NEWS 2010/2011



Berlin

TANZPLAN DEUTSCHLAND 2005 – 2010

Eine positive Bilanz


Die Kulturstiftung des Bundes initiierte 2005 mit Tanzplan Deutschland ein wegweisendes Modell für eine nachhaltige Kulturpraxis. Das Ziel war die umfassende und systematische Stärkung der Kunstsparte Tanz. Tanzplan Deutschland wirkte in so unterschiedlichen Bereichen wie Künstler- und Nachwuchsförderung, Tanzausbildung, kulturelle Bildung und Kulturerbe Tanz. Während der 5-jährigen Dauer des Projekts wurden bundesweit über 400 maßgebliche Institutionen und Partner in das Projekt einbezogen und insgesamt 21 Millionen Euro in den Tanz investiert. Mehr als 80% der Initiativen – vor Ort und auf Bundesebene – setzen ihre Arbeit fort. Match-Funding auf allen Ebenen Mit Hilfe des Match-Funding-Prinzips wurden von 2005 bis 2010 insgesamt 21 Millionen Euro für den Tanz mobilisiert: zusätzlich zu den 12,5 Millionen Euro der Kulturstiftung des Bundes stellten Städte und Länder weitere 8,5 Millionen Euro für den Tanz zur Verfügung. Es entstanden neue Studiengänge in Frankfurt und Berlin, neue Spielstätten und Residenzprogramme für Künstler in Hamburg und Potsdam, herausragende Kompetenzzentren für kulturelle Bildung in Düsseldorf und München sowie regionale und internationale Tanznetzwerke in Bremen, Dresden und Essen. 426 institutionelle Projektpartner haben kooperiert und dem zeitgenössischen Tanz eine breite Anerkennung in der Öffentlichkeit verschafft: 1.277 Tanzaufführungen wurden produziert und präsentiert, 681 Aufführungen waren davon für und mit Kindern und Jugendlichen; 389 Choreografen aus über 50 Nationen haben mitgewirkt; 180 Arbeitsstipendien und Residenzen wurden an 613 Künstler vergeben; über 700 Dozenten und Referenten gaben mehr als 900 Weiterbildungen, dazu kamen rund 13.000 Unterrichtstunden an Schulen und ebenso viele Teilnehmer an Kinder- und Jugendtanzprojekten. 1.900 regionale und überregionale Presseberichte sorgten für eine starke Präsenz des Tanzes in den Medien.
Über 80% der initiierten Projekte werden fortgeführt Die Nachhaltigkeit der bisher geleisteten Arbeit wird durch die lokalen und regionalen Förderer bestätigt. Die Haushaltsverhandlungen laufen noch, aber die Chancen sind groß, dass trotz knapper öffentlicher Mittel acht der neun Tanzpläne-vor-Ort weiterfinanziert werden – zum Teil sogar in wesentlich höherem Umfang. Auch bei den von Tanzplan initiierten Projekten sieht es gut aus: die an wechselnden Orten stattfindende „Biennale Tanzausbildung“ wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung weiter finanziert; als Ergebnis eines 3-jährigen internationalen Forschungsvorhabens der Tanzplan Ausbildungsprojekte erscheint im Henschel Verlag die Publikation „Tanztechniken 2010 – Tanzplan Deutschland“; die Berliner Akademie der Künste übernimmt das neue Online-Portal für Tanzgeschichte und Dokumentation „Digitaler Atlas Tanz“ und die von Tanzplan geleistete Anschubförderung der „Stiftung TANZ - Transition Zentrum Deutschland“ wird vom Beauftragten für Kultur und Medien für 2011 fortgesetzt.
Resümee Tanzplan Deutschland hat mit großem Erfolg eine kulturpolitische Entwicklung angestoßen. Die wirkungsvolle Struktur des Tanzplans hat die Kulturstiftung des Bundes auf die Sparte der zeitgenössische Musik übertragen und 2006 das Netzwerk Neue Musik ins Leben gerufen. Auch international wurde Tanzplan Deutschland zum viel zitierten Modellprojekt: in vielen Ländern – von der Schweiz über Spanien bis Australien – gibt es mittlerweile nationale Tanzpläne. Wie geht es weiter? Zu Beginn von Tanzplan Deutschland rechnete niemand mit der enormen Dynamik, die diese Initiative für die Entwicklung und das Selbstbewusstsein der Kunstsparte entfalten würde. Zum Ende des Tanzplans fordert nun die Tanzszene, dass der Beauftrage für Kultur und Medien (BKM) den Faden dort aufnimmt, wo die Kulturstiftung des Bundes aufgrund ihrer Förderrichtlinien aussteigen muss, z.B. bei der NPN-Koproduktionsförderung oder einem Nationalen Tanzbüro, das die wichtige Initiativ- und Informationsarbeit des Tanzplan-Büros weiterführen soll. Die Kulturstiftung des Bundes wird ihr großes Engagement für den Tanz mit der Leuchtturmförderung des internationalen Tanzkongresses und den beiden Förderfonds „Tanzpartner“ und „Tanzerbe“ fortsetzen. Untenstehend folgt eine detaillierte Aufstellung aller Projekte. Tanzplan Deutschland - Eine Strategie für den Tanz 1. Projektidee 2005 entschied die Kulturstiftung des Bundes, 12,5 Millionen Euro in den Tanz zu investieren. Sie gab damit den Startschuss zu einer in ganz Europa einzigartigen Großinitiative für den Tanz. Auf fünf Jahre angelegt, wirkte das Projekt bis 2010 als Katalysator für die deutsche Tanzszene. Ziel war es, dem zeitgenössischen Tanz mehr Anerkennung in der Öffentlichkeit zu verschaffen, bei Politikern wie Publikum. In einer Zeit, in der auf städtischer und kommunaler Ebene aufgrund klammer Haushalte zahlreiche Tanzkompanien abgewickelt wurden, lief Tanzplan Deutschland gegen den Trend an und sorgte für einiges Erstaunen ¬– auch durch sein offenes Konzept, das nicht den üblichen Kulturförderprogrammen entsprach. Die ursprüngliche Idee war, ein großes, nationales Festival ins Leben zu rufen, das mit seiner Strahlkraft den Tanz ins öffentliche Bewusstsein heben sollte. Das Konzept der späteren Projektleiterin Madeline Ritter jedoch sah einen Strukturentwicklungsplan vor, der nicht bei Null, sondern bei der bestehenden Tanzszene ansetzte. Damit entschied sich die Kulturstiftung dafür, neben der Berufsausbildung vor allem lokale und regionale Szenen fünf Jahre lang zu unterstützen.
Das auf Nachhaltigkeit setzende Gesamtkonzept lebte von der Einbeziehung der Tanzschaffenden und der lokalen Politik gleichermaßen. Bedingung war, dass die jeweiligen Städte oder Länder die Hälfte der benötigten Summe beitragen (von 440.000 bis 1,2 Mio. Euro), zusätzlich zur laufenden Tanzförderung. Von den Akteuren der Tanzszene wurde Entsprechendes auf inhaltlicher Ebene verlangt: modellhafte Zukunftspläne, die über das bislang Erreichte hinausweisen und die Tanzentwicklung in Deutschland vorantreiben. Neun der aus ganz Deutschland eingereichten ‚Tanzplan vor Ort’ - Konzepte wurden finanziell unterstützt: Berlin, Bremen, Dresden, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, München, Potsdam. Mit Hilfe des Match-Funding-Prinzips wurden insgesamt 21 Millionen Euro für den Tanz mobilisiert. Um auch die nächste Generation von Tänzern, Choreografen und Wissenschaftlern einzubinden, setzte Tanzplan Deutschland mit seinen Ausbildungsprojekten einen weiteren Förderschwerpunkt.
Als Projektträger wurde der gemeinnützige Verein Tanzplan Deutschland gegründet, der mit einem fünfköpfigen Team den Plan in die Tat umsetzte, an seiner Seite ein Kuratorium aus renommierten Tanzexperten. 2. Was wurde erreicht? 426 maßgebliche Institutionen und Partner haben zusammengearbeitet, um die Tanzsparte zu stärken, sie besser zu vernetzen und ihre Wirkung zu vergrößern. International wurde Tanzplan Deutschland zum viel zitierten Modellprojekt, in vielen Ländern - von der Schweiz über Spanien bis Australien - gibt es mittlerweile nationale Tanzpläne. Kulturelle Bildung Die Tanzpläne in Düsseldorf, Frankfurt, München und Bremen haben den Tanz in die Schulen und ihre Region getragen. Das Angebot reichte vom Schulfach Tanz bis zum Projektunterricht im Staatsballett. Die Gesamtzahl von rund 13.000 Unterrichtstunden und ebenso vielen Teilnehmern sowie die Erkenntnisse der Begleitforschung belegen die große Wirksamkeit dieser umfassenden Tanzbildungsinitiative. Flankierend förderte der Tanzplan im Rahmen der Ausbildungsprojekte die Qualifizierung der Tanzpädagogenausbildung in Hamburg und Köln und legte damit weitere Bausteine für das gemeinsame Ziel, den Tanz als eigenständige künstlerische Ausdrucksform in die Bildung zu integrieren. Künstler- und Nachwuchsförderung In Dresden, Hamburg, Frankfurt zogen Workshop-Programme, Profi-Training und Masterclasses Tänzer und Choreografen an. Damit wurde den Abwanderungstendenzen in die Tanzhauptstadt Berlin entgegengewirkt. Zur regionalen Verankerung trugen zudem die mit Stipendien, Gratisnutzung von Studios, Mentorenbegleitung und mit Produktionsmitteln ausgestatteten Künstlerresidenzen in Hamburg, Potsdam, Frankfurt und Dresden bei. Tanzplan Bremen realisierte mit neun Ausgaben des reisenden Festivals „Norddeutsches Tanztreffen“ einen für die Tanzsparte in ganz Deutschland einmaligen Austausch von Choreografien städtischer und freier Kompanien – von Osnabrück bis Greifswald und von Braunschweig bis Kiel. Ein weiteres, äußerst wirkungsvolles Instrument der Förderung von national herausragenden Choreografen war die Koproduktionsförderung des Nationalen Performance Netzes (NPN), die Tanzplan Deutschland fünf Jahre mit 900.000 Euro finanzierte. Sie ermöglichte 47 Uraufführungen, stimulierte die internationale Zusammenarbeit und vervielfachte über die Koproduktionsmittel der Städte und Länder die eingesetzten Bundesmittel. Insgesamt wurden im Rahmen der fünf Tanzplan-Jahre 1277 Tanzaufführungen in Deutschland produziert und präsentiert, 819 in freien Produktionsstätten und 438 in Staats- und Stadttheatern, 681 Aufführungen davon waren für und mit Kindern und Jugendlichen; 389 Choreografen aus über 50 Nationen haben mitgewirkt; 180 Arbeitsstipendien und Residenzen wurden ausgeschrieben, an denen 613 Künstler teilnahmen.
Die schwierige und oft prekäre Situation von Tänzern am Ende ihrer beruflichen Laufbahn war Anfang 2010 darüber hinaus Anlass zur Gründung der „Stiftung TANZ - Transition Zentrum Deutschland“, deren Aufbau Tanzplan inhaltlich begleitet und mit 65.000 Euro unterstützt hat. Tanzausbildung Die Ausbildung der Profis – Tänzer, Choreografen, Pädagogen, die heutzutage in Praxis und Theorie gleichermaßen fit sein müssen – hatte in den Berliner und Frankfurter Tanzplänen Priorität. Am neu gegründeten Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz (HZT) in Berlin studieren junge Künstler aus aller Welt in den neuen BA- und MA-Studiengängen; in Frankfurt und Gießen sind neue Master-Programme für Choreografie und Tanzpädagogik entstanden; die Dresdner Tanzplaninitiative schuf mit der partnerschaftlichen Zusammenarbeit der Palucca Hochschule für Tanz Dresden, dem Semperoper Ballett und Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste neue Verknüpfungen zwischen Ausbildung und Produktion; „tanzplan essen 2010“ lud internationale Kunsthochschulen und Experten auf die Zeche Zollverein, um in Symposien und Werkwochen neue Lern- und Lehrmodelle im direkten künstlerischen Kontext zu erproben. Insgesamt gaben über 700 Dozenten und Referenten aus 50 Nationen 968 Weiterbildungen mit über 25.000 Teilnehmern.
Tanzplan Ausbildungsprojekte Im Rahmen der Tanzplan Ausbildungsprojekte wurden alle elf staatlichen Tanz- und Fachhochschulen eingeladen, sich gemeinsam um die Qualifizierung und die internationale Profilierung der Tanzausbildung in Deutschland zu kümmern. Ein sichtbarer Erfolg dieser Zusammenarbeit ist neben der Gründung der „Ausbildungskonferenz Tanz“ die Etablierung der „Biennale Tanzausbildung“: während dieser einwöchigen Nachwuchs-Plattformen kamen in Berlin (2008) und in Essen (2010) jeweils weit über 200 Professoren, Studierende, namhafte Künstler und Wissenschaftler zusammen, um in Workshops, Diskussionen und Vorstellungen miteinander zu arbeiten. Zum Abschluss von Tanzplan erscheint im Henschel Verlag das Buch „Tanztechniken 2010 - Tanzplan Deutschland“. Es ist das erste Standardwerk zu Tanztechniken im Zeitgenössischen Tanz und das Ergebnis eines 3-jährigen internationalen Forschungsvorhabens der Tanzplan Ausbildungsprojekte (Herausgeber Ingo Diehl und Friederike Lampert). Deutschland konnte sich mit dieser Bildungsoffensive national und international deutlich in der Tanzausbildung profilieren. Kulturerbe Auf Initiative und moderiert von Tanzplan Deutschland haben sich die fünf wichtigsten Tanzarchive zum „Verbund Deutsche Tanzarchive“ zusammengeschlossen. Mit dem Prototyp einer Online-Datenbank „Digitaler Atlas Tanz“, die von der Akademie der Künste übernommen wird, bringt Tanzplan darüber hinaus die künftige bessere Nutzbarkeit des Kulturerbes Tanz mit auf den Weg [URL=http://www.digitaler-atlas-tanz.de.]www.digitaler-atlas-tanz.de.[/URL] Service und Information Als Serviceleistung für die Tanzszene hat Tanzplan wichtige Daten und Fakten zum Tanz gesammelt. Daraus ist eine umfangreiche Webseite entstanden, die bei der Suche nach Fördermöglichkeiten für professionelle Tanzprojekte und Ausbildungsadressen hilft [URL=http://www.tanzfoerderung.de.]www.tanzfoerderung.de.[/URL] Des Weiteren wurden die Internetportale Dance Germany www.dance-germany.org und www.tanznetz.de finanziell unterstützt und eine Publikationsförderung aufgelegt, in deren Rahmen 21 Bücher über Tanz veröffentlicht wurden. 1.900 regionale und überregionale Presseberichte sorgten für eine deutlich erhöhte Präsenz des Tanzes in den Medien.
3. Wie geht es weiter? 3.1. Perspektiven in den Tanzplanstädten Die Konstellationen der Partner und Förderer vor Ort waren so vielfältig wie die Projektinhalte. Um dem gerecht zu werden, ist die Frage nach der Weiterführung der Tanzpläne vor Ort differenziert zu beantworten.
Berlin: Das Hochschulübergreifende Zentrum Tanz (HZT) steht seit April 2010 auf eigenen Füßen und hat im regulären Studienbetrieb neue Studenten aufgenommen. 2010/2011 ist es mit 1,2 Millionen Euro aus den Hochschulen und dem Masterplan Ausbildungsinitiative gut gesichert. Mit der erfolgreichen Akquise durch TanzRaumBerlin von 4,3 Millionen Euro von der Lotto-Stiftung konnten die Uferstudios zu einem attraktiven Standort für das HZT sowie für weitere Einrichtungen, Künstler und Kompanien der Stadt umgebaut werden.
Bremen: Das Norddeutsche Tanztreffen wird aller Voraussicht nach nicht weitergeführt. Die Stadt Bremen bemängelt, als Hauptförderer zu wenig davon zu profitieren. Sie will deshalb ihren Finanzierungsanteil in der bisherigen Höhe von 130.000 Euro künftig für die Förderung der lokalen Tanzszene einsetzen, davon 48.000 Euro für das Deutsche Tanzfilminstitut. Das Tanzplan Festival „XtraFrei“ soll zusammen mit dem Staatstheater Hannover fortgeführt werden.
Dresden: Das Semperoper Ballett, die Palucca Hochschule für Tanz Dresden und Hellerau hatten - als große von Stadt und Land geförderte Institutionen - die Tanzplanaktivitäten aus ihren eigenen Budgets ko-finanziert. Sie werden ihre Kooperationen fortsetzen, z.B. bei der „Tanzplattform 2012“, der „Biennale Tanzausbildung 2014“ und vielen weiteren Aktivitäten. Hellerau wird in Zusammenarbeit mit dem TanzNetzDresden, einem neu gegründeten Zusammenschluss von über 100 Tänzern und Choreografen, mit „Linie 8“ eine eigene Veranstaltungsschiene für die freie Szene etablieren.
Düsseldorf: Das Land hat seine Förderung auf 100.000 Euro verdoppelt, die Stadt hat um 40.000 Euro auf 190.000 Euro erhöht. Damit sind in Düsseldorf die Grundlagen für die Tanzkunst für und mit Jugendlichen auch für die Zukunft gesichert. Essen: PACT Zollverein steht zur Zeit mit dem Land und weiteren Förderern in Verhandlung zwecks Weiterführung der interdisziplinären Arbeitstreffen „Explorationen“ und des internationalen Austauschs der Kunsthochschulen „Agora – Feldstärke International“. Frankfurt: Stadt und Land fördern in gleicher Höhe weiter. Neu dazu gekommen ist eine auf fünf Jahre angelegte Förderung des Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main und eine regionale Stiftungsallianz. Die so gesicherte Gesamtförderung von jährlich 560.000 Euro liegt damit noch über dem bisherigen Tanzplan-Budget (500.000/Jahr). Die durch Tanzplan initiierten neuen MA-Studiengänge werden von den Hochschulen in Frankfurt und Gießen ebenfalls weiter getragen.
Hamburg: Die im Rahmen von Tanzplan auf 200.000 Euro verdoppelte Projektförderung Tanz der Stadt Hamburg wird als eine der Säulen des Projektes erhalten bleiben. Das Choreographische Zentrum K3 auf Kampnagel hat gute Chancen, weiter gefördert zu werden. Bis Mitte 2011 hat die Stadt dem Zentrum bereits eine Zwischenfinanzierung von 100.000 Euro zugesagt, über weitere 200.000 Euro wird Anfang Februar entschieden.
München: Die Stadt München will das Projekt langfristig sichern und stellt dafür über 100.000 Euro bereit, das Land will ebenfalls mit 50.000 Euro weiterfördern. Auch hier geht die Vermittlungsarbeit für Tanz weiter. Potsdam: Stadt und Land wollen aufgrund der knappen Mittel keine internationale Künstlerresidenzen mehr fördern. Die Politik erwartete von der fabrik Potsdam ein Konzept, das Stadt und Land sowie Aspekte der kulturellen Bildung stärker mit einbeziehen sollte. Im Ergebnis soll der Zuschuss für 2011 insgesamt um 61.000 Euro erhöht werden, aber diese Mittel gehen vor allem in die bisherigen Projektbereiche der fabrik und nur zu einem wesentlich geringerem Teil in das Residenzprogramm. Fazit Tanzplan vor Ort: Alle Mitwirkenden haben mit ihren Modellprojekten - national und international - große Wirksamkeit entfaltet und wesentlich dazu beigetragen, den Tanz in Deutschland als eigenständige Kunstsparte sichtbar zu machen. Die gute Partnerschaft mit den Ländern und Kommunen hat ihre Resonanz in einer großen Wertschätzung durch die Kulturpolitik gefunden. Aufgrund der überzeugenden inhaltlichen Qualität und der guten gesellschaftlichen Verankerung der Projekte in den Städten wird trotz knapper öffentlicher Mittel die Mehrzahl der „Tanzpläne vor Ort“ von den Städten und Ländern in gleicher Höhe bzw. in Frankfurt und Berlin sogar wesentlich höher weiterfinanziert. 3.2. Perspektiven auf Bundesebene Zu Beginn des Tanzplan Deutschland rechnete niemand mit der enormen Dynamik, die diese Initiative für die Entwicklung und das Selbstbewusstsein dieser Kunstsparte entfalten würde. Der Tanzplan hat eine Vorlage geliefert, um den Tanz auch in der Bundeskulturpolitik zum Thema zu machen: 2006 gründete sich die „Ständige Konferenz Tanz“ (heute „Dachverband Tanz“), 2007 nahm der Schlussbericht der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ zur Sondersituation Tanz Stellung, und im November 2010 gab es zum ersten Mal in der Geschichte des Kulturausschusses des Bundestages eine Anhörung zum Thema Tanz. Damit sich die Wertschätzung auch außerhalb der Projektfördermöglichkeiten der Kulturstiftung des Bundes in einer substantiellen Bundesförderung niederschlägt, muss allerdings noch beharrliche Überzeugungsarbeit geleistet werden. Gelungen ist die Staffelübergabe bereits bei der Biennale Tanzausbildung, die künftig vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 200.000 Euro pro Ausgabe gefördert wird. Die 3. Biennale ist 2012 in Frankfurt, die 4. Biennale 2014 in Dresden geplant. Die Finanzierung der Geschäftsstelle Stiftung TANZ - Transition Zentrum Deutschland ist durch Tanzplan bis März 2011 gesichert. Da es bei dieser Stiftung für Tänzer am Ende ihrer Laufbahn gleichermaßen um Kunst, Arbeit und Soziales geht, fiel dieses wichtige Thema bisher zwischen die Stühle. Auch hier gelang die Anschlussförderung: für 2011 hat der Beauftrage für Kultur und Medien (BKM) eine Förderung von 50.000 Euro zugesagt. Der Zeitraum der NPN-Koproduktionsförderung wurde durch eine einmalige Verlängerung der Kulturstiftung des Bundes auf 2010 ausgedehnt, die weitere Förderung jedoch ist ungewiss. Der „Dachverband Tanz“ hat eine Online-Petition für die Erhaltung der Koproduktionsförderung an den Deutschen Bundestag gerichtet und hofft, den Kulturstaatsminister Bernd Neumann von der Notwendigkeit dieses Förderinstruments zu überzeugen. Tanzplan Deutschland hat neben den Projekten in den Städten länderübergreifend richtungweisende Initiativen angestoßen, z.B. mit den Ausbildungsprojekten und im Bereich des Tanzkulturerbes. Das Tanzplan-Team hat koordinierend und moderierend zur besseren Vernetzung der Tanzszene beigetragen und vielfältigen Service für Tanzschaffende, Institutionen, Kulturpolitik und die Öffentlichkeit geboten. Damit all diese Leistungen nicht mit dem Ende des Tanzplans entfallen und damit auch in Zukunft die Entwicklung dieser äußerst vitalen Kunstsparte vorangetrieben werden kann, hat Tanzplan zusammen mit dem „Dachverband Tanz“ ein Konzept für ein Nationales Tanzbüro entworfen. Die Chancen für dessen Finanzierung werden derzeit mit der Kultusministerkonferenz und dem BKM erörtert.
3.3. Tanzförderung der Kulturstiftung des Bundes Die Kulturstiftung des Bundes setzt ihr großes Engagement für den Tanz fort. Der von ihr bereits zweimal ausgerichtete internationale Tanzkongress wird von 2013 an als kultureller Leuchtturm fest verankert. Der Tanzkongress soll künftig regelmäßig alle drei Jahre an wechselnden Orten in Deutschland stattfinden und erhält pro Ausgabe bis zu 800.000 Euro. Während mit dem Tanzkongress als kulturellem Leuchtturm die Tanzförderung konsolidiert werden soll, zielen die neuen Fonds „Tanzpartner“ und „Tanzerbe“ auf die Vertiefung der kulturellen Bildung im Tanz und auf die künstlerische Vermittlung des kulturellen Erbes. Dafür stellt die Kulturstiftung des Bundes bis 2014 insgesamt 5 Millionen Euro zur Verfügung. 4. Resümee Der Tanzplan ist zum internationalen Modellprojekt geworden. Städte und Länder haben den Tanz fünf Jahre lang verbindlich unterstützt und werden dies auch weiterhin tun; die Bundespolitik wird für den Tanz in die Pflicht genommen. Die mit dem Tanzplan getätigte Investition war erfolgreich. Viele tausend Mitwirkende werden ihre Erfahrungen weiter tragen, vielstimmig und an unterschiedlichen Orten. Sie werden dafür sorgen, dass der Tanz als Kunstform weiterhin seinen Weg in die Gesellschaft findet. Der Plan ist Realität geworden.
Weitere Informationen zum Tanzplan Deutschland Team: Madeline Ritter (Projektleitung), Frank Ottersbach (Geschäftsführung), Ingo Diehl (Leitung Tanzplan Ausbildungsprojekte), Barbara Schindler (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit), Marguerite Joly (wissenschaftliche Mitarbeit und Projektassistenz) Kuratorium: Nele Hertling, Reinhild Hoffmann, Dr. Antje Klinge, Dr. Johannes Odenthal Tanzplan Deutschland e.V.
www.tanzplan-deutschland.de Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin Judith Brückmann, Kommunikation Universität der Künste Berlin www.hzt-berlin.de Take-off: Junger Tanz. Tanzplan Düsseldorf Martina Kessel, Projektkoordination tanzhaus nrw www.take-off-junger-tanz.de , www.tanzhaus-nrw.de Tanzplan Dresden Palucca Hochschule für Tanz Dresden Eileen Mägel, Pressesprecherin www.tanzplan-dresden.de tanzplan essen 2010 Stefan Hilterhaus, Projektleitung PACT Zollverein www.tanzplan-essen.de Tanzlabor_21 / Ein Projekt von Tanzplan Deutschland Melanie Franzen, Projektleitung c/o Künstlerhaus Mousonturm www.tanzlabor21.de K3 - Zentrum für Choreographie | Tanzplan Hamburg Dr. Kerstin Evert, Projektleitung Kampnagel www.k3-hamburg.de access to dance. Tanzplan München c/o Kulturbüro Simone Schulte & Andrea Marton www.accesstodance.de Tanzplan Potsdam: Artists in Residene Laurent Dubost, Marketing / PR fabrik Potsdam www.fabrikpotsdam.de Tanztechniken 2010 – Tanzplan Deutschland Ingo Diehl / Friederike Lampert (Hg.) 320 Seiten, 100 s/w-Abbildungen, mit 2 DVDs ISBN 978-3-89487-412-4 (Deutsch) // ISBN 978-3-89487-689-0 (Englisch) € [D] 19,90 € [A] 20,50 sFr 30,50 // UK Pound 24,90, $ 29,95 (USA and Canada) www.tanzplan-deutschland.de www.henschel-verlag.de Webseite „Digitaler Atlas Tanz“ (Prototyp) Idee, Konzeption, Durchführung: Marguerite Joly, Franz Anton Cramer (beide Tanzplan Deutschland) www.digitaler-atlas-tanz.de Stiftung TANZ – Transition Zentrum Tanz Deutschland Heike Scharpff www.stiftung-tanz.com Qualifizierungsprogramm Pädagogenausbildung Tanz in Schulen: Projekt "Choreographieren mit SchülerInnen" Universität Hamburg / FB Bewegungswissenschaft Heike Lüken Dipl. Kulturwissenschaftlerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin www1.uni-hamburg.de/gklein www.performance.uni-hamburg.de Tanz in Schulen-Koordinationsstelle am Institut für Tanz und Bewegungskultur der Deutschen Sporthochschule Köln und der Hochschule für Musik und Tanz, Köln Pascale Rudolph www.dshs-koeln.de

Veröffentlicht am 28.01.2011, von Pressetext in News 2010/2011

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Kommentare zu "Tanzplan Deutschland 2005 – 2010"



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