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Augsburg

RICARDO FERNANDO: VON HAGEN NACH AUGSBURG

Marieluise Jeitschko sprach mit Ricardo Fernando über seine neue Wirkungsstätte



Die größte Veränderung beim Augsburger Ballett sieht Ricardo Fernando darin, dass mit ihm auf den Manager und Ballettmeister Robert Conn ein choreografierender Ballettchef folgt.


  • Choreograf Ricardo Fernando Foto © Stefan Kühle

Am meisten freut sich der Brasilianer, dass er mit Armin Frauenschuh endlich einen Ballettmanager bekommt, der ihm die aufwendigen administrativen Aufgaben abnimmt, sodass er sich voll auf seine künstlerischen Aufgaben konzentrieren kann. Zehn Jahre lang hat er die Qualität seiner Kompanie in Hagen, sein Repertoire und seine choreografische Handschrift beharrlich und konsequent weiter entwickelt - immer die Drohung der Spartenschließung im Nacken wie schon einmal zuvor in Bremerhaven. Für sein idealistisches Engagement erhielt Ricardo Fernando 2015 den Anerkennungspreis des Deutschen Tanzpreises. Er warf erst das Handtuch, als die Stadt Hagen im vorigen Jahr vom Theater eine neuerliche drastische Etatkürzung verlangte und Intendant Norbert Hilchenbach seinen Vertrag daraufhin nicht über 2018 hinaus verlängern wollte. Fernando gab mit seiner Kündigung ein deutliches Signal und wagte dafür sogar den Sprung ins Ungewisse ohne rettendes Netz. Das Engagement nach Augsburg, wo im kommenden Sommer ein Intendantenwechsel ansteht, folgte wie die verdiente Belohnung.

Am 8. April nimmt der brasilianische Ballettchef mit seinem letzten Vierteiler Abschied vom Revier. Nicht zufällig gab er dem Programm den versöhnlichen Titel „Satisfaction“. Denn er ist mit dem Erreichten und Gebotenen zufrieden - und zu Recht stolz auf die begeisterte Publikumsresonanz und die einfallsreiche, großzügige Unterstützung der mehr als 250 Hagener „Ballettfreunde“.

In Augsburg folgt der 56-Jährige dem ehemaligen Solisten des Stuttgarter Balletts Robert Conn, der hier ebenfalls zehn Jahre zeitgenössisches Ballett mit gemischten Programmen und Handlungsballetten bot. Weniger als manch frühere hochkarätige Choreografien überzeugte der jüngste Vierteiler „(R)evolution“ - abgesehen von dem technisch anspruchsvollen „Adagio und Scherzo“ auf Schubert-Quartettsätze von Krzysztof Pastor. Allerdings arbeitet die 16-köpfige Truppe wie das gesamte Theaterensemble in dieser Saison unter extrem schwierigen Verhältnissen, bedingt durch die plötzliche Schließung des Theaters aus Sicherheitsgründen. Mindestens bis 2023 wird die Sanierung, Restaurierung und Modernisierung des historischen Hauses in der Fuggerstadt dauern - rund ein weiteres Jahrzehnt die komplette Neugestaltung der übrigen Spielstätten.

Fernando ist heilfroh, dass ihm die derzeitige Improvisation erspart bleibt. Wenn er in Augsburg antritt, wird die bislang leer stehende alte Fabrikhalle im Martini Park als neues Multifunktions-Theater umgebaut sein. Die kleine „brechtbühne“, wo „(R)evolution“ eher behelfsmäßig aufgeführt werden musste, steht weiterhin zur Verfügung, bis ein kleiner Raum in den Gaswerken zur Bespielung hergerichtet sein wird.

Mit Erleichterung und Freude sieht Ricardo Fernando der Arbeit mit dem neuen Team entgegen. Statt 14 Tänzerpositionen in Hagen wird er in Augsburg 16 haben. Vier Tänzer bringt er aus Hagen mit, Nikolaos und Jiwon Kim Doede, Sofia Romana und Eunje Yang. Vier Mitglieder der jetzigen Augsburger Truppe bleiben, darunter die beiden Top-Solisten Yun-Kyeong Lee und Alexander Karlsson. Auch der Tänzer und Hauschoreograf Riccardo De Negris (sein „Bolero“ hat am 7. April im Augsburger „Kongress im Park“ Premiere) behält seine beiden Funktionen.

Die größte Veränderung sieht Ricardo Fernando darin, dass nach dem Manager und Ballettmeister Conn mit ihm ein choreografierender Ballettchef nach Augsburg kommt. Ballettmanager Armin Frauenschuh wird auch Stellvertreter des Direktors sein - ebenso wie Fernandos Ehefrau Carla Silva, die sich mit Frauenschuh das Balletttraining teilt.

Veröffentlicht am 19.03.2017, von Marieluise Jeitschko in Homepage, Leute

Dieser Artikel wurde 1383 mal angesehen.



Kommentare zu "Ricardo Fernando: Von Hagen nach Augsburg"



    • Kommentar am 26.03.2017 19:55 von Sabine Winkler
      Wie zutreffend der Artikel doch Robert Conn als Manager und Ballettmeister tituliert. Und wie lange er sich als Nicht- oder Wanna-Be-Choreograf in Augsburg hat halten können. Vermutlich waren es all die Jung- und Nachwuchschoreografen, die interessante und frische Stücke auf die Bühne brachten. Wünschen wir Fernando eine kreative und glückliche Hand, zumal bei den genannten Rahmenbedingungen. Und ein paar Choreografien aus anderer "Quelle" dürfen gerne auch weiterhin sein, damit Augsburg ein wunderbares Ballett-Haus wird.

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