HOMEPAGE



Berlin

FRÖHLICH ELEGANTE WELT

Das Tanzkollektiv laborgras im Berliner Radialsystem



Untermalt von Vogelgezwitscher bietet sich ein Bild der Harmonie und genau darauf zielt die Choreografie von „Silent Confrontation“. Nicht Geschichten werden erzählt, nur das menschliche Miteinander vor dem Hintergrund der Ästhetik der Renaissance.


  • Das Tanzkollektiv laborgras mit „Silent Confrontation“ im Berliner Radialsystem Foto © Dieter Hartwig
  • Das Tanzkollektiv laborgras mit „Silent Confrontation“ im Berliner Radialsystem Foto © Dieter Hartwig
  • Das Tanzkollektiv laborgras mit „Silent Confrontation“ im Berliner Radialsystem Foto © Dieter Hartwig
  • Das Tanzkollektiv laborgras mit „Silent Confrontation“ im Berliner Radialsystem Foto © Dieter Hartwig
  • Das Tanzkollektiv laborgras mit „Silent Confrontation“ im Berliner Radialsystem Foto © Dieter Hartwig

Von Michaela Schabel

Vier Tänzerinnen und ein Tänzer bilden eine Gruppenskulptur in hautfarbenen Kostümen. Untermalt von Vogelgezwitscher bietet sich ein Bild der Harmonie und genau darauf zielt die Choreografie von „Silent Confrontation“. Nicht Geschichten werden erzählt, nur das menschliche Miteinander, die subtilen Begegnungen und Konfrontationen vor dem Hintergrund der harmonischen Ästhetik der Renaissance. Bühnenbilder von Massys, Jan van Eyck, Bronzino und die Musik vorwiegend von Palestrina und Gesualdi verorten die Tanzperformance in der Renaissance, die hervorragende Lichtregie (Lutz Deppe) schafft einen Rahmen wie in Watte.

Körper lösen sich aus der Skulptur, neue entstehen, dazwischen Soli, Pas de deux. Die Tanzperformance beginnt zwischen historischen Schrittkombinationen, feinen Berührungen der Renaissance und den Elementen des modernen Tanzes in einer faszinierenden Leichtigkeit zu oszillieren. Immer neue Bühnenbilder werden heran gezoomt, öffnen den Blick in die Weite einer Landschaft, verschwimmen. Die Bühne taucht ein in Creme, dann in kaltes Weiß, das die Performance in das sterile Überall von Heute holt.

Genauso subtil wandelt sich die Musik (Phoebe Killdeer, Ole Wulfers) in moderne Tonalitäten, verstärkt durch Livemusik am Cembalo und Kontrabass. Die Körpersprache der Tänzer bleibt ähnlich, doch die Beziehungen zueinander ändern sich, am gelungensten in deinem Pas de deux Renate Graziadeis in sehr männlicher Optik mit Cesare Benedetti und später in ihrem expressiven Solo zum Kontrabass. Töne und Melodien, Dynamik und Akzente der Musik werden in fließenden und abrupten Bewegungen sichtbar. Renate Graziadeis Körper wird zu einem musikalisch harmonischen Zustand, zur „Körperpoesie“, wie sie selbst es nennt.

Nach den ersten Tanzsequenzen verdichtet sich der optische Bezug zur Renaissance durch die braun-, grün- und bordeauxfarbenen Kostüme (Arianna Fantin). Immer mehr beginnt „Silent Confrontation“ zwischen einst und jetzt, zwischen der fröhlich eleganten Welt der Renaissance und der stylisch modischen von heute. Der Unterschied sind die stillen Konfrontationen. Aus dem tänzerisch leichten Miteinander von einst wird das anoymisierte Nebeneinander von heute in Bahnen und Gassen. Renate Graziadei (Choreografie und Tanz) und Arthur Stäldi (Dramaturgie) beweisen einmal mehr, dass ihr Tanzlabel „laborgras“, nach 22 Jahren, immer noch für innovative und originelle Tanzprojekte steht.

Veröffentlicht am 03.01.2017, von Gastautor in Homepage, Kritiken 2016/17, Tanz im Text

Dieser Artikel wurde 1198 mal angesehen.



Kommentare zu "Fröhlich elegante Welt"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    DIALOG DER KÖRPER UND KÜNSTE

    "Transition" von laborgras im Dock 11 Berlin

    Um nichts weniger als eine Renaissance des zeitgenössischen Tanzes geht es dem Kollektiv laborgras. Verstanden als einen Gegenentwurf zum Konzepttanz, der Tanz mit unbotmäßigen Inhalten überfrachtete, notfalls auch ohne ihn auskam.

    Veröffentlicht am 08.09.2014, von Volkmar Draeger


    BEWEGUNGSEPISODEN

    laborgras erhält Kunstpreis Berlin 2015

    Die Berliner Akademie der Künste vergibt den mit 5000 Euro dotierten Kunstpreis Berlin 2015 in der Sparte Darstellende Kunst an das in Berlin ansässige Tanzkollektiv laborgras.

    Veröffentlicht am 11.02.2015, von Pressetext


     

    AKTUELLE KRITIKEN


    BEWEGUNGS-FREIHEITEN

    Boris Charmatz: „A dancer's day“ auf Tempelhofer Flughafen im Hangar 5
    Veröffentlicht am 18.09.2017, von Miriam Althammer


    BESCHWINGT UND HEITER – VOM FEINSTEN

    Eine glanzvolle Wiederaufnahme von „Chopin Dances“ mit zwei Choreografien von Jerome Robbins anlässlich dessen 100. Geburtstags beim Hamburg Ballett
    Veröffentlicht am 20.09.2017, von Annette Bopp


    GANZ OHNE GEWINNER UND VERLIERER

    „Infinite Games“ von Jonas Frey und Joseph Simon in der Hebelhalle in Heidelberg
    Veröffentlicht am 18.09.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    „HAMLET“

    Ballett von Cathy Marston am Musiktheater im Revier

    Nach dem plötzlichen Tod des Königs muss seine trauernde Witwe Gertrude feststellen, dass ihr introvertierter Sohn Hamlet nicht in der Lage ist, das bedrohte Reich zu führen...

    Veröffentlicht am 31.08.2017, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ATEMBERAUBEND GRENZÜBERSCHREITEND: HOMÖOPATHIE UND TANZ

    „Sepia tanzt alleine“ von Andrea Simon, Andreas Etter, Ulrich Koch und Gesina Habermann verbindet Tanz und Medizin in beeindruckend schönen Bildern
    Veröffentlicht am 10.02.2017, von Sabine Kippenberg


    DIONYSOS UND APOLLON IM STREIT

    Demis Volpis „Tod in Venedig“ als Koproduktion von Ballett und Oper in Stuttgart
    Veröffentlicht am 09.05.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    VERBOTEN, VERSCHOBEN, VERGESSEN?

    Zur Absage der Uraufführung „Nurejew“ des Regisseurs Kirill Serebrennikow und des Choreografen Juri Possochow am Moskauer Bolschoi-Theater
    Veröffentlicht am 18.07.2017, von Boris Michael Gruhl

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    DEUTSCHLAND BLEIBT TANZLAND

    Das Spielzeitheft Nr. 4 ist da!

    Veröffentlicht am 30.08.2017, von tanznetz.de Redaktion


    BEWEGUNGS-FREIHEITEN

    Boris Charmatz: „A dancer's day“ auf Tempelhofer Flughafen im Hangar 5

    Veröffentlicht am 18.09.2017, von Miriam Althammer


    MIKHAIL BARYSHNIKOV ERHÄLT DEN PREMIUM IMPERIALE INTERNATIONAL ARTS AWARD

    Am 18. Oktober wird der amerikanische Tänzer und Choreograf für sein Lebenswerk ausgezeichnet

    Veröffentlicht am 16.09.2017, von tanznetz.de Redaktion


    BESCHWINGT UND HEITER – VOM FEINSTEN

    Eine glanzvolle Wiederaufnahme von „Chopin Dances“ mit zwei Choreografien von Jerome Robbins anlässlich dessen 100. Geburtstags beim Hamburg Ballett

    Veröffentlicht am 20.09.2017, von Annette Bopp


    DAS LEISE AUSATMEN DER HÄNDE

    In Dresden geht die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Tanzerbe Mary Wigmans weiter

    Veröffentlicht am 14.09.2017, von Rico Stehfest



    BEI UNS IM SHOP