VORANKÜNDIGUNGEN



Münster

TANZTHEATER BACH. IMMORTALIS

Tanztheaterabend von Hans Henning Paar am 21. Oktober am Theater Münster zur Musik von Johann Sebastian Bach und Thorsten Schmid-Kapfenburg



Im Anschluss an die Premiere wird im Oberen Foyer die Ausstellung »Surrounded by you« mit Arbeiten von Sascha Ceglarski eröffnet.


  • BACH, IMMORTALIS von Henning Paar Foto © Oliver Berg
  • BACH, IMMORTALIS von Henning Paar Foto © Oliver Berg
  • BACH, IMMORTALIS von Henning Paar Foto © Oliver Berg
  • BACH, IMMORTALIS Foto © Oliver Berg

Am Samstag, 21. Oktober hebt sich im Großen Haus des Theaters Münster um 19.30 Uhr der Vorhang für Hans Henning Paars Tanztheaterabend »Bach. Immortalis« zur Musik von Johann Sebastian Bach und Thorsten Schmid-Kapfenburg

Johann Sebastian Bach (1685–1750) hinterließ der Nachwelt einen außergewöhnlichen musikalischen Kosmos, der nachfolgende Komponistengenerationen beeinflusste und Musikschaffende zu zahllosen Bearbeitungen inspirierte. Bachs Werk umfasst außer der Oper jede musikalische Gattung des Barocks und spiegelt die verschiedenen Berufsfelder wider, die der Komponist im höfischen und im kirchlich-städtischen Bereich innehatte. Bach trennte nicht zwischen geistlicher und weltlicher, zwischen vokaler und instrumentaler Musik, sondern versuchte die heterogenen Prinzipien in seinem Schaffen zu vereinen. Die Vielschichtigkeit seiner Schreibart und die Universalität seines musikalischen Denkens führten zur Gestaltung eines Werks, das als einzigartiger Fall von Überzeitlichkeit gelten kann.

Hans Henning Paar setzt sich in seiner Choreografie mit verschiedenen Aspekten des kompositorischen Werks auseinander, visualisiert die Entwicklung vom Weltlichen zum Geistlichen bis hin zur Konfrontation mit der eigenen Vergänglichkeit. Er begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit und auf die Suche nach Ahnen, –

Ahnen des Tanzes, der Musik und den eigenen. Ergänzt wird die Musikauswahl des Abends mit einer Neukomposition von Thorsten Schmid-Kapfenburg »Reflexionen über B-A-A-C-H-H.«.

Im Anschluss an die Premiere wird im Oberen Foyer die Ausstellung »Surrounded by you« mit Arbeiten von Sascha Ceglarski eröffnet. Während der Probenabend zu dem Tanzabend »Bach. Immortalis« hat der Osnabrücker Künstler Skizzen angefertigt, die er – ergänzt um Grafiken, Aquarelle und Radierungen aus früheren Schaffensjahren – bis zum 27. Dezember im Theater präsentiert.


Hans Henning Paar zur Inszenierung BACH, IMMORTALIS

»Ich hatte schon länger den Wunsch, einen Tanzabend zur Musik Johann Sebastian Bachs zu kreieren. Der Titel BACH, IMMORTALIS steht für die Überzeitlichkeit von Bachs Werk. Man kann diesem großen und vielfältigen Werk gar nicht gerecht werden, dieser Anspruch wäre vermessen. Mit der Musikauswahl unseres Tanzabends haben wir aber versucht, wenigstens die verschiedenen musikalischen Genres, die Johann Sebastian Bach bedient hat, abzubilden. Die von mir ausgewählten Orchester- und Instrumentalwerke sind zumeist höfischer Art; sie wirken sehr erhaben und majestätisch, trotz kleiner Besetzung im Orchestergraben. Die Stücke der Soloinstrumente, wie die Partiten für Violine oder auch die FANTASIA für Klavier, wirken sehr konzentriert und besitzen eine beinahe zwingende Dynamik mit einer klaren Ausrichtung, deren Umsetzung eine große technische Versiertheit voraussetzt. Und dann gibt es natürlich noch die sakralen Werke, die mich besonders berühren. So versuche ich, die verschiedenen Energien der Musiken Bachs in einem Tanzabend zusammenzufassen.

Warum Bach? Ich persönlich reagiere sehr emotional auf Bachs Musik. Obwohl sie vor mehreren Jahrhunderten entstanden ist, berührt, inspiriert und bewegt sie viele Menschen auch heute noch. In seiner Musik ist schon alles angelegt, was auch in der heutigen Musik zu hören ist, so etwa die starken Rhythmen, die permanenten Wiederholungen und das Drängende, Treibende. Und genau dieses emotionale Drängen der Musik fasziniert mich und weckt in mir den Wunsch zu choreografieren.

Mehr als in anderen Tanzabenden gehe ich in BACH, IMMORTALIS auf die Musik ein. Ich schließe die Augen beim Hören und versuche herauszufinden, welche Art von Gefühl die Musik in mir erzeugt und welche Bilder und Assoziationen sie hervorruft. Und ich möchte sowohl die Emotionalität der Musik choreografisch umsetzen als auch tänzerische Entsprechungen für Struktur und Aufbau der Musik finden.

BACH, IMMORTALIS ist kein biografisches Werk. Es ist ein Stück über das Leben und unsere Vergänglichkeit – und über die Sehnsucht nach einer vergangenen Zeit. Die Musik dient als Inspiration für die Auseinandersetzung mit verschiedenen Aspekten des menschlichen Lebens. Der Wunsch, unser Dasein zu begreifen –rational wie auch emotional – beinhaltet immer auch die Frage nach unserer Vergangenheit, nach Gegenwart und Zukunft.

Die Fragen »Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und was bleibt?« spielen für mich eine große Rolle bei der Wahrnehmung von Bachs Musik. Ich versuche mich dieser Musik zu nähern, indem ich gemeinsam mit den Tänzer/innen emotionalen Zuständen nachgehe, die sich im Körper manifestieren: das können Gefühle wie Trauer, Freude oder Hektik sein oder auch nur das Erspüren der Rhythmik der Musik … Meine Choreografien entstehen immer sehr intuitiv. Sie bilden das ab, was ich im Moment empfinde. So ist jede Neuschöpfung auch immer eine Reise ins Ungewisse. Und diesmal war es auch eine Reise in die Vergangenheit – eine Suche nach Ahnen.

Auch deswegen versuche ich in BACH, IMMORTALIS verschiedene Zeitebenen miteinander zu verbinden. Zuallererst ist da die Übersetzung der Barockmusik in eine zeitgenössische Bewegungssprache… Und auf der musikalischen Ebene setze ich der Barockmusik eine moderne Schöpfung zur Seite: Thorsten Schmid-Kapfenburg hat für diesen Tanzabend eine Neukomposition »Reflexionen über B-A-A-C-H-H« kreiert, in der er sich mit seinem heutigen Musikverständnis mit dem Motiv B-A-C-H auseinandersetzt. Ich finde es wichtig, Bachs Musik in einen anderen zeitlichen Zusammenhang zu stellen und nicht nur einen schönen Barockabend zu kreieren, sondern den Harmonien auch ein Moment der Disharmonie entgegenzustellen. Eine Irritation.

Dann ist da noch die filmische Ebene: Bei den Projektionen handelt es sich um altes Filmmaterial einer inzwischen verstorbenen Generation meiner Vorfahren, ... die Erinnerung, an einen vergangenen Zeitabschnitt, sozusagen ein Fenster in die Vergangenheit. Von den abgebildeten Personen lebt niemand mehr, trotzdem sind sie aufgrund des Filmmaterials doch höchst lebendig. Und beim Betrachten erkenne ich so viele Ähnlichkeiten sowohl äußerlicher Art als auch in Bezug auf Mimik, Gestik und Bewegung – faszinierend und erschreckend zugleich.

Natürlich spiegelt sich der zeitliche Aspekt auch im Kostüm- und Bühnenbild wider. Isabel Kork hat einen sehr klaren und reduzierten Bühnenraum geschaffen, der an ein Universum erinnert, und gleichzeitig verschiedene Aspekte der Barockzeit aufgreift und in eine heutige Form übersetzt. Durch die stete Bewegung des Bühnenbildes entstehen immer neue Räume, die zahlreiche Assoziationen zulassen.

Und schließlich gibt es jenseits aller Vergangenheitsbetrachtung noch das ‚Jetzt‘. Den Augenblick, den die Tänzer/innen physisch und emotional auf der Bühne erfahren mit einer Intensität, die sich hoffentlich auch auf die Zuschauer überträgt.«

Veröffentlicht am 18.10.2017, von Anzeige in Vorankündigungen

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