Don Quixote (Nurejew/Petipa), Hamburg Ballett, 15.12.2017 

Ralf Reck, 16.12.2017 00:48:24

Von Alexandr Trusch (Basil) war eine gute Leistung zu erwarten gewesen. Bei den artistisch fordernden Soli wirkte er heute jedoch nicht ganz so konzentriert wie sonst, man hatte fast den Eindruck, er sei gesundheitlich leicht angeschlagen. Unter diesen Umständen hat er sich aber bravourös geschlagen und war seiner Partnerin Madoka Sugai ein herausragender Partner. Einer der Höhepunkte war denn auch der Pas de deux zu Beginn des zweiten Aktes, als Basil und Kitri im Zigeunerlager auftauchen. Die beiden tanzten so harmonisch und präzise miteinander, dass sie schon bald an die Meister im Paartanz Silvia Azzoni und Alexandre Riabko anschließen könnten. Madoka Sugai war als Kitri schlicht sensationell. Bei ihren hohen Sprüngen schwebte sie förmlich in der Luft, als ob sie sich die Gravitation untertan machen würde; was für ein Stehvermögen, welche Bewegungsanmut, welcher Liebreiz und welche physische Ausdauer und Könnerschaft bei den immer wieder technisch immens schwierigen Anforderungen, und das mehrfach in allen drei Akten. Überhaupt bot dieser Don Qixote in der Choreographie von Rudolf Nurejew Tanz in überbordendem Ausmaß, nicht nur für das Protagonistenpaar Basil und Kitri, sondern u.a. auch für Aleix Martinez als Zigeuner, Lizhong Wang als Espada oder Mayo Arii als Amor im Mittelakt. Die Pantomime war in dieser Aufführung sehr zurückgedrängt. Carsten Jung als Don Quixote und Konstantin Tselikov als Gamache hatten zwar kaum zu tanzen, überzeugten aber mittels schauspielerischen Könnens, ohne das Komische der Partien zum Klamauk ausarten zu lassen oder ihre Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben. Die Leistung aus dem Orchestergraben (Leitung Garrett Keast) überzeugte mich weniger als das auf der Bühne Dargebotene. Viel Zwischenbeifall, Jubel für Madoka Sugai und Alexandr Trusch, Blumen für Florencia Chinellato (Eine Straßentänzerin) und Madoka Sugai.

zuletzt geändert von Ralf Reck, 16.12.2017 00:49:21



 

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