KRITIKEN 2011/2012



Hagen

KLEINE TRUPPE WAGT SICH AN GROßEN KLASSIKER

„Dornröschen reloaded“ in Hagen


  • Marcelo Moraes als Carabosse mit Leszek Januszewski und Hayley Macri plus Corps Foto © Stefan Kühle

Dramatische Klänge in furiosem Tempo aus dem Orchestergraben stimmen ein auf ein Szenario zwischen finsterem Terror und heiterem Rokoko. Im Prolog tanzen auf der düsteren Vorderbühne die böse Königin Carabosse (Marcelo Moraes), ihr devoter Gemahl (Matthew Williams) und beider Sohn, Prinz Desiré (Huy Tien Tran). Hinten erstrahlt die heile Welt der Hellen Königsfamilie (Königin Hayley Macri, König Leszek Januszewski und Prinzessin Aurora Yoko Furihata). Prinzen, Hofdamen und „Kreaturen“ samt einem zauberhaften blauen Vogel (André Baeta) sind Mitstreiter im Kampf zwischen Böse und Gut. Ein Happy End ist mit der Hochzeit von Aurora und Prinz Desiré und ihrer Krönung zum Hellen Königspaar gesichert, während die ohnmächtig wutverzerrte Fratze von Carabosse, eingesperrt im Käfig des Vögelchens, über den Gazevorhang zittert.

Weil Ricardo Fernando mit seiner nur 14-köpfigen Truppe keinesfalls ein klassisches Ballett original aufführen kann, hat er mit Hilfe von Dramaturgin Maria Hilchenbach, Tschaikowskys „Dornröschen“ ein bisschen anders erzählt. Das Märchenhafte bleibt - mit Referenzen zuhauf – erhalten. Das ist gut so, passt es doch ideal zur populären Tschaikowsky-Musik. Auf dem Fest, bei dem fünf junge Adelige um die Hand der schönen Aurora anhalten, taucht plötzlich Carabosse mit großem Gefolge auf. Ihr Sohn soll der Auserwählte sein. Trotz heftiger Bedenken der fürsorglichen Patin (Lara Lioi) signalisiert Aurora Zustimmung. Im Handstreich entführt die schwarze Meute sie in ihre Welt. Erst die Befreiung des Zaubervogels ermöglicht den Sieg über Carabosse. Gut triumphiert einmal mehr über Böse.

Choreografisch mischt Fernando klassische Elemente mit Akrobatik. Da kann man hohe Sprünge, aufwendige Hebungen, Würfe und Spagat in der Luft sehen. Vor allem überzeugen mit großer Aura der als prächtiger Pfau verkleidete Marcelo Moraes und das junge fernöstliche Paar Furihata und Tran. Aber wenn die entzückenden Rokoko-Damen und –Herren über den Boden rutschen oder gar Purzelbäume schlagen, wirkt es denn doch ein bisschen fehl am Platz. Überhaupt sind die Mühen der anspruchsvollen Technik so sichtbar, dass es kaum je zu den fließenden, leichtfüßigen Linien reicht, die die so wunderbar tänzerische Musik vorgibt. Etwas mehr erzählende Pantomime – schön angelegt schon von Patin Lioi - wäre durchaus wünschenswert. Dorin Gals sparsames Bühnenbild mit wenigen zart bemalten transparenten Stoffbahnen und seine apart verfremdeten Rüschenkleider und Uniformen in Pastellfarben atmen romantische Eleganz. Das Philharmonische Orchester begleitete an diesem Abend etwas polternd. Dennoch ist dieser kleine Klassiker eine sehenswerte Bereicherung des NRW-Spielplans und steht auch in der kommenden Saison auf dem Plan.

www.theater.hagen.de

Veröffentlicht am 01.06.2012, von Marieluise Jeitschko in Kritiken 2011/2012

Dieser Artikel wurde 2001 mal angesehen.



Kommentare zu "Kleine Truppe wagt sich an großen Klassiker"



Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



 

AKTUELLE NEWS


GELD FÜR DIE KÖLNER TANZSZENE

905.000 Euro kommen vom NRW-Kultursekretariat und dem Landesministerium
Veröffentlicht am 16.05.2019, von tanznetz.de Redaktion


BERUFEN!

Katja Schneider wird erste Professorin für Tanzwissenschaft an der HfMDK
Veröffentlicht am 14.05.2019, von Pressetext


CLAUDIA JESCHKE ERHÄLT MÜNCHNER TANZPREIS

Die Tanzwissenschaftlerin Prof. Dr. Claudia Jeschke wird geehrt
Veröffentlicht am 03.05.2019, von Pressetext



AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



GROßE PROGRAMMREIHE „OLD STARS - NEW MOVES" BEIM UNTERWEGSTHEATER

Das UnterwegsTheater Heidelberg präsentiert 2019 ein hochkarätiges Programm mit Uraufführungen und Gastspielen

Den Auftakt bildet "Reconstruction" von Jai Gonzales am 21. Februar 2019

Veröffentlicht am 12.02.2019, von Anzeige

LETZTE KOMMENTARE


ENGAGEMENT VERLOREN

Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper
Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion


RAUSCHEN VON SASHA WALTZ & GUESTS

Uraufführung am 7. März 2019 in der Volksbühne Berlin
Veröffentlicht am 01.02.2019, von Anzeige


HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

Der Primaballerina Lynn Seymour zum 80. Geburtstag
Veröffentlicht am 06.03.2019, von tanznetz.de Redaktion

MEISTGELESEN (7 TAGE)


VON ALLEM STAUB BEFREIT

Gelungene Premiere: Kenneth MacMillans „Mayerling“ beim Stuttgarter Ballett

Veröffentlicht am 19.05.2019, von Annette Bopp


DIE TOTEN-INSEL

In der Gastspielreihe Old stars New moves bringt José Luis Sultán am 24. Mai ein neues Stück zur Uraufführung

Veröffentlicht am 21.05.2019, von Anzeige


DYNAMISCHE BILDERFLUT

Ein Einblick in die 14. Internationalen Oldenburger Tanztage 2019

Veröffentlicht am 16.05.2019, von Gastbeitrag


MARGOT FONTEYN: 100 JAHRE

Pick bloggt über eine große Ballerina

Veröffentlicht am 19.05.2019, von Günter Pick


"VIELE TÄNZERISCHE IMPULSE"

Tarek Assam erhält Gießener Theaterpreis 'denkmal'

Veröffentlicht am 21.05.2019, von Pressetext



BEI UNS IM SHOP