten beiden Stücken tanzt er auch selbst mit. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich bei der Themenwahl um ein tänzerisches Resümee seiner bisher gemachten Erfahrungen als Choreograf handelt und um eine Wunschliste für die künftige Wahrnehmung seiner Arbeiten.

Im ersten Teil tanzen drei Paare, zeigen in unbeflecktes Weiß gehüllt zärtliche erste Begegnungen und daraus entstehende Beziehungen und Einsamkeiten. Vor wandernden Spiegelwänden und mit fotografischen Gesichtsmasken am Hinterkopf wird das Thema Selbstbefragung anschaulich und die Erkenntnis: Jede(r) ist ersetzbar. Der Mittelteil ist eher irritierend: zunächst ein einsamer Piano-Player (Christian Grifa), dann eine animierte Projektion von Probenfotos, Ende, der Applaus verhalten. Es folgt doch noch Tanz, diesmal zu fünft in schwarzweißen Kostümen, auf tockenden Ballerinas, die Frauen in modernen Tütüs, die Männer in Frack und Zylinder. Es geht um Applaus, um den zentralen Nährstoff von Bühnenarbeitern, der ihnen monatelange harte Probenarbeit versüßt. Auch um den Respekt, darum zieht man traditionell den Hut: Chapeau(x)!

Der letzte Teil ist über lange Strecken erzählerisch angelegt, erinnert an die „Westside Story“ zu einer zeitgenössischen Komposition von John Adams. Zwei Gruppen (je zwei Paare) mit deutlich unterschiedlichem Habitus stoßen aufeinander, es kommt zu Kampf- und Entführungsszenen. Der Titel „The ART of exPRESSion“ benennt laut dramaturgischer Erklärung die Erfahrung, dass Pressekritik die Kunst oft anders interpretiert als der Künstler sie gemeint hat. Findet aber auch den Trost, dass letztlich beide dem Zuschauer Ideen und Gefühle vermitteln wollen.

Das Publikum applaudierte jedenfalls begeistert und zollte seinen Stars Respekt, allen voran Stéphen Delattre, und seinen Ko-Tänzern: Mana Miyagawa, die in Tokio, an österreichischen Bühnen und bei den Theatern Nordhausen und Regensburg tanzte; Jim de Block, der wohl ausgefeilteste Tänzer in der Gruppe, dem die internationale Erfahrung und seine Zeit bei Bill Forsythe anzusehen ist; Heloise Vellard, die bei Kompanien im Saarland, Niederlande und Dänemark tanzte, seit 2009 freie Tänzerin ist, auch Musik und Schauspiel studierte; Max Taubenheim, der Youngster bei DDC von der Palucca-Schule Dresden; Maki Nakao, die vom Osaka Ballet zu Cranko nach Stuttgart kam, in Frankfurt studierte und zuletzt beim Ballett Mainz tanzte; Ivan Cheranev, der seine Ballettausbildung in Moskau erhielt, in Lausanne tanzte und derzeit sein Studium in Frankfurt beendet; Prêle Mainfroy, die nach ihrer Ausbildung in Paris Engagements in Cannes und Bordeaux hatte, 2009 zum Ballett Mainz kam, bei der DDC ist sie Dellatres Assistentin.

Dieser erste DDC-Abend unter dem Titel „eXchange“ ist noch bis 20. Januar zu sehen sowie am 1.bis 3. März. Das nächste DDC-Programm ist schon angekündigt für April und Juni: „Zärtlicher Verrat“ mit Choreografien von Bridget Breiner, Hans Henning Paar und Stéphen Delattre. www.mainzer-kammerspiele.de

Veröffentlicht am 18.01.2013, von Dagmar Klein in Homepage, Kritiken 2012/2013, Tanz im Text

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Kommentare zu "Tänzerisches Resümee"



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