Weihnachtsoratorium (Bach; Neumeier), Hamburg Ballett, 01.01.2018 

Ralf Reck, 02.01.2018 00:53:22

Viele Rollen waren in dieser Serie neu besetzt, so die von John Neumeier für die „Mutter“ schlechthin konzipierte Partie der Maria: Die 23jährige Gruppentänzerin Yaiza Coll durchlebte tänzerisch und darstellerisch hingebungsvoll die Höhen und Tiefen dieser Partie, mit Freude die frohe Botschaft annehmend, aber auch der Ängste ob der auferlegten Verantwortung und wohl auch des mit dem Tod des Sohnes zugedachten Leids gewiss: Eine schöne Leistung. Ihr mehr zur Passivität bestimmter Mann war mit Jacopo Bellussi gut besetzt, ebenso die für Llloyd Riggins geschaffene Rolle des Mannes mit dem Tannenbaum mit dem physisch präsenten Aleix Martinez. Nachdem Madoka Sugai mit einer Glanzleistung als Kitri in Don Quixote aufgefallen war, überzeugte sie heute im Ensemble wieder mit hohen und weiten Sprüngen in die Arme ihres zuverlässigen Partner Matias Oberlin. Dazu gehört Mut und völliges Vertrauen in den Partner (in dem aktuellen Journal der Hamburgischen Staatsoper wird Madoka Sugai mit der früheren Aussage zitiert, entweder Tänzerin oder Athletin bei Olympia zu werden).

Anfags hatte man bei den Ensembles noch das Gefühl, dass der Silvesterrausch noch nicht ganz überstanden war, die Unkonzentriertheit ging aber schnell vorüber und die Tänzerinnen und Tänzer fanden zu ihrem hohen Niveau zurück. Alexandre Riabko und Carolina Agüero waren die Engel, Carsten Jung der Hirte. Die Riege der Gesangssolisten wurde von dem schönstimmigen Tenor Julian Prégardien als Evangelist angeführt, Katja Pieweck sang die Altpartie, Manuel Günther den Tenorpart und Benjamin Appl die Bass-Soli. Der Sopran von Marie-Sophie Pollak erschien mir in den Höhen etwas unausgeglichen. Die Sängerinnen und Sänger wurden am Schluss ebenso bejubelt wie die Tänzerinnen und Tänzer, Yaiza Coll erhielt einen Blumenstrauß zugeworfen. Nachdem wir schon nach den Aufführungen von Anna Karenina stehende Ovationen erlebt hatten, schien sich dieses heute zu wiederholen. Vielleicht waren die Zuschauer in der bis auf den letzten Platz besetzten Hamburgischen Staatsoper aber auch nach knapp drei Stunden Aufführungsdauer (18-21:15 Uhr inkl. 25 min Pause) nur des langen Sitzens müde geworden.

zuletzt geändert von Ralf Reck, 02.01.2018 00:54:18



 

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