TANZMEDIEN



Florian Noetzel Verlag

ZAUBERWORTE ÜBERALL

„Das Kind und sein Tanz“ von Gisela Peters-Rohse



In dem sechsten und eindeutig praxisnahesten Band der Reihe „Leitfaden für Tanzpädagogen“ stellt die angesehene und im In- und Ausland lehrende Tanzpädagogin Gisela Peters-Rohse ihre Methodik für den Kindertanz vor.


  • Gisela Peters-Rohse "Das Kind uns sein Tanz" Foto © Florian Noetzel Verlag

In dem sechsten und eindeutig praxisnahesten Band der Reihe „Leitfaden für Tanzpädagogen“, herausgegeben vom Deutschen Tanzarchiv Köln, stellt die angesehene und im In- und Ausland lehrende Tanzpädagogin Gisela Peters-Rohse ihre Methodik für den Kindertanz vor.

Schon nach ihrer Ausbildung zur Tänzerin und Tanzpädagogin an der Hamburger Lola Rogge Schule, vor nahezu fünf Jahrzehnten, begann Gisela Peters-Rohse sich dort dem Tanz des Kindes zu widmen. An dieser Ausbildungsstätte, an der die Raum- und Bewegungslehre Rudolf von Labans zentrale Lehrinhalte waren, erhielt sie das Rüstzeug für die Entwicklung ihrer eigenen Methodik. Sie spürte schnell, dass die Tanzerziehung für Kinder in Form und Inhalt verändert und erweitert werden müsste. So entwickelte sie, zuerst in ihrem eigenen Studio und später an der Rheinischen Musikschule in Köln, ihre Form der Kindertanzmethodik. Diese vermittelte sie lange Zeit als Dozentin an der Kölner Hochschule für Musik und Tanz sowie weiterhin in Seminaren und Workshops.

In ihrem Buch bezieht sich Peters-Rohse hauptsächlich auf den Tanzunterricht von Kindern im Vor- und frühen Grundschulalter. Ausführlich beschreibt sie die methodischen und inhaltlichen Aspekte ihrer Methodik, begründet ihre Vorgehensweise, fügt zahlreiche Beispiele an und gibt unzählige praktische Hinweise und Ratschläge. Vier ausgearbeitete Stundenbeispiele erklären den Stundenaufbau. Sie widmet sich auch dem Choreografieren mit und für Kinder. Drei ihrer eigenen Choreografien werden inhaltlich dargestellt und durch Fotos der tanzenden Kinder verdeutlicht. Im ganzen Buch finden sich zahlreiche Fotos, die während des Unterrichts entstanden sind. Sie zeigen die Kinder in verschiedenen Phasen des Unterrichts. Darüber hinaus zeigt die Autorin auf, wie es im fortschreitenden Alter der Kinder mit dem Tanzunterricht in verschiedene Richtungen weitergehen kann. Auf einem Beiblatt wird die Entwicklung der Inhalte der Bewegungstechnik und Körperbildung sowie der rhythmisch-musikalischen Erziehung vom Tanzeintrittsalter mit viereinhalb Jahren bis zum Ende der Grundschulzeit tabellarisch veranschaulicht.

In ihrem Buch legt Gisela Peters-Rohse plausibel dar, wie sie Labans Bewegungs- und Antriebslehre kongenial auf den Kindertanz überträgt, mit einer kindgerechten rhythmisch-musikalischen Bildung verbindet und um eine für die Kinder angemessene Körperbildung und Bewegungstechnik erweitert. Ausgehend von der kleinsten Einheit, der einzelnen Übung, zeigt sie auf, wie diese Übungen entwickelt und in einer Tanzstunde inhaltlich und thematisch zusammengestellt werden, damit das Kind in jeder Stunde ein intensives Tanzerlebnis erfährt. Die vier sehr detailliert ausgearbeiteten Stundenbeispiele tragen zweifellos zum besseren Verständnis des Stundenaufbaus bei. Somit entsteht für die ersten Tanzjahre ein umfangreiches Curriculum, aus dem auch immer wieder kleine Choreografien entwickelt werden können. Beispiele werden wiederholt im Text beschrieben. Die jahrelange Erfahrung der Pädagogin äußert sich insbesondere in den vielen praktischen Hinweisen und Empfehlungen, die sie zur Entwicklung der Kinder, zur Lehrerpersönlichkeit und zur Durchführung des Unterrichts macht. Die eindringliche und lebendige Darstellung, in der auch Anekdotisches seinen Platz hat, trägt deutlich zum Gewinn des Buches bei.

Wirklich anregend für jeden Tanzpädagogen ist es, wie sie diese theoretischen Überlegungen des Lehrenden zu einem aufregenden Tanzerlebnis für die Kinder werden lässt: Jede Aufgabe, sei es technischer oder improvisatorischer Art, wird eingeleitet durch eine Geschichte, ein bildliches Motiv, das – im besten Fall - in den Kindern eine Bewegungsidee entstehen lässt, die sie mit „Körper, Seele und Geist“ erfasst und zum „Jubel des Körpers“ bringt. Dann sind diese einleitenden Geschichten zu „Zauberworten“ geworden. Die Worte müssen gut gewählt, der Inhalt der Geschichte auf die tänzerische Aufgabe hin untersucht worden sein, um als „Zauberworte“ wirksam werden zu können. Hierfür gibt Peters-Rohse mit einer schier unerschöpflichen Fantasie, Treffsicherheit und bildreichen Wortwahl zahlreiche Beispiele, die auch den Leser direkt mitreißen und inspirieren: Hier erfährt man von der verliebten Strumpfhose, die ihre Freundin in der Waschmaschine trifft, von dem mondsüchtigen Drachen auf dem Drachenfels nicht weit von Köln oder aber auch von den Holzwürmern im Caféhaus-Tisch, die das tagsüber gehörte im nächtlichen Tratsch verarbeiten. Man möchte selber gleich lostanzen, denn ihre Ideen sind erfüllt von Humor, Poesie und gerne auch von einem Schuss Anarchie. Diese Intensität und Qualität der Bewegung, die diese Worte auslösen können, bilden die wunderbaren Schwarz-Weiß-Fotos von Anneliese Löffler ab, auch wenn sie augenscheinlich schon einige Jahrzehnte alt sind.

Nach den gründlichen Ausführungen zum Kindertanz im Vor- und frühen Grundschulalter skizziert Peters-Rohse am Ende des Buches noch den Fortgang der tänzerischen Ausbildung in verschiedene Richtungen: Im Modernen Tanz nach Laban, im Klassischen Tanz oder im Folkloretanz. Besonders ihre Ausführungen zum Modernen Tanz nach Laban machen deutlich, wie eine Tanzerziehung in ihrem Sinne bis zum Ende der Grundschulzeit aussehen kann. Das Beiblatt mit der Entwicklung der Techniken und der rhythmisch-musikalischen Erziehung gibt für diese Bereiche einen übersichtlichen Einblick.

Im ganzen Buch verspürt man das hochemphatische Verständnis der Autorin für ihre Schüler, das durch Beobachtungen und Erinnern an ihre eigene Kindheit genährt wird. Man erkennt das Wissen um und die Leidenschaft für den Tanz. So werden viele der zahlreichen Beispiele und Hinweise auch für den Leser zu „Zauberworten“, die anregen und nachdenken lassen. Das Buch ist daher eine praxisnahe und beflügelnde Lektüre, nicht nur für Tanzpädagogen sondern auch für Pädagogen im Allgemeinen.

Gisela Peters-Rohse: „Das Kind und sein Tanz“, Florian Noetzel Verlag, Wilhelmshaven 2012, 208 S., zahlreiche Abbildungen und zusätzliche Beilage, 28,00 €.

Alexandra Pott

Veröffentlicht am 09.01.2013, von Gastbeitrag in Tanzmedien, Tanz im Text

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Kommentare zu "Zauberworte überall"



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