LEUTE



Hamburg

DER TANZENDE OMBUDSMANN

Hans Herdlein ist tot



Der langjährige Präsident der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) und Interessenvertreter für den Tanz, Hans Herdlein, ist im Alter von 88 Jahren in München verstorben.


  • Hans Herdlein Foto © GDBA

Der Hauptvorstand der GDBA nimmt in tiefer Trauer von einem langjährigen Wegbegleiter Abschied, der auch
über seine Präsidententätigkeit von 1972 bis 2009 hinaus ein wertvoller Impulsgeber für seine Gewerkschaft war.

Bis zu seinem Tode stand Herdlein dem Landesverband Bayern der GDBA vor. Noch bis 2013 hatte er auch den
Gruppenrat Tanz geleitet und damit ein Berufsfeld betreut, das den ehemaligen Solotänzer seit seinem Eintritt in die GDBA im Jahre 1949 bewegt hatte. Bereits während seiner Engagements am Deutschen Theater München, den Städtischen Bühnen Düsseldorf und an der Bayerischen Staatsoper wuchs er immer mehr in die Rolle eines Interessenvertreters seiner Kolleginnen und Kollegen hinein. Der spätere Bundestagspräsident Norbert Lammert nannte Herdlein anlässlich der Verleihung des Deutschen Tanzpreises 2005 einen „tanzenden Ombudsmann, der sich notfalls auch mit Ballettdirektoren und Intendanten anlegte, um angemessene Dienstverhältnisse auszuhandeln und die notorische Benachteiligung des Balletts bei den Bühnenproben auszuräumen“.

Schon Ende der 1950er Jahre war auf seine Initiative die Berufsgruppe Tanz innerhalb der GDBA entstanden. Vor allem bei jüngeren Mitgliedern wuchs sein Ansehen in den 1960er Jahren mehr und mehr, so dass er 1972 zum Präsidenten der GDBA gewählt wurde. In den folgenden mehr als drei Jahrzehnten wurde er neunmal
wiedergewählt.

In einflussreichen Ehrenämtern auf nationaler wie internationaler Ebene hat er maßgeblich dazu beigetragen, die soziale Situation und finanzielle Absicherung der Tänzer und Bühnenkünstler zu verbessern.
Gegen jedweden „Raubbau am Kulturetat“ hat sich Hans Herdlein namens der GDBA stets engagiert, meist
erfolgreich: „Die Menschen in diesem Lande haben ein Anrecht – nicht nur auf einen Arbeitsplatz, der ihnen ihr materielles Auskommen sichert – sondern auch auf ein kulturelles Angebot, das ihr Menschsein nicht
verkümmern lässt.“

Hans Herdlein hat alle tarifpolitischen Erfolge des letzten halben Jahrhunderts für Bühnenkünstlerinnen und
-künstler wesentlich mitbestimmt: Ein Funktionär im besten Sinne des Wortes und immer mehr als das, kein
Theoretiker, sondern ein Praktiker, der wusste, wovon er redete.

Hans Herdlein war Träger des Bayerischen Verdienstordens und seit 2009 Ehrenmitglied der GDBA. Er wird
fehlen.

Veröffentlicht am 07.03.2017, von Pressetext in Leute, News 2016/2017

Dieser Artikel wurde 1035 mal angesehen.



Kommentare zu "Der tanzende Ombudsmann"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    MEHR CHAOS ANSTATT MEHR ORDNUNG

    Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger skeptisch

    Das geplante Tarifeinheitsgesetz von Bundearbeitsministerin Andrea Nahles würde TänzerInnen deutlich benachteiligen. Die Bühnengenossenschaft und andere klagen deshalb beim Bundesverfassungsgericht.

    Veröffentlicht am 31.01.2017, von Annette Bopp


     

    LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


    BEWEGUNGS-FREIHEITEN

    Boris Charmatz: „A dancer's day“ auf Tempelhofer Flughafen im Hangar 5
    Veröffentlicht am 18.09.2017, von Miriam Althammer


    VERTIGO DANCE COMPANY

    Eine Produktion der Vertigo Dance Company und der Fondazione Campania dei Festival – Teatro Festival Italia
    Veröffentlicht am 20.09.2017, von Anzeige


    BESCHWINGT UND HEITER – VOM FEINSTEN

    Eine glanzvolle Wiederaufnahme von „Chopin Dances“ mit zwei Choreografien von Jerome Robbins anlässlich dessen 100. Geburtstags beim Hamburg Ballett
    Veröffentlicht am 20.09.2017, von Annette Bopp



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    MEDEA. TANZVERSE V

    Mit Texten von Euripides am Theaterhaus Stuttgart

    Der pure Wahnsinn!? Da verlässt ein Mann aus Karrieregrün­den seine Frau. Und sie rächt sich geradezu bestialisch – ermordet die eigenen Kinder, die Nebenbuhlerin und deren Vater.

    Veröffentlicht am 03.09.2017, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ATEMBERAUBEND GRENZÜBERSCHREITEND: HOMÖOPATHIE UND TANZ

    „Sepia tanzt alleine“ von Andrea Simon, Andreas Etter, Ulrich Koch und Gesina Habermann verbindet Tanz und Medizin in beeindruckend schönen Bildern
    Veröffentlicht am 10.02.2017, von Sabine Kippenberg


    DIONYSOS UND APOLLON IM STREIT

    Demis Volpis „Tod in Venedig“ als Koproduktion von Ballett und Oper in Stuttgart
    Veröffentlicht am 09.05.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    VERBOTEN, VERSCHOBEN, VERGESSEN?

    Zur Absage der Uraufführung „Nurejew“ des Regisseurs Kirill Serebrennikow und des Choreografen Juri Possochow am Moskauer Bolschoi-Theater
    Veröffentlicht am 18.07.2017, von Boris Michael Gruhl

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    DEUTSCHLAND BLEIBT TANZLAND

    Das Spielzeitheft Nr. 4 ist da!

    Veröffentlicht am 30.08.2017, von tanznetz.de Redaktion


    AUF NEUEN WEGEN

    Bettina Wagner-Bergelt verlässt das Bayerische Staatsballett

    Veröffentlicht am 29.08.2017, von tanznetz.de Redaktion


    HELL YES!

    Richard Siegals „El Dorado“ auf der Ruhrtriennale im PACT Zollverein in Essen

    Veröffentlicht am 27.08.2017, von Carmen Kovacs


    ACCESS TO DANCE



    Veröffentlicht am 03.05.2013, von tanznetz.de Redaktion


    DIE TANZNETZ.DE SPIELZEITHEFTE



    Veröffentlicht am 24.08.2017, von tanznetz.de Redaktion



    BEI UNS IM SHOP