KRITIKEN 2011/2012



Hellerau

SCHÖNE SCHATTENSPIELE

Linie 08 eröffnet das Tanzjahr in Hellerau mit „Kopfkino“


  • Irene Schröder und Tobias Herzz in "Kopfkino" Foto © Peter Fiebig
  • Irene Schröder in "Kopfkino" Foto © Peter Fiebig

Der Jaques Dalcroze Saal im Hellerauer Festspielhaus ist ein nüchterner Raum mit weißen Wänden. An der Kopf- und Längsseite liegen schwarze Sitzkissen auf dem weißen Boden für das Publikum. Auf Wunsch kann man einen Stuhl erhalten. In der Mitte eine Schienenschleife die auch über Viadukte führt, auf den Schienen drei kleine aneinandergehängte Waggons, beladen mit je einer Lichtquelle in Form von Minitaschenlampen. Dazu auf zierlichem Ständer erhöht noch eine runde Platte mit Schienenkreis und einem kleinen Wagen, der das Licht bewegt.

Vor dieses Licht kauert sich die Tänzerin Irene Schröder und es ist, als möchte sie vermitteln, dieses kleine Licht leuchte jetzt direkt in ihren Kopf. „Kopfkino“ heißt die Arbeit, deren Idee und Technik sich rasch erschließt. Schon erscheint der Kopf der Performerin ganz groß als Schatten an der Wand, die Form verändert sich bei minimalster Bewegung, eine Haarsträhne kann im Schattenbild zur Landschaft werden.

Dann fahren die drei Lichterwägelchen ihre Schleifen, Wolfgang Kurtz stellt Gegenstände auf, Gläser, Glasbehälter, eine bis auf die Sprungfedern entkleidete kleine Matratze, ein Einrad. Er hängt Gegenstände auf an Fäden, die sich drehen. Alles bekommt seine Schatten, die verändern sich in ihren Größen mit der Bewegung der Lichtquellen, sie werden groß und nehmen den ganzen Raum ein, sie werden wieder klein und verlöschen. Wenn jetzt das Licht auf der erhöhten Scheibe auch noch fährt, bewegen sich die Schattenbilder gegeneinander, sie vermischen sich, bekommen wieder die eigene Kontur und begeben sich erneut auf ihre Reise vor unseren Augen und schon fahren die schönsten Geschichten durch unsere Köpfe. Irene Schröder bewegt sich jetzt in der temporären Installation und somit gehen die Schattenbilder ihres Körpers noch mal gänzlich andere Wege.

Dazu gibt’s Sound von Tobias Herzz, eine Collage, in der man auch so etwas wie ein Interview vermuten kann, von dem sich einige Schnipsel in eine Wiederholungsschleife verirrt haben. Nach dreißig Minuten, nach einem angedeuteten Wettlauf der Schattentänzerin mit dem durch sie nicht zu beeinflussenden Tempo des Lichtes und dem Weg der Gegenstände, ist diese Produktion zu Ende.

Mit dem Maß an Ideen war das Team wohl schon mindestens zehn Minuten früher an die Grenzen gekommen, der Rest war Wiederholung. Aber, das sei gesagt, eine Wiederholung, die man gerne sah und für die das Publikum der Künstlergruppe mit sehr herzlichem Applaus dankte.

Schon am 11. und 12. Februar fährt die Linie 08 weiter. Angekündigt ist ein dreiteiliger Abend mit Arbeiten von Robin Jung/Sarah Elizabeth Lewis, Rebekka Böhme und Miriam Welk.

Veröffentlicht am 02.02.2012, von Boris Michael Gruhl in Kritiken 2011/2012

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