HOMEPAGE



Dresden

AUF GROßER REISE

Célestine Hennermanns „Aller Anfang“ am Societatestheater Dresden



„Aller Anfang“ - ein Tanzstück für Kinder ab drei Jahren - ist alles andere als schwer für the guts company.


  • "Aller Anfang" von Célestine Hennermann; Johanna Roggan und Josefine Wosahlo Foto © Benjamin Schindler
  • "Aller Anfang" von Célestine Hennermann; Johanna Roggan und Josefine Wosahlo Foto © Benjamin Schindler
  • "Aller Anfang" von Célestine Hennermann; Johanna Roggan und Josefine Wosahlo Foto © Benjamin Schindler
  • "Aller Anfang" von Célestine Hennermann; Johanna Roggan und Josefine Wosahlo Foto © Benjamin Schindler
  • "Aller Anfang" von Célestine Hennermann; Johanna Roggan und Josefine Wosahlo Foto © Benjamin Schindler

Nach ihren spartenübergreifenden Projekten zu den Themen „Heimat“ und „Fremde“ begeben sich Johanna Roggan und Josefine Wosahlo in der neuesten Produktion von the guts company mit der Choreografin Célestine Hennermann in die Gefilde der Fantasien von Kindern ab drei Jahren. Dass sie dabei alles Kindische vermeiden, gehört zu den wesentlichen Eindrücken dieser heiteren Tanzproduktion für die Kleinsten, bei der sich aber auch die Großen nicht langweilen dürften.

Ein Kindertag in weniger als einer Stunde, eine gelungene Art, die Zeit zu raffen, der damit beginnt, dass sich die beiden erst mal finden müssen. Zwei unter einer Decke: Wer bist Du, wer bin ich, bin ich Du, bist Du ich, was kann ich, was nicht, was kannst Du, was können wir zusammen unternehmen, am besten, wir begeben uns auf eine große Fahrt. Aber bevor wir uns stärken und dann auch in See stechen, müssen wir uns erst mal sortieren, denn sind das hier deine oder sind das meine Beine. Ist das deine Hand oder ist es meine?

Bei diesen Spielen, die immer wieder aus der scheinbaren Freiheit der Improvisation dann doch in die Genauigkeit geführter Bewegungen übergehen, machen sich die Tänzerinnen nicht klein. Aber die Ausstattung von „Sounds of Silence“, das sind Susanne Kessler und Petra Eichler, hält einige Objekte bereit, die ganz schön riesig erscheinen, etwa einen Stuhl, den selbst erwachsene Menschen, wie die Tänzerinnen, regelrecht erklimmen müssen. Aber dass da ein Stuhl auf der Bühne steht, auf dem dann beide Platz haben und uns in heiterer Pantomime mit Gesang daran teilhaben lassen, dass es ihnen schmeckt, das ist nicht gleich zu sehen. Das Möbelstück ist verhüllt, die Protagonistinnen können sich darin verstecken, sie können immer wieder mal eine Hand oder nur ein Bein herauslugen lassen, so entstehen schöne, schräge Fantasiebilder, die nicht zuletzt auch schon mal an Kinderzeichnungen denken lassen.

Und dann aber doch auf die Hohe See, mit einem Papierschiff, da sind Piratenfantasien nicht weit, der Säbel kann aber auch gleich wieder zur Krone für die Prinzessin werden, ohne die es doch nicht geht, und schon ist Sindbad zur Stelle und wer es so deuten will, mag auch einen richtigen Supermann sehen, denn was wäre so eine Abenteuerreise, müsste nicht die Prinzessin auch befreit werden und sich gehörig stärken, mit Salat aus Kiwis, Mango und Banane. Immerhin, ein Schiff aus Papier hält allen Stürmen stand, und wenn es nach der Fahrt über die sieben Weltmeere wieder ankommt im Hafen und dieser Tag mit allen seinen Anfängen für die beiden neugierigen und erfindungsreichen Tänzerinnen zu Ende geht, dann schwimmen unzählige, kleine Schiffe auf der Bühne im kleinen Saal des Dresdner Societatestheaters.

Bestimmt wird diese Choreografie von der Bewegungslust, die ja eigentlich allen Kindern eigen ist und die nicht selten auch dazu führt, Anfänge zu wagen, weiter zu kommen, einen großen Bogen zu schlagen und dann doch wieder anzukommen. Das bestimmt auch den Tanz von Johanna Roggan und Josefine Wosahlo im Dialog mit der Musik von Gregor Praml, der es versteht, etwa ein fröhliches Kinderlied am Morgen vielfach zu variieren, aber die Melodik dabei nicht zu verspielen. Darauf reagieren die Tänzerinnen, so finden sich auch bei ihnen die Themen und darauf die Variationen. Tanz und Spiel gehen ineinander über und da sind sie dann wohl auch ganz schön nahe an der Art, wie man es bei Kindern beobachten kann, die aus der Konzentration des Spiels plötzlich in die Freiheit einer bewegten Geste kommen, um gleich darauf sich ihrer Beschäftigung zu widmen.

„Aller Anfang...“, ja klar kennt man, „ist schwer“, so geht es weiter. Schwer dürfte dieser Anfang vielleicht sein im Hinblick auf die Gewinnung des Zielpublikums, denn bislang ist es nicht üblich, dass die freie Tanzszene sich an so junges Publikum wendet. Höchste Zeit! Aber im Hinblick auf diese gelungene Produktion kann man es mit Goethe halten: „Aller Anfang ist heiter“. Wer wollte Goethe widersprechen.

Veröffentlicht am 04.05.2017, von Boris Michael Gruhl in Homepage, Kritiken 2016/17

Dieser Artikel wurde 948 mal angesehen.



Kommentare zu "Auf großer Reise"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


    VIEL STYROPOR

    Dancesoap „Minutemade“ mit „Act Three“ in München
    Veröffentlicht am 20.07.2017, von Vesna Mlakar


    HULDIGUNG AN DIE RUSSISCHE TRADITION

    Eine Nijinsky-Gala mit vielen glanzvollen Höhepunkten beschloss die 43. Hamburger Ballett-Tage
    Veröffentlicht am 20.07.2017, von Annette Bopp


    MAGIE ZWISCHEN SCHWULST UND POMP

    Das National Ballet of China gastierte bei den 43. Hamburger Ballett-Tagen
    Veröffentlicht am 18.07.2017, von Annette Bopp



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    TANZ- UND PERFORMANCE-PROGRAMM IM RAHMEN DES BEETHOVENFESTS

    Vom 8. September bis 1. Oktober in Bonn

    In den letzten zwei Jahren öffnete sich das Beethovenfest zeitgenössischen »jungen« Kunst-Sparten. Auch das diesjährige Festival widmet sich den tänzerischen und performativen Formen der Gegenwart.

    Veröffentlicht am 01.04.2017, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ATEMBERAUBEND GRENZÜBERSCHREITEND: HOMÖOPATHIE UND TANZ

    „Sepia tanzt alleine“ von Andrea Simon, Andreas Etter, Ulrich Koch und Gesina Habermann verbindet Tanz und Medizin in beeindruckend schönen Bildern
    Veröffentlicht am 10.02.2017, von Sabine Kippenberg


    DIONYSOS UND APOLLON IM STREIT

    Demis Volpis „Tod in Venedig“ als Koproduktion von Ballett und Oper in Stuttgart
    Veröffentlicht am 09.05.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    WIE TANZT MAN REFORMATION?

    Das Bundesjugendballett wagt mit "Gipfeltreffen - Reformation" einen Versuch
    Veröffentlicht am 15.01.2017, von Andreas Berger

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    MIT GROßEN SPRÜNGEN IN DIE ZUKUNFT

    Ballett-Matinee der Stuttgarter John Cranko Schule

    Veröffentlicht am 14.07.2017, von Boris Michael Gruhl


    NEUER CHEF AM THEATER DORTMUND

    Tobias Ehinger wird Geschäftsführender Direktor

    Veröffentlicht am 15.07.2017, von Pressetext


    EIN GEMEINSAMER ATEM

    Colours International Dance Festival am Theaterhaus Stuttgart

    Veröffentlicht am 12.07.2017, von Boris Michael Gruhl


    MARCO GOECKE WIRD NICHT VERLÄNGERT

    Der Vertrag des Hauschoreografen des Stuttgarter Ballett läuft zum Ende der Spielzeit 2017/2018 aus

    Veröffentlicht am 11.07.2017, von Pressetext


    ACCESS TO DANCE



    Veröffentlicht am 03.05.2013, von tanznetz.de Redaktion



    BEI UNS IM SHOP