HOMEPAGE



Mannheim

WIE DIE ZEIT VERRINNT

Regensburg-Mannheimer Mix beim neuen Tanzabend „Hello Surprise“ am Nationaltheater Mannheim



„Sweet Shadow“ von Stephan Thoss und „Loops“ von Yuki Mori gestalten einen abwechslungsreichen wenn auch nicht ganz überzeugenden Tanzabend.


  • "Hello Surprise" ein Tanzabend von Stephan Thoss und Yuki Mori Foto © Hans-Jörg Michel
  • "Hello Surprise" ein Tanzabend von Stephan Thoss und Yuki Mori Foto © Hans-Jörg Michel
  • "Hello Surprise" ein Tanzabend von Stephan Thoss und Yuki Mori Foto © Hans-Jörg Michel
  • "Hello Surprise" ein Tanzabend von Stephan Thoss und Yuki Mori Foto © Hans-Jörg Michel
  • "Hello Surprise" ein Tanzabend von Stephan Thoss und Yuki Mori Foto © Hans-Jörg Michel

Der neue Mannheimer Ballettchef Stephan Thoss versteht sich ganz offensichtlich nicht nur selbst als Choreograf, sondern als Entdecker und Förderer choreografischer Talente. So gibt es zum Ende seiner ersten Spielzeit - mit den üblichen drei Premieren - noch etwas ‚Bonusmaterial’ obendrauf: eine vierte Premiere in einem ganz ungewöhnlichen Format. Denn neben dem obligatorischen eigenen künstlerischen Fingerabdruck für Thoss und einer kleinen Spielwiese für seinen Ballettmeister und Hauschoreografen Guiseppe Spota bietet der Tanzabend „Hello Surprise! die Begegnung mit einem weiteren Ex-Ensemblemitglied der Thoss-Kompanie zu Wiesbadener Zeiten. Der Japaner Yuko Mori ist inzwischen zum Leiter des Tanzensembles am Theater Regensburg avanciert. In dieser Eigenschaft hatte ihn Stephan Thoss gleich samt einem zehnköpfigen Ensemble eingeladen und präsentiert nun einen eigenwilligen Mix aus Eigenproduktion und Gastspiel.

Den Auftakt machte Guiseppe Spota mit einem Remake aus Wiesbadener Zeiten, einem Gala-tauglichen Kabinettstückchen. Der Pas de deux „tangled“ zeigt eine besondere Form körperlicher Vertrautheit wie eine intensive Kontaktimprovisation. Mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der Emma Kate Tilson und Joris Bergmans ihre eigenen Bewegungen entwickeln, versuchen sie auch den Körper ihres Gegenübers zu steuern.

In „Sweet Shadow“ dagegen (eine Arbeit von Stephan Thoss aus dem Jahr 2009) gibt es nur Selbstdarsteller, acht an der Zahl. Sie präsentieren sich in raffiniertem Licht nach individuellen Kräften, und doch fehlt ihrem Tanz etwas ganz Entscheidendes: die Zuwendung zu einem Gegenüber. Die Leerstelle symbolisiert ein rotes Prachtkleid, das als pure Hülle mitten auf der Bühne steht.

Die zweite Hälfte des Abends gehörte den Gästen aus Regensburg, die in zehnköpfiger Besetzung angereist waren und sich als attraktives, vielfältig differenziertes Ensemble präsentieren konnten. Yuki Mori erzählt in „Loops“ die allgegenwärtige Geschichte vom Verrinnen der Zeit. Dabei wird nicht eine kontinuierliche Geschichte erzählt, sondern auf bekannte Muster abgehoben: Das Telefon, an dessen Ende niemand abnimmt, der Mann, der in die Kampfuniform steigen muss, die Frau, die Bild und Brief hütet, das Paar, das auseinandergetrieben wird – vom tänzerisch personifizierten Schicksal, oder, weniger pathetisch ausgedrückt, von der vergänglichen Zeit. Auch die Musik (eine Minimalkomposition von Simeon ten Holt) beschwört fast hypnotisch eine Endlosschleife. Das alles fängt spannend an und dauert am Ende ein kleines bisschen zu lang – dennoch: Herzlicher Beifall für den Mannheim-Regensburger Mix.

Veröffentlicht am 19.05.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2016/17

Dieser Artikel wurde 647 mal angesehen.



Kommentare zu "Wie die Zeit verrinnt"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    ZWISCHEN RASEREI UND AUSBRUCH

    Gemeinsamer Tanzabend von Stephan Thoss und Yuki Mori am Theater Regensburg

    Der arenagroße Ring als beherrschendes Bühnenelement bei „Gefangen im tRaum / Bernarda Alba“ ist ein ebenso simpler, wie genialer Einfall. Mit wenigen Seilzügen können ganz unterschiedliche Räume – und Empfindungen – errichtet werden.

    Veröffentlicht am 25.02.2015, von Michael Scheiner


    REGENSBURG VOM FEINSTEN

    Pick bloggt über "Gefangen im tRraum / Bernarda Alba" von Stephan Thoss und Yuki Mori in Regensburg

    Ein Zweiteiler, der mit Gewalt auf einen Nenner gebracht wird, dadurch dass er großes Theater verspricht und in gewisser Weise auch hält.

    Veröffentlicht am 17.07.2015, von Günter Pick


     

    LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


    VIEL STYROPOR

    Dancesoap „Minutemade“ mit „Act Three“ in München
    Veröffentlicht am 20.07.2017, von Vesna Mlakar


    HULDIGUNG AN DIE RUSSISCHE TRADITION

    Eine Nijinsky-Gala mit vielen glanzvollen Höhepunkten beschloss die 43. Hamburger Ballett-Tage
    Veröffentlicht am 20.07.2017, von Annette Bopp


    MAGIE ZWISCHEN SCHWULST UND POMP

    Das National Ballet of China gastierte bei den 43. Hamburger Ballett-Tagen
    Veröffentlicht am 18.07.2017, von Annette Bopp



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    TANZ- UND PERFORMANCE-PROGRAMM IM RAHMEN DES BEETHOVENFESTS

    Vom 8. September bis 1. Oktober in Bonn

    In den letzten zwei Jahren öffnete sich das Beethovenfest zeitgenössischen »jungen« Kunst-Sparten. Auch das diesjährige Festival widmet sich den tänzerischen und performativen Formen der Gegenwart.

    Veröffentlicht am 01.04.2017, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ATEMBERAUBEND GRENZÜBERSCHREITEND: HOMÖOPATHIE UND TANZ

    „Sepia tanzt alleine“ von Andrea Simon, Andreas Etter, Ulrich Koch und Gesina Habermann verbindet Tanz und Medizin in beeindruckend schönen Bildern
    Veröffentlicht am 10.02.2017, von Sabine Kippenberg


    DIONYSOS UND APOLLON IM STREIT

    Demis Volpis „Tod in Venedig“ als Koproduktion von Ballett und Oper in Stuttgart
    Veröffentlicht am 09.05.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    WIE TANZT MAN REFORMATION?

    Das Bundesjugendballett wagt mit "Gipfeltreffen - Reformation" einen Versuch
    Veröffentlicht am 15.01.2017, von Andreas Berger

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    MIT GROßEN SPRÜNGEN IN DIE ZUKUNFT

    Ballett-Matinee der Stuttgarter John Cranko Schule

    Veröffentlicht am 14.07.2017, von Boris Michael Gruhl


    NEUER CHEF AM THEATER DORTMUND

    Tobias Ehinger wird Geschäftsführender Direktor

    Veröffentlicht am 15.07.2017, von Pressetext


    EIN GEMEINSAMER ATEM

    Colours International Dance Festival am Theaterhaus Stuttgart

    Veröffentlicht am 12.07.2017, von Boris Michael Gruhl


    MARCO GOECKE WIRD NICHT VERLÄNGERT

    Der Vertrag des Hauschoreografen des Stuttgarter Ballett läuft zum Ende der Spielzeit 2017/2018 aus

    Veröffentlicht am 11.07.2017, von Pressetext


    ACCESS TO DANCE



    Veröffentlicht am 03.05.2013, von tanznetz.de Redaktion



    BEI UNS IM SHOP